15 Kochmützen für die Linzgau Köche

Gault Millau vergibt Bestnoten

koch gericht gut IMG_2681(wak) Ein dickes Lob für die Linzgau Köche gibt’s erwartungsgemäß im gerade erst erschienen Gault Millau 2010. Der noch druckfrische Gourmetführer verteilt wieder einmal Bestnoten an die kreativen Küchenchefs und setzt den Kochkünstlern am westlichen Bodensee insgesamt 15 Kochmützen auf. Erneut erhielt Clemens Baader (Berghotel Baader) in Heiligenberg 17 Punkte und drei Mützen, die der Gault Millau nur für höchste Kreativität und Qualität und bestmögliche Zubereitung vergibt. Erstmals 17 Punkte und ebenfalls drei Mützen schnappte sich Aufsteiger Markus Philippi (Casala im Hotel Residenz am See) in Meersburg. An Küchenchef Markus Gruler (Seehalde) in Maurach vergab der Gault Millau 16 Punkten und zwei Mützen.

Drei Überlinger Musketiere


Mit 15 Punkten und ebenfalls zwei Mützen ausgezeichnet wurde Küchenchef Jürgen Hallerbach (Seehof, Immenstaad) – er zählt zu den Aufsteigern in der Region. Gepunktet haben wie erwartet wieder die drei Überlinger Kochprofis: Küchenchef Simon Metzler (Bürgerbräu), Andreas Liebich (Johanninter-Kreuz, Andelshofen) und Peter Vögele (Landgasthof zum Adler, Lippertsreute). Sie wurden mit jeweils 14 Punkten und einer Kochmütze belohnt. Je 13 Punkte und eine Mütze gingen am Michael Off (Seehotel Off, Meersburg) und an Andreas Schiele (Salmannsweiler Hof, Salem-Stefansfeld). Das macht 15 Kochmützen allein für die Linzgau Köche.

Badisch schmeckt besser als schwäbisch


Wie viel die Auszeichnung der badischen Köche wert ist, zeigt ein Blick ins schwäbische Friedrichshafen. Die Messe- und Industriestadt, die auch Sitz der privaten Zeppelin University ist, erreicht kulinarisch längst nicht das Niveau des Linzgaus. Erwähnung findet im aktuellen Feinschmeckerführer gerade einmal das Goldene Rad, das es mit Martin Kraus auf 14 Punkte und eine Kochmütze bringt. Kaum mehr Grund zu jubeln als die Überlinger haben auch die Genießer im der drei Mal so großen Konstanz. Küchenchef Johann Kraxner (Papageno), der vormals im Seehotel Siber kochte, holte sich großes Lob, 15 Punkte und zwei Mützen. Henning Heise und Tobias Dittrich (Schiff am See, Staad) zählen mit ihren 15 Punkten und zwei Kochmützen zu den Aufsteigern. Küchenchef Franz Wäschle, Cantina Rabaja, wurde mit 14 Punkten und einer Mütze bewertet. In Lindau punkteten ebenfalls drei Küchenchefs: Peter Eckmaier (Hoyerberg Schlössle) schaffte es auf 15 Punkte und zwei Mützen, Thomas Kraus (Schachener Hof) auf 16 Punkte und zwei Mützen und Reiner Fischer (Villino) holte sich 17 Punkte und drei Mützen.

Lob für barocken Baader


Der ehemals arg abgemagerte Clemens Baader begeisterte die Restauranttester neu mit seinen Berghäppchen und seiner wieder etwas barockeren Figur. An der höchst gehaltvollen Küche Baaders hatten die Tester jedenfalls gar nichts auszusetzen. Sie schwärmten von Schwertfisch-Sushi und Wachtelpraline und langten zu bei mit grünen Oliven gefüllten Wildlachsrouladen im hauchdünnen Oktopusmantel an aromatischen Ofentomaten. Auch das gesottene Rinderfilet mit geschmolzener Gänseleber und Ochsenschwanzravioli mundeten vorzüglich.

Youngster, der keinen Moden auf den Leim geht


Der junge Meersburger Küchenchef Markus Philippi bekam von den Testern ein ganz besonderes Lob, weil er das Zeitgemäße vom bloß Modischen zu unterscheiden wisse. Begeistern ließen sich die Tester von einer Gemüse-Kaltschale mit geräuchertem Büffelmozarella – wobei das Raucharoma dem Gault Millau 2010 ansonsten eher ein Dorn im Auge oder genauer auf der Zunge war. Ins Schwarze traf der Aufsteiger offenbar mit einem Vitello vom Kalbsrücken, der nicht nur durch Thunfischsauce, sondern auch durch ein seidiges Thunfischtatar zum „tonnato“ wurde.

Gault Millaus Ikonen der badischen Küche


Bei Markus Gruler haben es den Testern vier Ikonen der badischen Küche – geräuchertes Schweinsbäckle, Lammzüngle, Ochsenmaul und Hahnenkamm an herzhaften Alblinsen und süß-säuerlichem Kopfsalat angetan. Lob gibt es für das warm gebeizte mit Limette und Koriander gewürzte Saiblingsfilet und die auf der Haut gebratene Seeforelle auf mediterranem Grillgemüse.

Wunschzettel an Simon Metztler


Ausgesprochen freundlich ist die Haltung, die die Restauranttester gegenüber den drei ausgezeichneten Überlinger Küchenchefs einnehmen. Von Simon Metzler hätten sie sich vielleicht ein paar mehr wilde Experimente gewünscht. Er agiere am Herd geradezu übervorsichtig, so leise Kritik, die aber nur im Flüsterton vorgetragen wurde: Kakaonudeln zum Linzgauer Reh und Arrabiata-Gemüse zum Loup de mer seien so ziemlich das Unkonventionellste auf der Karte, „die spürbar um Vertrauen beim breiten Publikum“ werbe. In Verzückung geraten die Tester, wenn Metzler sich dann doch einmal asiatische Abschweifungen erlaubt.

Andreas Liebig und kein 100 Euro Wein


Andreas Liebig erfreute den Gault Millau mit einer auf der Haut gebratenen Bodensee-Forelle, die mit einer Flottille von Flusskrebsen antrat und auf zartem Lauchgemüse gebettet war. Bestens gemundet hat den Testern auch die schön saftige mit Kalbsbries ausgestopfte Wachtel. Dazu gab’s Selleriepüree, schwarze Nüsse und auch noch geröstete Schupfnudeln. Die Nachspeisen erhielten das Prädikat vergnüglich. Vermisst haben die Tester allenfalls eine versierte Weinberatung – aber die erwarteten sie offenbar auch nicht. Denn im gut gefüllten Keller Liebichs verharre die teuerste Flasche noch diesseits der 100-Euro-Schwelle – das bemerkt der Gault Millau, der womöglich Billigwein etwas anders definiert als manch Überlinger Weinfreund und Besseresser, der auch keinen Fusel trinkt.

Chillischarf beobachtet: Sorgenkind Peter Vögele


Die größte Sorge bereitete den Testern aber Peter Vögele. Nicht, dass seine Kochkünste nachgelassen hätten. Beunruhigt war der Gault Millau lediglich, weil Vögele neuerdings bekanntlich im Überlinger Stadtrat sitzt und während der Sitzungen am Herd fehlen könnte. Dass Mistkratzerle, Krautwickel und die gefüllte Kalbsbrust oder auch Hasenleber in Butter gebraten und Rehleber in Cassis weiterhin Chefsache bleiben, ist dem Gault Millau in jedem Fall eine Erwähnung wert und dürfte außer den Testern auch die Überlinger Gourmets beruhigen. Glücklicherweise finden – wie der Gault Millau vermerkt – Gemeinderatssitzungen in Überlingen immer mittwochs statt. An Mittwochabenden und Donnerstagen bleibt die Küche im Adler wegen des Ruhetags aber sowieso kalt. Sollte die Oberbürgermeisterin ihre Sitzungen in Zukunft an einem Dienstagabend abhalten wollen – es käme einer Katastrophe gleich und würde vom Gault Millau wohl chillischarf kritisiert.

Ein Kommentar to “15 Kochmützen für die Linzgau Köche”

  1. wo-becker-kn
    18. November 2009 at 01:20 #

    Zur Völkerverständigung könnte man ja auch mal in Konstanz essen, oder?

    Anbei ein Beitrag über funf Mützen für Konstanzer Köche.
    .
    http://www.tmw-kn.com/blog/2009/11/17/funf-mutzen-fur-konstanzer-koche/
    .
    Ein Boot zur Überfahrt gefällig?
    .
    http://www.flickr.com/photos/web-adr-foto/4113639412/

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