20,5 Prozent weniger Straftaten in Überlingen

Kriminalstatistik Beleg für erfolgreiche Strategien von Polizei und Stadt

Überlingen (wak) Erfreuliche Nachrichten präsentierten Oberbürgermeisterin Sabine Becker, Polizeidirektor Karl-Heinz Wolfsturm und Revierleiter Andreas Breunig in der vergangenen Woche der Öffentlichkeit. Im beschaulichen Überlingen ging die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr im Vergleich zum Jahr davor um sensationelle 20,5 Prozent zurück.

4000 extra Einsatzstunden der Polizei

Dass es in Überlingen so gekommen ist, ist Verdienst von Stadt und Polizei, die im vergangenen Jahr gewaltige Anstrengungen unternommen haben, um den vielen Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum und anderen Taten Herr zu werden. Allein die Polizei leistete im Kneippheilbad 4000 zusätzliche Einsatzstunden – hauptsächlich in der Nacht und am Wochenende.

Weniger Sachbeschädigungen, weniger Jungtäter

Die Kriminalstatistik spricht eine klare Sprache. 350 Straftaten weniger als 2008 gab es im vergangenen Jahr in Überlingen. Bei Sachbeschädigungen waren es minus 23,7 Prozent, bei Diebstählen minus 20,3 Prozent und bei Vermögens- und Fälschungsdelikten minus 15,5 Prozent. Rohheitsdelikte, darunter fallen Körperverletzungen, blieben allerdings auf Vorjahresniveau. Extrem erfreulich aber ist der Rückgang bei den Jungtätern (minus 30 Prozent). Wie groß der Erfolg der Stadt und der Polizei tatsächlich sind, zeigt auch ein Blick auf die kreisweite Kriminalstatistik. Im Bodenseekreis nahm die Zahl der Straftaten nur um 2,3 Prozent ab – in Überlingen um 20,5 Prozent.

Eltern von 14- und 15-Jährigen nicht erreichbar

Oberbürgermeisterin Sabine Becker sieht einen Grund für den eindrucksvollen Rückgang der Straftaten auch in der erfolgreichen Jugendarbeit der Stadt. Jugendarbeiterin Daniela Joos und vor allem auch der im vergangenen Sommer eingestellte Streetworker sind offenbar in Überlingen angekommen. Und sie sind nicht allein: Auch die Schulsozialarbeit spiele eine Rolle, sagte Becker. Karl-Heinz Wolfsturm erklärte, gesellschaftliche, soziale und Jugendprobleme könne die Polizei nicht lösen. Wenn die Polizei in der Nacht die Eltern von 14- oder 15-Jährigen nicht erreichen könne, sei sie ratlos.

Zuckerbrot und Peitsche

Klar scheint, die Doppel-Strategie der Stadt, auf der einen Seite konsequentes Handeln des Ordnungsamtes und auf der anderen Seite das Zugehen auf die Jugendlichen ist erfolgreich. Aus Sicht der Polizei ist Überlingen sogar „Vorreiter“ und Vorbild für andere Kommunen. Während der Streetworker in Überlingen Jugendliche am Landungsplatz abholt, spricht das Ordnungsamt gegen Einzelne, die auffällig geworden sind, kurzfristige Betretungsverbote von einem Tag oder einer Woche aus oder erteilt Platzverweise. Um einen Platzverweis aussprechen zu können, müsse allerdings eine Straftat voran gehen, so Michaela Hauke vom Ordnungsamt.

Nur Minderheit ist auffällig

Wichtig war es Oberbürgermeisterin Sabine Becker, die sich mit der Polizei, was die Jugendkriminalität angeht, in einem Boot wähnt, klar zu stellen, dass die Mehrheit der Jugendlichen in der Stadt gar nicht auffällt. Die plane auch in diesem Jahr wieder eine Demo gegen Gewalt. Es sei nur eine Minderheit, die Fehlverhalten zeige. Zudem handle es sich auch nicht nur um Jugendliche aus Überlingen. Weil es attraktiver sei, sich in einer größeren Stadt und direkt am See aufzuhalten, kommen offenbar auch viele Jugendliche aus anderen Orten in die Stadt. Mit der Bahn ist Überlingen bequem erreichbar.

Ein Raum für Discos

Oberbürgermeisterin Sabine Becker sagte, die Jugendlichen bräuchten einen Ort, an dem sie am Freitag- und Samstagabend eine Party feiern könnten. Wolfsturm erklärte, Jugendliche bräuchten eine Anlaufstelle. „Wo sie sich sicher fühlen“. Becker glaubt, dass so ein Punkt viel eher eine Disco als der Landungsplatz sein könnte.

Betrunkene sind uncool

Ein Problem aus Sicht der Polizei ist weiterhin der Alkohol. Es gebe eine Wirkungskette Alkohol-Aggression-Gewalt. Wolfsturm sagte, es müsse auch „Fröhlichkeit ohne Wodka-Kirsch-Koma-Saufen“ geben. Offenbar sieht die Polizei Hinweise darauf, dass es wieder cool werden könnte, nicht im Übermaß Alkohol zu trinken. Unterstützt werden soll der Trend demnächst durch die Aktion „B.free“. Ansonsten hofft das Kneippheilbad, dass der Erfolg von Stadt und Polizei von Dauer sind und in diesem Sommer nicht wieder bunte Blumenfelder im Badgarten sinnlos abgemäht werden.

Ein Kommentar to “20,5 Prozent weniger Straftaten in Überlingen”

  1. Afterhoureinpenner
    30. März 2010 at 13:30 #

    Hmm… 4000 Einsatzstunden alleine im Kneippheilbad. 4000 Stunden / 8 Stunden (eine Schicht) = 500 Tage. Durch 2 Beamte macht 250 Tage. Beweist mal wieder: Stunden bringen das Geld. Was macht man zu Zweit 8 Stunden lang an 250 Tagen im Jahr im Kneippheilbad?

    Klar das die „Straftaten“ zurück gehen. Hier möcht auch keiner gross was Unternehmen. Gibt ja nichts. Und wo keiner ist, passiert auch nichts.

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