230 Karstadt-Mitarbeiter in Konstanz hoffen auf Erhalt des Konzerns

Fortsetzung des Gerangels um Karstadt nach Kauf durch Nicolas Berggruen

Konstanz (wak) Die 230 Karstadt-Beschäftigten in Konstanz haben gestern die Käufersuche für ihre Warenhauskette „gespannt“ und „angespannt“ aus der Ferne mit verfolgt. Das sagte Raimund Franke, Filialgeschäftsführer von Karstadt in Konstanz. Dass Investor Nicolas Berggruen die Nase vorn hatte, ist bei der Gewerkschaft Ver.di und bei Karstadt-Mitarbeitern sofort auf Zustimmung gestoßen. Denn Berggruen hatte angekündigt, dass die 25.000 Karstadt-Mitarbeiter ihre Jobs behalten könnten und er keine weiteren Zugeständnisse von ihnen verlangen wollte. Berggruen hat aber offenbar die Rechung ohne das Vermieterkonsortium Highstreet gemacht, weshalb die Karstadt-Mitarbeiter heute schon wieder „gespannt“ und „angespannt“ die Nachrichten verfolgen.

Starker Karstadt-Standort Konstanz

Raimund Franke, Filialgeschäftsführer von Karstadt in Konstanz, sagte, die Konstanzer Karstadt-Mitarbeiter hätten sehr gelassen auf das Bieter-Rennen reagiert. Er sprach am Tag der Entscheidung von „Business as usual“. So wird es bei Karstadt in Konstanz wohl auch heute sein. Die Gelassenheit dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass Karstadt am Standort Konstanz außerordentlich erfolgreich ist. Vom starken Schweizer Franken profitieren das Haus in der Konstanzer Hussenstraße und Karstadt-Sport im Lago derzeit zusätzlich.

25 Prozent Umsatz mit Schweizer Kunden

Die Kunden haben Mitarbeiter des insolventen Kaufhaus-Konzerns nur in Ausnahmefällen auf die unsichere Situation angesprochen. Besonders Kunden aus der Schweiz verfolgten die Wirtschaftsnachrichten aus Deutschland nicht ganz so intensiv. Dass Karstadt in Konstanz so erfolgreich ist, hat aber wiederum viel mit den Schweizern zu tun. Der Umsatzanteil von Schweizer Kunden liegt im Schnitt bei etwa 25 Prozent. In einigen Sortimentbereichen macht Karstadt mit den Schweizern sogar die Hälfte des Umsatzes.

Bester Umsatz am Freitag nach Fronleichnam

„Unsere Schweizer Gäste kommen vor allem samstags“, so Raimund Franke, Filialgeschäftsführer von Karstadt in Konstanz. Derzeit macht den Schweizer Nachbarn das Shoppen wegen des Wechselkurses sogar noch mehr Spaß als sonst. Zuletzt brachten zudem die vielen Pfingsturlauber zusätzlichen Umsatz. „Die Tage nach Fronleichnam waren außergewöhnlich gut“, so Franke. Der Freitag war für Karstadt in Konstanz der beste Tag – das ist an Brückentagen traditionell so, sagt Franke.

Nach der Rettung – vor der Rettung

Die Karstadt-Mitarbeiter seien über die neuesten Entwicklungen sehr gut informiert, so Franke, der in diesen Tagen noch intensiver ins Internet schaut als sonst. „Auch über die Hindergründe“, erklärt der Filialgeschäftsführer. Franke hofft weiter auf den Erhalt des Konzerns. Dass am Montagabend die Meldung über die Rettung des Konzerns verfrüht gewesen sein könnte, hat er heute zur Kenntnis nehmen müssen. Nachrichten wie „Hauptvermieter Highstreet droht dem neuen Eigner Nicolas Berggruen mit Zerschlagung“, wird Franke nicht gern lesen.

Noch ein weiterer Tag Ungewissheit

Dass das Gerangel um die insolvente Warenhauskette in die nächste Runde gegangen ist, hätte er sich und seinen Mitarbeitern wohl gern erspart. Ein Trost aber bleibt der Konstanzer Karstadt-Belegschaft: „Die Konstanzer Häuser haben gute Chancen, dass es weitergeht“, sagt Franke. Das wäre voraussichtlich auch bei einer offenbar noch immer möglichen Zerschlagung des Konzerns so, weshalb die 230 Konstanzer Karstadt-Mitarbeiter die Wirtschaftsnachrichten heute wahrscheinlich nicht ganz so angespannt verfolgen dürften wie ihre 25.000 Kollegen an schwächeren Standorten.

Mehr zum Gerangel um Karstadt auch unter:

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/2730969_Kaufhof-Verkauf-Karstadt-Zerschlagung.html

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/karstadt-noch-immer-droht-zerschlagung-nach-der-rettung-ist-vor-der-rettung-1.955290

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