Abgabepflicht an VG Wort für PCs?

Bundesverfassungsgericht entscheidet erneut zugunsten der VG WORT

München. Nach seiner wegweisenden Entscheidung vom 30. August 2010 hat das Bundesverfassungsgericht drei weiteren Verfassungsbeschwerden der VG WORT zu urheberrechtlichen Geräteabgaben stattgegeben (Beschlüsse in den Verfahren 1 BvR 2742/08; 1 BvR 506/09; 1 BvR 2760/08). Darauf hat die Verwertungsgesellschaft WORT hingewiesen. Die VG Wort verwaltet treuhänderisch die Urheberrechte für mehr als 390.000 Autoren und über 9.000 Verlage in Deutschland.

Schutzlücke wegen rasanter digitalen Verbreitung

Mit diesen Fällen, die PCs und Drucker/Plotter nach der bisherigen Rechtslage betreffen, muss sich jetzt der Bundesgerichtshof (BGH) erneut befassen. Lediglich in einem Fall, der die Abgabepflicht für Kopierstationen betrifft, hat das Gericht die Verfassungsbeschwerde der VG WORT nicht zur Entscheidung angenommen (1 BvR 3461/08). Das Bundesverfassungsgericht ist der Auffassung, dass sich der BGH mit den verfassungsrechtlichen Vorgaben zum geistigen Eigentum (Art. 14 GG) nicht ausreichend auseinandergesetzt hat. Insbesondere hätte der BGH angesichts der rasanten Verbreitung digitaler Vervielfältigungsformen die Gefahr einer „absoluten Schutzlücke“ zu Lasten der Urheber in Betracht ziehen müssen, heißt es in der Pressemitteilung der VG Wort. Seine Bedenken gegen die „Einwilligungsargumentation“ des BGH hat das Bundesverfassungsgericht bekräftigt: Der BGH hatte sich darauf gestützt, dass keine Vergütungspflicht bei digitalen Vorlagen bestehe, wenn Urheber in die Vervielfältigung eingewilligt hätten.

Folge für europäische Rechtslage

Die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts sind auch deshalb bedeutsam, weil sie wichtige Klärungen zur europäischen Rechtslage enthalten. Der Europäische Gerichtshof hat – im Hinblick auf den Wortlaut der spanischen Gesetzesvorschrift und im Hinblick auf die darauf ausgerichtete Vorlagefrage – kürzlich entschieden, dass eine unterschiedslose Anwendung der Abgabe für Privatkopien auf Geräte, die nicht privaten Nutzern überlassen werden und eindeutig anderen Verwendungen als der Anfertigung von Privatkopien vorbehalten sind, dem europäischen Recht widersprechen.

Stärkung der Rechte der Urheber

Das Bundesverfassungsgericht führt dazu aus, dass private Vervielfältigungen – und damit eine urheberrechtliche Vergütungspflicht – auch bei einem Verkauf von Geräten an Gewerbetreibende und Freiberufler keineswegs ausgeschlossen erscheinen. VG WORT-Vorstand Dr. Robert Staats kommentierte: „Die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts stärken die verfassungs- und europarechtlich begründeten Rechte der Urheber. Sie zeigen, dass digitale Nutzungen auch in Zukunft einer angemessenen Vergütung bedürfen.“

Golem.de veröffentlicht dieselbe Pressemitteilung. Autoren freuen sich bei Twitter zum Beispiel so: „Eine gute Nachricht für Autoren“.

Foto: Christian Seidel PIXELIO www.pixelio.de

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