Absage des zweiten runden Tisches zu Konstanzer Glasverbot

Nachwuchsorganisationen der Partei forderten Live-Stream – Regen-Nachtwanderer-Talk angeblich Ersatz

Konstanz. Schluss mit Bürgergesprächen am runden Tisch und der Forderung nach mehr Transparenz. Die Stadt Konstanz hat einen zweiten für die letzte Juniwoche angekündigten runden Tisch zum Glasverbot am Konstanzer Seerhein abgesagt. Eine Alibiveranstaltung der Nachtwanderer, die am vergangenen Freitag trotz Regens in der Seestraße stattfand, soll reichen. Teilnehmer des ersten runden Tisches reagierten mit Unverständnis.

Schnöde Absage durch Bürgeramt

Am Montag fanden Teilnehmer des ersten sogenannten runden Tisches eine Mail in ihren Postfächern, mit der die Stadt einen für den 27. Juni und somit noch vor der Gemeinderatssitzung geplanten runden Tisch absagte. Wörtlich hieß es: „der für den 27.06.2011 angedachte zweite Runde Tisch zu der Thematik ,Seestraße/Herosépark‘ entfällt, da am vergangenen Freitag, den 17.06.2011 in der Seestraße bereits noch einmal intensiv mit den verschiedenen Teilnehmern/innen diskutiert wurde.“ Weiter schreibt das Bürgeramt: Das Stimmungsbild vor Ort habe ergeben, den Runden Tisch am 27.06.2011 abzusagen. Im öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung am 30.6.2011 werde das Thema unter TOP 21 (Sitzungsvorlage GR 2011-071) behandelt.

Stundenlange Ratssitzung statt Bürgergespräch mit vielen

Statt Bürger an einem runden Tisch zu Wort kommen zu lassen, dürfen jetzt also wieder die Stadträte reden. Sie werden wohl auch in öffentlicher Sitzung weitgehend unter sich sein, wenn der OB den Tagesordnungspunkt aufruft. Auf der Tagesordnung der Sitzung stehen 20 Tagesordnungspunkte vor dem Punkt Jugendtreffpunkte am Seerhein und es dürfte Stunden dauern, bis es überhaupt um das Thema Glasverbot und Jugendkultur in Konstanz geht. Die genaue Uhrzeit, wann der Tagesordnungspunkt behandelt wird, steht nicht fest. Wer als Zuhörer – ohne Rederecht – im Sitzungssaal anwesend sein möchte, sollte also am 30. Juni viele Stunden Zeit mitbringen.

Einladung für Freitagabend auf den letzten Drücker

Beim letzten runden Tisch war Stadträtin Gabi Weiner, die für die Nachtwanderer teilnahm, vorgeprescht und hatte vorgeschlagen, ein Gespräch mit Teilnehmern des runden Tisches und Jugendlichen in der Seestraße zu führen. Teilnehmer des runden Tisches gingen von einer zusätzlichen Veranstaltung aus. Die Nachtwanderer hatten Tage vor dem Treffen Zettel zum Beispiel im Herosépark aufgehängt. Die Teilnehmer des runden Tisches, unter ihnen Anwohner aus der Stadt am Seerhein und der Seestraße, erhielten zusätzlich eine Einladung, die die Stadt per Mail verschickte. Die Einladung kam aber weniger als 24 Stunden vor dem Termin, der für vergangenen Freitagabend anberaumt war. Manche dürfte die Einladung noch gar nicht erreicht haben, da in den Pfingstferien traditionell viele Konstanzer Ferien machen.

Regen-Versammlung nicht abgebrochen

Stattfinden sollte das Bürgergespräch unter freiem Himmel und auch nur bei schönem Wetter. Am Freitagabend zogen pünktlich um 19 Uhr dicke Wolken auf und die ersten Tropfen klatschten auf die Straße. Die Nachtwanderer zogen ihre Veranstaltung aber trotz Regens durch. Viele Eingeladene kamen deswegen erst gar nicht und auch nur etwa ein Dutzend Jugendliche hatte sich auf der Seestraße eingefunden. Mit von der Partie war an diesem Abend übrigens auch Oberbürgermeister Horst Frank.

Meinung über Regen-Bürgergespräch geteilt

Verärgert sind Anwohner auch, weil ihrer Meinung nach ein solches Gespräch mit handverlesenen Jugendlichen nicht zielführend ist. Mehrere Anwohner berichteten, dass sie in den vergangenen Jahren immer wieder das Gespräch mit einzelnen Jugendlichen gesucht hätten. Es habe viele gute Gespräche gegeben. In der Masse aber verhielten sich die Jugendlichen – wie übrigens auch die Erwachsenen – anders. Dass es an der Seestraße zu einem Diskurs mit Jugendlichen gekommen ist, die sich an anderen Abenden auffällig verhalten, sich auf öffentlichen Plätzen betrinken, auch wenn sie noch unter 16 Jahre alt sind, und möglicherweise Sachbeschädigungen begehen, dürfte tatsächlich unwahrscheinlich sein. Viele Hundert Jugendliche waren gar nicht da. Einige Anwohner sind der Meinung, den Nachtwanderern sei es nur darum gegangen, sich selbst darzustellen. Das Konstanzer Schülerparlament urteilte auf Facebook dennoch: „Es war sehr gut!“. Ebenfalls auf Facebook kommentierte eine Nutzerin ein Pressefoto, das die Lokalzeitung vom Bürgergespräch druckte, dagegen kritisch mit der Frage: „und wo sind die Jugendlichen? Ich seh fast nur alte Leute“.

786 Facebook Mitglieder gegen Alkoholverbot

Hardliner unter den Anwohnern sammeln derweil weiter Unterschriften für ein Glas- und Alkoholverbot. Mehr als 200 Namen sollen es sein, die auf einer Liste stehen, – mehr als die Hälfte der Unterzeichner sei auch für ein Alkoholverbot. 786 Facebook Mitgliedern gefällt dagegen die Seite „Junges Konstanz gegen Alkoholverbot“. Ein Alkoholverbot am Seerhein würde die Freiheitsrechte vieler Konstanzer massiv einschränken. Aktuell steht es aber nicht einmal zur Diskussion, da die rechtlichen Voraussetzungen für den Erlass eines Alkoholverbots nicht gegeben sind. Städte dürfen aufgrund der Rechtslage keine temporärern Alkoholverbote mehr für öffentliche Plätze aussprechen.

Jugend will Seestraße retten

Für den kommenden Donnerstag, 23. Juni, hat das Konstanzer Schülerparlament zu einer Veranstaltung eingeladen: Im Jugendzentrum in der Jägerkaserne geht es von 18.30 bis 20 Uhr um die Rettung der Seestraße als Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene. Auf Facebook heißt es: „Wichtig: Schwingt euch am Donnerstag um 18 Uhr 30 zum Jugendzentrum beim Petershausener Bahnhof und erstellt mit dem Rest der Jugend einen Plan und Ideen, wie man die Problematik an der Seestraße lösen kann – sonst kommen seitens der Stadt mehr Verbote. Stichwort: Alkoholverbot.“ Weiter heißt es: „Was können wir beitragen, damit die Seestraße ein Platz für ALLE bleibt und wir unsere Abende dort gemütlich feiern können? Wie können wir mitwirken?“ Geladen sei das „hilfreiche Jugendamt“, Jugendarbeiter aus dem Jugendzentrum und das Konstanzer Schülerparlament, das die Interessen der Jugendlichen gegenüber der Stadt vertritt.

Kein Glas ist illegal“-Party fällt aus

Eine geplante „Kein Glas ist illegal“-Party am Mittwochabend in der Beatbox/Trichter ist dagegen abgesagt worden. Der Grund: Die Räume stehen nicht zur Verfügung. Ein Glas-Flashmob im Herosépark, zu dem angeblich bei Facebook aufgerufen worden sei, sei aus dem Sozialen Netzwerk wieder verschwunden.

Das Seerhein-Netz der Stadt am Seerhein veröffentlichte zum Thema runter Tisch und Treffen in der Seestraße ebenfalls einen Blogbeitrag

4 Kommentare to “Absage des zweiten runden Tisches zu Konstanzer Glasverbot”

  1. Horst
    25. Juni 2011 at 08:22 #

    Sehr geehrte Redaktion,
    schön ist es, dass auch Sie verstanden haben, dass dies ein innerstädtisch ernstes Problem ist. Umso mehr verärgert es mich, dass Sie keinen Beitrag zur Lösung leisten, sondern wild auf allesn Beteiligten herumklopfen. „Die Stadt unwillig, die Jugendlichen uninteressiert, die Anwohner unversöhnlich und die Nachtwanderer als Selbstdarsteller“. Wenn das ihre Auffassung von konstruktiver Mitarbeit ist, dann tun Sie doch bitte allen Parteien einen Gefallen und halten Sie sich raus, denn eine solche Berichterstattung hilft nun wirklich keinem und ist noch nichteinmal ein vertretbares Abbild der Gesamtlage. Die Jugendlichen wollen, sie kämpfen für ihre Teilhabe an der Seestraße. Auch die Anwohner sind zu Kompromissen bereit und nicht alle so auf Konfrontation. Und was die Nachtwanderer angeht: Ich habe diese ehrenamtlichen Menschen erlebt, wie sie sich die Nächte um die Ohren schlagen, damit sich in der Jugendarbeit mal etwas bewegt. Sie leisten meiner Meinung nach tolle Arbeit, das nicht jede Aktion ein Volltreffer ist versteht sich von allein (ihr Artikel ist ja auch keiner geworden). Aber die Dynamik die diese Menschen ausgelöst haben ist allein schon großes Lob wert und vor allem eine angemessenere Darstellung in solchen Artikeln.
    Machen Sie ihre Hausaufgaben

    Hochachtungsvoll – ein entfernter Anwohner

  2. Sven Jansen
    25. Juni 2011 at 21:10 #

    An den Redakteur / die Redakteurin:

    Das war 1.keine Alibiveranstaltung und 2. keine Veranstaltung der Nachtwanderer. Die Nachtwanderer haben lediglich moderiert, und waren gezwungen einzuladen, weil sonst niemand bereit war dazu. Daraus eine Selbstdarstellung abzuleiten, und dazu noch in negativer Form ist völlig daneben. Mein Tipp: Erst informieren, dann verstehen und dann erst schreiben.

    Sven Jansen

  3. Sarah Angstmann
    27. Juni 2011 at 12:30 #

    Ich kann mich den Ausführungen von Sven nur anschließen. Einem Vermittler ohne Grund eine Selbstdarstellung zu unterstellen ist meines Erachtens nicht in Ordnung.

    Sarah Angstmann

  4. Herbert Fuchslocher
    30. Juni 2011 at 20:33 #

    An die Redaktion
    es ist erschüttend wenn man als Beteiligter Ihren Bericht liest, ist er doch ein eindeutiges Beispiel wie Journalismus heute, entsprechend dem großen Vor-Bild, funktioniert und jegliche Glaubwürdigkeit verliert.
    Sie haben einerseits allen Grund sich bei den Organisatoren der Nachtwanderer zu entschuldigen und andererseits laden wir Sie gerne ein, als Gastwanderer einmal Wirklichkeit zu erleben um dabei Sinn und Zweck der Organisation zu erfahren und zu begreifen. – Auch sollten Sie Überlegen ob sie, bei dieser Art der Berichterstattung, Ihre Online Zeitung für den Bodensee nicht besser einstellen.
    Gruß
    H. Fuchslocher, Nachtwanderer

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