agrarwelt“ in Friedrichshafen informiert über Hofübergabe

In jedem vierten Betrieb im Land Nachfolge unklar – Viele Fallstricke und vermeidbare Fehler

Friedrichshafen. Wer als Landwirt seinen Hof umtreibt, macht sich ungern Gedanken darüber, irgendwann nicht mehr der Chef zu sein. Für den Fortbestand eines landwirtschaftlichen Betriebes ist aber eine frühzeitig geklärte Nachfolge überlebensnotwendig. Auf der „agrarwelt“ 2012 vom 24. bis 26. Februar widmen sich Referenten in Vorträgen diesem wichtigen Thema.

In jedem vierten Betrieb Nachfolge unklar

Von den knapp 45.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Baden-Württemberg hatten 2010 laut Statistischem Landesamt 61 Prozent einen Betriebsinhaber im Alter von 45 Jahren oder darüber. Weiter ergab die Erhebung, dass es nicht einmal in jedem vierten dieser Betriebe eine geregelte Hofnachfolge gibt. „Das zieht sich quer durch die Betriebe“, sagt Heiner Klett, Rechtsreferent beim Landesbauernverband in Ravensburg. Das Interesse an einem kleinen Betrieb sei vielleicht noch geringer, aber auch in manchen großen Betrieben sei es ein Problem, einen Nachfolger zu finden.

Plädoyer für Vertrag

Und wenn ein Nachfolger da sei, heiße das ja noch lange nicht, dass die Welt in Ordnung ist. Eine Übergabe sollte von langer Hand geplant werden, aber gerade das werde oft versäumt. Erleichtern könnte man dem möglichen Hofnachfolger die Übernahmeentscheidung einerseits natürlich durch einen leistungsfähigen Betrieb, andrerseits aber vor allem „durch einen Vertrag, der Luft zum Atmen lässt“, so Klett.

Stiefmütterliche Behandlung

Befragt nach den häufigsten Fallstricken meint der Rechtsanwalt: „Es gibt unendlich viele.“ Die häufigsten Fehler seien die, wenn Leistung und Gegenleistung nicht im richtigen Verhältnis stehen. Solche „nicht richtig besprochenen“ Übergaben erleben auch Berater wie Johannes Willburger von der Hof und Leben GmbH in Kirchdorf in der Praxis häufig genug. „Das Thema wird oft zu stiefmütterlich behandelt“, sagt er. Im Idealfall habe die übergebende Generation „zukunftsweisende Investitionen getätigt und die notwendigen Darlehen im entsprechenden Umfang getilgt.“

Generation braucht sehr gute Ausbildung

Ebenso wichtig sei, dass die übernehmende Generation gut ausgebildet sei und rechtzeitig Verantwortung im eigenen Betrieb übernehmen könne. Ein Nachfolger, der wisse, dass er mit seinen Handlungen die Zukunft des Betriebes mitgestaltet, werde sich viel intensiver einbringen. Frühzeitiges Handeln empfiehlt Willburger im finanziellen Bereich. Die eigene Altersversorgung sollte ohne den Austrag sichergestellt sein. Und die weichenden Erben sollten „ohne Substanzverlust für den Betrieb befriedigt werden können.“

Gefahr des Stillstands

Weil eine ungeklärte Hofnachfolge Stillstand im Betrieb bedeutet und weil konfliktgeladene Generationswechsel Familien entzweien können, raten die Experten dringend zur frühzeitigen Klärung der Situation und dazu, fachliche Beratung vor der Übernahme in Anspruch zu nehmen. Das zahlt sich aus.

Info

agrarwelt, Fachmesse für Bio-Energie, regionale Kulturlandschaft & Agrartechnik 24. bis 26. Februar 2012 und Fruchtwelt Bodensee, Internationale Fachmesse für Kernobst, Steinobst, Beeren, Hopfen und Destillation 24. bis 26. Februar 2012

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