Konstanzer Alt-OB Helmle verliert voraussichtlich seine Ehrenbürgerwürde

Gemeinderat entscheidet erst im Mai – Täuschung der Öffentlichkeit entsetzt Ratsmitglieder

Konstanz. Der frühere Konstanzer Oberbürgermeister Bruno Helmle taugt nicht zum Vorbild. Darüber sind sich die Mitglieder des Konstanzer Gemeinderats weitestgehend einig. Deshalb dürfte der Gemeinderat mit hoher Wahrscheinlichkeit am 3. Mai dem Alt-OB wegen dessen Verstrickungen in die NS-Vergangenheit und späterer Täuschungen die Ehrenbürgerwürde aberkennen.

Erster Schritt Information über Fall Helmle

Oberbürgermeister Horst Frank sagte zu Beginn einer Aussprache, es gehe in einem ersten Schritt um die Information. Er wolle die Diskussion in der Öffentlichkeit nicht vorweg nehmen. Am 20. März soll es zunächst noch eine Podiumsdiskussion im Konzil geben. Diskutieren werden an dem Abend Prof. Dr. Lothar Burchardt (Universität Konstanz), Prof. Dr. Wolfgang Seibel (Universität Konstanz) und Priv.-Doz. Dr. Jürgen Klöckler (Stadt Konstanz), die das Gutachten über Helmles NS-Vergangenheit gemeinsam erarbeitet haben. Moderieren wird der Historiker Prof. Dr. Rainer Wirtz. Seit der Präsentation des Gutachtens steht es bereits auf der städtischen Homepage zum Download.

 Klöckler: Grobe Tatsachenverdrehung

Jürgen Klöckler fasste zunächst in der Sitzung nochmals einige wesentliche Aussagen des Gutachtens zusammen. Klöckler wies auf die 1990 erschienenen „Lebenserinnerungen“ Helmles hin. Klöckler sprach in diesem Zusammenhang davon, dass das Bild, das Helmle in dem Band von sich selbst vermittelte, nicht mit der Faktenlage übereinstimme. Klöckler sprach von „grober Tatsachenverderhung“.

Persönliche Vorteilsnahme

Schuldig machte sich Helmle aus Sicht des Historikers persönlich, als er als Finanzbeamter an der „effizienten Ausplünderung der emigrierten jüdischen Bevölkerung“ mitwirkte. Aus Sicht von Klöckler ist die „persönliche Vorteilsnahme“ entscheidend. Klöckler sagte, das sei der „gravierende Punkt“. Helmle war in der NS-Zeit als Beamter in der Verwertungsstelle für volksfeindliches Vermögens in Mannheim am Verkauf von Wohnungseinrichtungen emigrierter oder deportierter jüdischer Bürger beteiligt. Bei dieser Verwertung hatte er auch seine eigene Wohnungseinrichtung erworben.

Allweiss: Typische Biografie

Stadtrat Werner Allweiss (FGL) sagte, während des Wirtschaftswunders sei die braune Vergangenheit verdrängt worden. Es habe viele personelle Kontinuitäten gegeben. Helmle war nicht der einzige Fall, so Allweiss. Er zog eine Parallele zum Fall des früheren Tübinger Oberbürgermeisters Hans Gmelin. Allweiss sagte die Biografie Helmles, der 21 Jahre OB in Konstanz war, sei eine eine typische Biografie der Nachkriegszeit. Helmle sei, so Allweis, keine integere Persönlichkeit. Werner Allweiss kündigte an, seine Fraktion werde den Antrag stellen, Helmle die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen.

Müller-Fehrenbach: Suche nach Entlastungsmaterial

Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) sagte, dass Helmle später CDU-Mitglied war, spiele bei der Beurteilung seiner Taten keine Rolle. Er hoffe aber, dass sich noch Quellen finden könnten, die Helmle entlasten. Klöckler hält das aber für ausgeschlossen. Jürgen Leipold (SPD) sagte, die Verdienste Helmles, der 1980 Ehrenbürger wurde, seien nicht entscheidend. Es gehe darum, was Helmle im Dritten Reich und was er hinterher tat, so Jürgen Leipold. Der SPD-Stadtrat warnte vor einer Verharmlosung.

Everke und Venedey: Geschönt und gelogen

Anselm Venedey sagte: „Helmle log sich und uns eine neue Identität zusammen.“ Er tauge nicht zum Vorbild, höchstens zum Mahnmal. Deswegen könne er auch nicht Ehrenbürger bleiben. Venedey sagte, es sei ein Skandal, dass die Diskussion erst 2012 stattfinde. Er fragte danach, warum Helmle wählbar gewesen sei und gab auch gleich die Antwort. Wenn einer wie Helmle Oberbürgermeister bleiben konnte, dann habe das die Vergangenheit vieler anderer im Faschismus relativiert. Heinrich Everke (FDP) sagte, er habe mit Erschrecken das Gutachten gelesen. Helmle habe seine Vita geschönt. Nach Meinung der FDP könne er – auch mit Rücksicht auf andere Ehrenbürger – nicht Ehrenbürger bleiben. Holger Reile (Linke Liste) sagte, Helmle habe die Öffentlichkeit getäuscht und belogen.

Hier geht es zu einem Beitrag über den Fall Helmle auf See-Online.

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