Altschüler fordern Chance für Internatsschule Gaienhofen

Anfang September fällt Entscheidung über Schließung aus wirtschaftlichen Gründen

Kirche will Internat aus wirtschaftlichen Gründen schließen.Konstanz/Gaienhofen (wak) Es gibt viele Gründe, auf der Höri zur Schule zu gehen. Vielleicht ist es auch die Lage direkt am Bodensee, wo sich einst der Dichter Hermann Hesse und der Maler Otto Dix inspirieren ließen. Für die Evangelische Landeskirche scheint es dagegen einen entscheidenden Grund, das Internat zu schließen. Auch eine Evangelische Internatsschule, ein staatlich anerkanntes Gymnasium in freier Trägerschaft der Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche in Baden, muss sich rechnen. Altschüler rebellieren gegen die Schließungspläne. In wenigen Wochen im September fällt die Entscheidung.

Altschüler Appell „Pro Gaienhofen“

Ehemalige appellieren nun an Landeskirche. Die traditionsreiche Internatsschule Schloss Gaienhofen am Bodensee soll weiter bestehen bleiben: Diese Auffassung vertreten rund 250 unterzeichnende Altschüler in einem Appell „Pro Gaienhofen“, den sie an die Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche in Baden richten, die Träger des Internats ist.

Schluss mit Internat aus Kostengründen

Die Kirche, die ihre Zuschüsse an ihre Schulen reduzieren wird, verfolgt das Ziel, das Gaienhofener Internat zum Schuljahr 2012/13 zu schließen und die Einrichtung künftig als reine Regionalschule mit Gymnasium, Wirtschaftsgymnasium und neuem Realschulzweig weiter zu führen. Gegen die Schließungsabsicht des Internats wendet sich der rund 1000 Mitglieder zählende Altschülerverein. Er begrüßt die Erweiterungspläne, kämpft aber für den Erhalt des „Alleinstellungsmerkmals“ der Gaienhofener Schule, das Internat.

Altschüler fordern Fortbestand auf Probe

Der Altschülerverein unterhält ein weltweit gespanntes Netzwerk aus ehemaligen Schülern und Förderern und unterstützt das Internat seit Jahrzehnten mit Stipendiengeldern, Berufsberatung und anderer Hilfe. Nach direkten Verhandlungen mit dem Oberkirchenrat durch den Unternehmer Michael Veeser und den Konstanzer Museumsdirektor Tobias Engelsing richteten die Ehemaligen nun gemeinsam mit Eltern, Mitarbeiterin und Zulieferbetrieben des Internats einen Appell an die Trägerstiftung in Karlsruhe, der Internatsschule eine befristete Chance zur Zukunftssicherung zu geben: Die Schule würde sich verpflichten, die wegen der wirtschaftlichen Gesamtlage gesunkene Internatsbelegung bis zum Herbst 2011 um etwa 30 Prozent zu steigern. Auch sollen ehrgeizige pädagogische Inhalte eines jüngst erarbeiteten „Masterplans Gaienhofen 2020“ zügig umgesetzt werden. Der Ehemaligenverein sagt im Gegenzug wesentlich höhere Stipendiengelder und eine Reihe von Leistungen für die Internatsschule zu. Die Entscheidung über das Internat wird Anfang September im Stiftungsrat in Karlsruhe fallen.

Prominente Ehemalige geben ihre Namen

Den Appell, für den auch weiterhin Unterstützungszusagen gesammelt werden, zeichneten bislang namhafte Absolventen des 1904 gegründeten und seit 1946 von der Evangelischen Kirche geführten Internats: So etwa der Herausgeber des Berliner „Tagesspiegel“ und frühere Südkurier-Chefredakteur Gerd Appenzeller, der Sohn des Dramatikers Rolf Hochhuth, Professor Martin Hochhuth, der Berliner Filmemacher Douglas Wolfsperger und zahlreiche Ehemalige aus aller Welt, die ihrer Schule am Bodensee als Förderer noch immer verbunden sind.

Altschüler sind bestürzt

In einem Brief der Altschüler an den Vorstand und Stiftungsrat der Evangelischen Landeskirche Baden heißt es: „Mit großer Bestürzung haben wir als Altschüler der Evangelischen Internatsschule Schloss Gaienhofen von der beabsichtigten Schließung des Internats erfahren. Wir waren deshalb sehr dankbar, dass unsere Ehrenvorstände Michael Veeser und Dr. Tobias Engelsing – nach den ersten und teils heftigen Wellen der Trauer und Verärgerung aus dem Kreis zahlreicher engagierter Altschüler – Gelegenheit hatten, in einem langen und vertrauensvollen Gespräch mit Ihnen, sehr geehrter Herr Schneider-Harpprecht, konstruktive Perspektiven erörtern zu können.“

Kirche setzt Wirtschaftlichkeit auf eins

Weiter heißt es: „Sie haben in diesem Gespräch deutlich gemacht, dass in der Landeskirche ein tiefreichender Richtungswechsel hin zu unbedingter Wirtschaftlichkeit der Teilgliederungen und zugehörender Institutionen stattgefunden habe. Diesen Maßstab legen Sie auch an die Internatsschule Schloss Gaienhofen an, deren Belegungszahlen in den vergangenen Jahren auch für uns als unterstützende Ehemalige nicht mehr befriedigend waren. Wir übersehen als kritisch-solidarische Begleiter unserer alten Internatsschule auch nicht, dass angesichts des unbestreitbar härter umkämpften Internatsmarktes in Gaienhofen nötige pädagogische Reformen, neue Konzepte und Vertriebsanstrengungen bislang nicht im erforderlichen Umfang angepackt wurden.“ Gleichzeitig üben die Altschüler Kritik am Schulträger: „Zugleich sind uns als Förderern und Mäzenen der Internatsschule aber auch die augenscheinliche Vernachlässigung der Internatsschule in Fragen des Bauunterhalts und die fehlende Unterstützung des Trägers in Fragen des Vertriebs und der Werbung aufgefallen.“

Werben für den Masterplan Gaienhofen 2020

Die Altschüler hoffen aber offenbar auf eine Wende: „Doch nun haben angesichts der ultimativen Forderung nach mehr Wirtschaftlichkeit die Schulleitung, die Verwaltung und die Gremien der Schule endlich die Zeichen der Zeit erkannt und auf der Basis Ihres Auftrags einen ,Masterplan Gaienhofen 2020′ erarbeitet. Dieser Masterplan, der uns überzeugend präsentiert wurde, belegt für uns eindrucksvoll: Gaienhofen kann es als Internatsschule schaffen, wenn sich Stiftung, Verantwortliche und Mitarbeiterschaft vor Ort auf den Geist der evangelisch geprägten Bildungsarbeit besinnen und ihn wieder leben. Einen Geist, der dieses Internat über Jahrzehnte prägte und auszeichnete.“

Politiker gegen Internatsschließung

Auch die drei Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Konstanz, Andreas Jung (CDU), Birgit Homburger (FDP) und Peter Friedrich (SPD) haben bereits in einem Brief die Evangelische Landeskirche in Baden aufgefordert, den Beschluss, das Internat zu schließen, wieder rückgängig zu machen.

Kontakt: Freundes- und Förderkreis e.V. der Ev. Internatsschule Schloss Gaienhofen, Sprecher der Pro-Gaienhofen-Initiative: Dr. Tobias Engelsing, Konstanz, privat: 07531 / 202 85, Büro: 07531 / 900-246 und Michael Veeser, Konstanz 07531 / 9745-0.

Foto: Screenshort http://www.schloss-gaienhofen.de/

Ein Kommentar to “Altschüler fordern Chance für Internatsschule Gaienhofen”

  1. dk
    24. August 2010 at 23:41 #

    Meinen vorigen Kommentar bitte löschen. Der Artikel klingt wie ein Nachruf.

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