Am 1. April Leinen los auf dem Bodensee

Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) profitierten vom schwachen Euro und schönerem Wetter – 2013 wieder ein Fahrplan für alle

Konstanz/Romanshorn/Schaffhausen/Bregenz. Leinen los heißt es am Sonntag, 1. April, auf dem Bodensee. Die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen Bodensee und Rhein (VSU) starten miteinander, wenn auch mit zwei verschiedenen Fahrplänen, in die neue Saison. In Konstanz steht der Pegel momentan bei 303,7 Zentimeter, so dass die Weiße Flotte schon zum Saisonbeginn alle Häfen und Landestellen anfahren kann. Die beiden Geschäftsführer der deutschen Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) Konrad Frommer und Jörg Handreke zeigten sich zum Saisonstart optimistisch. Im vergangenen Jahr erzielte die BSB ihr bestes Ergebnis aller Zeiten, während die Schweizer und Österreicher mit Niedrigwasser, schwachem Euro und nicht ganz so schönem Wetter im östlichen Teil des Sees zu kämpfen hatten. Wer gern an Bord geht und Touren mit dem Fahrrad machen möchte, hat noch bis 31. April Zeit, sich verbilligte Saison Cards zu kaufen.

 2013 wieder gemeinsamer Fahrplan der VSU

BSB-Geschäftsführer Konrad Frommer wollte den Streit mit den Schweizern, der sich am SBS-Querverkehr Immenstaad-Hagnau-Altnau entzündet hatte, nicht allzu hoch hängen. Die Anfänge der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen Bodensee und Rhein gingen bis 1830 zurück. 1848 habe es schon gemeinsame Fahrpläne gegeben. Frommer sagte, die „Auseinandersetzungen“ seien der Schifffahrt „angedichtet“ worden. Längst hätten sich Deutsche, Schweizer und Österreicher wieder an einen Tisch gesetzt. Wären da nicht zwei getrennte Fahrpläne für die Saison 2012, einer für die BSB und die Vorarlberg Lines und ein zweiter für die Schweizer Schifffahrt, hätten die Medienvertreter Frommer glauben können, sie hätten sich von einer Fata Morgana, einer Art Luftspiegelung über dem See täuschen lassen. „2013 wird es wieder einen gemeinsamen Fahrplan geben“, sagte Konrad Frommer. Schon am Samstag, 28. April, werden sich die Schiffe auf dem Bodensee zur 41. Flottensternfahrt treffen.

 SBS will mehr Passagiere an Bord bringen

Hermann Hess, Präsident des Verwaltungsrates der SBS, sagte, es gehe darum mehr Fahrgäste auf den See zu bringen und nicht darum, eine bestimmte Zahl von Passagieren zu verteilen. Der Schiffsverkehr soll zusätzlichen Nutzen bringen. Er sagte, es habe ein Bedürfnis nach seequerenden Fahrten gegeben. Da die BSB  nicht reagierte, machte es die SBS erst einmal allein.

VSU ein starkes Team auf dem See

Auf dem See sind die Schiffe auf Kurs. Zur VSU gehören 31 Motorschiffe und drei Motorfähren. Jedes Jahr legen die Schiffe etwa 630.000 Kilometer auf dem Bodensee und Rhein zurück. 116.000 Passagiere mehr als im Vorjahr hatten die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen Bodensee und Rhein im vergangenen Jahr befördert. Das war ein Plus von 3 Prozent. Die Fähre zwischen Romanshorn und Friedrichshafen profitierte vom wirtschaftlichen Aufschwung, auch weil wieder mehr Lastwagen auf die Fähre rollten.

BSB machte besten Umsatz

Allein die 14 BSB-Schiffe hatten 2011 2,26 Millionen Fahrgäste an Bord. Das waren 156.00 Passagiere oder 7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Charterverkehr konnte sogar um 21 Prozent zulegen. Das Umsatzplus liegt insgesamt bei 9 Prozent. Frommer sprach von 13 Millionen Euro Umsatz. Gut angekommen sind, wie Frommer sagte, auch Pakete wie „Schiff&Rad“ oder das „Spaghetti-Schiff“. Konrad Frommer erklärte, die Anstrengungen im Marketing hätten sich gelohnt. Der Trend geht übrigens auch auf dem Bodensee zum Verkauf von Online-Tickets. Neu sind in dieser Saison zwei Kombitickets: Von April bis August gibt es ein Ticket für die Anreise und Ausstellung Marc Chagall in Lindau. Neu sind auch Kombitickets für das Thurgauer Napoleonmuseum.

Neue Abgasreinigungstechnik für betagte Motoren

Und auch imagemäßig tut sich etwas: Lange waren die Motorschiffe, die teilweise noch aus den 30-er Jahren stammen, als Dreckschleudern verpönt. Jörg Handreke widmete sich bei einer Medienkonferenz an Bord von „MS Überlingen“ denn auch den Motoren. Diese würden entweder ausgetauscht oder mit neuesten Techniken der Abgasreinigung nachgerüstet. Heute könne noch niemand sagen, welche Antriebe die Bodensee-Schiffe in zehn oder 20 Jahren hätten. Diesel ist teuer und Erdgas zur Alternative geworden. Zwei Schiffe, MS Karlsruhe und MS Schwaben, werden in diesem Jahr 75 Jahre alt. Auch MS München wird mit 50 Jahren zum Oldtimer.

Euro-Schwäche schadete SBS

Andere Schiffahrtsunternehmen hatten ein weniger erfolgreiches Jahr. Die SBS Schiffahrt AG konnte den Kursverkehr auf dem Alten Rhein wegen des Niedrigwassers erst verspätet aufnehmen. Die Passagierzahlen brachen auf der Strecke ein und sanken im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent. Insgesamt gingen bei der SBS 7.000 Passagiere weniger an Bord. Das ist ein Minus von einem Prozent. CEO Andrea Ruf sagte, der „Zusammenbruch der Euro“ sei zum Problem geworden. Wer an Bord wollte, kaufte sich ein Ticket in Deutschland oder bezahlte auf der Fähre in Euro. In diesem Sommer will die SBS zum Beispiel die „Euregia“ zur Event-Fähre machen und ein Sea Folk Song Festival veranstalten.

Trockenheit machte Rheinschifffahrt Probleme

Die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (Uth) beförderte 2011 insgesamt 9 Prozent weniger Passagiere als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. An 44 Betriebstagen war wegen Niedrigwassers die Teilstrecke Diessenhofen-Stein am Rhein nicht befahrbar. Geschäftsstellenleiter Thomas Rist sagte, erst ab Juni konnten die Schiffe fahren. Der schwache Euro bereitet zusätzlich Probleme. Gegenüber dem schon nicht guten Vorjahr sank die Fahrgastzahl noch einmal um 19.000 oder 5 Prozent. Eine Attraktion soll das Mitfahren „Kapitän für eine Tag“ im Steuerhaus sein.

Am Obersee war das Wetter schlechter

Die Vorarlberg Lines Bodenseeschiffhart litt unter einem kalten, verregneten Juli und einem wechselhaften August. Die Fahrgastzahl sank um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht einem Minus von 14.000 Passagieren. Alexandro Rupp sieht in Zukunft wegen des Baus eines Einkaufszentrums in Bregenz weitere Probleme. Während der Bauphase gehen Parkplätze am See verloren. Deswegen bieten die VLB von der Landestelle Lochau aus einen Shuttle zu den Bregenzer Festspielen an.

Früher Vogel

Auch in dieser Saison bieten die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen Bodensee und Rhein (VSU) eine Saison Card an, die auf allen Kursschiffen der VSU gilt. Sie kostet im Vorverkauf bis zum 31. April 169 Euro oder 215 CHF. Eine Fahrrad-Jahreskarte kostet 55 Euro oder 70 CHF. Sie gilt zusammen mit der Saison Card. Später kosten die Saison Cards 199 Euro und 255 CHF.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen Bodensee und Rhein (VSU)

Fotos: VSU und wak

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