Am Freitag erster Konstanzer Schwabenstreich

Oben bleiben auch am Bodensee – Parteipolitisch unabhängige Aktivisten rufen zu Protest auf

Konstanz. Jetzt also auch in Konstanz. Am Freitag, 18. Februar, um 18 Uhr soll es den ersten Schwabenstreich in Konstanz geben. „Schwabenstreiche“, die es bereits in vielen Städten gibt, sind ein Ausdruck des Protests gegen „Stuttgart 21“. Ihren Ausgang nahmen sie in Stuttgart, wo erstmals Protestierende 60 Sekunden lang einen ohrenbetäubenden Lärm mit Pfeifen und Trommeln machten. Sechs Wochen vor der Landtagswahl haben die „Schwabenstreiche“ auch das badische Konstanz erreicht. Die Organisatoren sagen von sich, dass hinter ihnen keine politische Parteien stehen.

Lärmen gegen das Großprojekt Stuttgart 21

Der erste Konstanzer Schwabenstreich steht unter dem Motto „Der Filz muss weg!“. Alle Bürgerinnen und Bürger, die sich aus Protest gegen das Großprojekt Stuttgart 21 und für einen modernen Kopfbahnhof in Stuttgart sowie sinnvolle Investitionen im Nah- und Fernverkehr in ganz Baden-Württemberg engagieren wollen, sind von den Veranstaltern aufgerufen, an die Marktstätte zu kommen. Treffpunkt ist am Freitag, 18. Februar, um 18 Uhr am Konstanzer Kaiserbrunnen auf der Marktstätte. Veranstalter ist bodensee-schwabenstreich.de.

Aufruf „Nicht-Tunnel-Parteien“ wählen

In einer Mitteilung heißt es: „Hinter den Protesten stehen keine Parteien und kein Wahlkampf. bodensee-schwabenstreich.de ist ein Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern aus dem Landkreis Konstanz, entstanden aus dem Radolfzeller Schwabenstreich, der seit Monaten montags stattfindet. Es handelt sich nicht um Wahlkampf, wenngleich die Initiative allgemein empfiehlt ,Nicht-Tunnel-Parteien‘, also solche, die sich gegen das Großprojekt als Tiefbahnhof (Stuttgart 21) aussprechen, zu wählen.“

Stuttgart 21 kontra regionale Projekte

Der erste Konstanzer Schwabenstreich wolle darüber informieren, dass das Großprojekt S21 mit Steuern und mit Fahrpreisen finanziert werde. Sieben Milliarden Euro seien für Stuttgart 21 und die mit dem Projekt notwendige Neubaustrecke offiziell veranschlagt. „Häufig haben sich bei ähnlichen Projekten die Kosten jedoch verdoppelt“, heißt es in einer Mitteilung. Das Großprojekt S21 verhindere dringende Projekte der Region.

Missstände auf Bahnhöfen am Bodensee

Bund, Länder und Gemeinden seien hochverschuldet – ein Milliarden verschlingendes Großprojekt in Stuttgart wird für viele Jahre Investitionen in den öffentlichen Verkehr und in anderen Bereichen auch in unserer Region verhindern. Die Initiatoren des Protests fragen: Haben Sie schon mal versucht, als Alleinreisende(r) mit einem Kinderwagen in Konstanz oder Radolfzell die mittleren Bahnsteige zu erreichen? Oder haben Sie sich schon mal in die Rolle eines alten Menschen versetzt, der auf einen Rollator angewiesen ist und eine Treppe bewältigen muss, ganz zu schweigen von Behinderten im Rollstuhl. Viele Bahnhöfe in unserer Region sind nicht barrierefrei zu erreichen. Es gäbe genug in der Region zu investieren! Übrigens: Im neuen Stuttgarter Tiefbahnhof sollen Sie künftig auch Treppen steigen, statt wie bisher ebenerdig von Zug zu Zug zu gelangen! Das Großprojekt S21 wird uns nicht schneller von A nach B bringen.“

Vorbild Schweizer Bahn

Weiter heißt es: „Sind Sie schon einmal von Konstanz nach Zürich mit dem Zug gefahren? Dann hatten Sie alle halbe Stunde die Möglichkeit dazu, jede Stunde sogar ohne Umsteigen. Und auch die schweizerische Bundeshauptstadt Bern können Sie, mit einmaligem Umsteigen, von Konstanz aus alle halbe Stunde erreichen. Sie wollen lieber in unsere Landeshauptstadt nach Stuttgart fahren? Dorthin haben Sie nur alle zwei Stunden eine Zugverbindung, und dann braucht der preiswerte Regionalexpress auch noch drei Stunden für die Fahrt. Denn die Gäubahn (Singen – Stuttgart) ist zwischen Tuttlingen und Horb seit 1946 eingleisig. Entgegen den vollmundigen Versprechungen mancher Politiker ist in keinem Haushalt Geld für den Bau von zweigleisigen Streckenabschnitten und damit für die Beschleunigung vorgesehen (abgesehen von geringen Planungsleistungen). Seit 65 Jahren wurde kein Geld für den Ausbau einer zweigleisigen Gäubahn investiert. Glauben Sie daran, dass ausgerechnet dann, wenn die öffentlichen Hände Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm finanzieren müssen, Geld für den Ausbau da ist?“

Großprojekt S21 störanfälliger

„Unsere Gäubahn soll mit Stuttgart 21 ihre selbstständige, kreuzungsfreie Einfahrt nach Stuttgart Hbf. verlieren und ihren Weg künftig mit S-Bahnen und Zügen anderer Strecken teilen. Sie soll also störanfälliger werden“, behaupten die Organisatoren des Protests. Außerdem solle die Fahrt nach Stuttgart wegen des Umweges noch länger dauern. „Unsere Anschlüsse werden schlechter werden“, behaupten die S 21 Gegner. Auf der Hochrheinstrecke Singen – Schaffhausen – Basel herrsche eine rege Nachfrage, aber wenn einmal ein Triebwagen ausfällt, gebe es keine Ersatzfahrzeuge, und die Pendler müssten sogar in der Toilette stehen. Die Forderung heißt: „Statt Stuttgart 21 mehr Geld für funktionstüchtige Fahrzeuge in der Fläche.“ Auf der Bodenseegürtelbahn warteten die Züge viel Zeit in den Bahnhöfen, weil es nicht genügend zweigleisige Abschnittegebe. Wer aus dem Raum Konstanz nach Freiburg will, steige zweimal um bei unnötig langer Fahrzeit.

Foto: bodensee-schwabenstreich.de/ Claudia Brust

Ein Kommentar to “Am Freitag erster Konstanzer Schwabenstreich”

  1. Berthold
    19. Februar 2011 at 23:52 #

    Es sind besorgte Bürger, besorgt um unsere zukünftige Infrastruktur hier am Bodensee, die gegen Stuttgart 21 sind und keine Parteien, die nur Wahlkampf damit machen wollen.
    Doch wer sich über weitere Medien über S 21 erkundigt, weiß, daß es dabei in der Hauptsache um Immobilien geht. Ein Riesenareal ist angeschlossen, das zur Bebauung um die Attraktivität Stuttgarts zur Verfügung steht. Und das eigentlich nutzlose Bahnprojekt fällt uns allen Bürgern hier im Ländle nur zur Last, – jahrzehntelang. Und das Verkehrsnetz hier unten vergammelt immer mehr.
    B. Stengele

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