Am Konstanzer Theater dürfen vier lebendige Karpfen in „Woyzeck“ schwimmen

Landratsamt will vier Zuchtkarpfen beobachten – Premiere am Samstag in der Spiegelhalle

Konstanz. Die Berliner Schaubühne hat es in Henrik Ibsens „Nora“ getan. Am Samstag tut es das Konstanzer Stadttheater bei der Premiere von Georg Büchners Klassiker „Woyzeck“. Fische schwimmen als Nebendarsteller in einem Aquarium mit auf der Bühne. Das Konstanzer Landratsamt hat vorerst keine Einwände mehr.

Kein Gang zum Verwaltungsgericht

Dass die Theaterpremiere von „Woyzeck“ am 9. Oktober Premiere in der Spiegelhalle feiern würde, stand nie ernsthaft in Frage. Unklar war aber bis zuletzt, ob drei Karpfen mit auf der Bühne schwimmen dürfen. Seit Freitagnachmittag steht nun fest: Ja, sie dürfen schwimmen. Das Veterinäramt hält eine Erlaubnis nach Tierschutzrecht seit wenigen Stunden nun nicht mehr für nötig. Zuvor hatte das Theater bereits damit gedroht, notfalls das Verwaltungsgericht in Freiburg zu bemühen, um die Premiere von „Woyzeck“ nicht zu gefährden.

Karpfen statt Lachsforellen

Martina Kraus. Pressesprecherin des Konstanzer Stadttheaters, hatte am Vormittag berichtet, dass zu Beginn noch Lachsforellen im Wasser schwimmen sollten. Weil Karpfen aber weniger stressanfällig sind, entschied sich die Theatercrew doch lieber Karpfen ins Aquarium zu setzen. Insgesamt spielen nun vier Zuchtkarpfen 3,5 Tonnen schweren Riesenaquarium im Stück mit.

Es geht um Leben und Tod

Gehen wird es auf der Bühne – wie so oft auf dem Theater – um Leben und Tod. „Die Fische sind Teil der Inszenierung“, so Martina Kraus. Gar nicht recht ist ihr, dass der Plot, genauer der Schluss des Stückes, nun womöglich schon vor der Premiere publik wird. Deshalb nur so viel: Am Ende von „Woyzeck“ stehen die Karpfen für das Leben. Deshalb, so Martina Kraus, wäre es auf gar keinen Fall möglich gewesen, die lebendigen Fische durch tote Plastikfische zu ersetzen. Die Spiegelhalle eröffnet ihre neue Spielzeit nun also mit Büchners Klassiker in Bearbeitung von Robert Wilson und mit den Songs von Tom Waits und Kathleen Brennan sowie in Nebenrollen vier stumme Karpfen.

Gestresste Schauspieler

Apropos Stress. Der Wirbel um die Karpfen habe den Stress für alle an der Produktion Beteiligten erhöht, so Kraus. Heute stand die zweite Hauptprobe auf dem Programm. Störungen könnten Schauspieler und Regisseur da auf gar keinen Fall gebrauchen. Dass „Woyzeck“ am Konstanzer Stadttheater durch den Streit um die Karpfen eine besondere Publicity zu Teil geworden ist, sei weniger bedeutsam. Ein Schelm, der sich böses dabei denkt.

Antrag beim Veterinäramt nicht nötig

Offenbar hatte das Theater unnötigerweise einen Antrag auf Erlaubnis nach Tierschutzrecht beim Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen gestellt. Auf diese Idee kam auch schon das Stadttheater selbst. Nach abschließender Prüfung hält nun aber auch das Landratsamt nun eine Erlaubnis nach Tierschutzrecht nicht mehr für notwendig. Dennoch sei es verboten, ein Tier zu einer Filmaufnahme, Schaustellung, Werbung oder ähnlichen Veranstaltung heranzuziehen, sofern damit Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind. Lärm sowie intensive und plötzliche Lichteinwirkung könnten nach Ansicht der Wissenschaft auch bei Fischen Leiden verursachen.

Amt beobachtet Auswirkung auf Zuchtkarpfen

Daher gehöre es zur Aufgabe des Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen, dafür zu sorgen, dass die nun ausgewählten Zuchtkarpfen bei den Aufführungen des Theaters Konstanz nicht leiden. Das Theater habe dem Amt bisher noch nicht die Möglichkeit gegeben, die Auswirkungen einer Aufführung auf Zuchtkarpfen zu beobachten. Im Klartext: Es fehlt die Langzeitstudie. Mit dem Theater seien nun aber Veränderungen im Ablauf der Aufführung und in der Ausstattung des Aquariums einvernehmlich gefunden worden, so das Landratsamt. Dies solle die Gefahr von Leiden möglichst ausschließen. Deshalb könne die Premiere am Samstag uneingeschränkt stattfinden, so das Landratsamt. Das Amt werde die Auswirkungen der Aufführungen auf die Zuchtkarpfen aber beobachten, um festzustellen, ob die „Maßnahmen zum Schutz der Fische“ ausreichen. Nach Mitteilung des Theaters besucht der zuständige Dezernent die Premiere.

Veterinäramt behält sich Einschreiten vor

In den Gesprächen mit der Theaterführung habe das Landratsamt den Eindruck gewonnen, dass es bei aller künstlerischen Freiheit für das Theater wichtig ist, sich tierschutzgerecht zu verhalten. Sollte das Veterinäramt aber zum Ergebnis kommen, dass die Zuchtkarpfen bei den Aufführungen leiden, erwarte das Veterinäramt, dass der Einsatz der Fische beendet wird.

Baden mit Karpfen

Bei der „Nora“-Inszenierung an der Schaubühne Berlin stand 2004 ebenfalls ein Aquarium auf der Bühne, in dem zweimal gebadet und am Ende gestorben wurde. Die Fische haben mutmaßlich überlebt. Auch in Konstanz wird mutmaßlich auf der Bühne gebadet. Wie die Speisefische Karpfen nach den „Woyzeck“-Aufführungen enden werden, ist bisher noch nicht thematisiert worden.

Jens Bredehorn PIXELIO www.pixelio.de

Ein Kommentar to “Am Konstanzer Theater dürfen vier lebendige Karpfen in „Woyzeck“ schwimmen”

  1. Peter, Karpfen, Brassen
    8. November 2010 at 20:52 #

    Hallo, Karpfen sind meiner Meinung, nicht so Stress empfindlich wie viele andere Fische. Gerade den Karpfen kann man sehr gut dressieren. Gruß Peter

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