Am Montag Treffen zwischen Konstanzer Oberbürgermeister und Peter Lenk

Provinzposse um satirische Papst-Skulptur ist Weltnachricht

Konstanz (wak) „Ich kämpfe nicht“, stellte der Bodmaner Bildhauer Peter Lenk klar. Am Montag trifft er sich mit dem Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank zu einem Krisengespräch. Der Termin sei am Freitagnachmittag vereinbart worden, sagte Lenk am Samstagvormittag See-Online. Eine Chance, wie beide Seiten ihr Gesicht waren könnten, wäre es, die satirische Papst-Skulptur auf Zeit in der Mobilitätszentrale des Konstanzer Bahnhofs stehen zu lassen. Lenk wäre sogar mit einer vorübergehenden Verhüllung des Papstes bei der Eröffnung einverstanden. Während dessen hat der Papst-Aufreger vom Konstanzer Bahnhof sogar für Schlagzeilen in Russland und der Ukraine gesorgt.

Urheberrechtsanwalt klärte auf

Fest steht, dass die Lenkfigur nicht wie von der Tourist Information Konstanz (TIK) verfügt, bis Montag abtransportiert wird. Das stellte Lenk klar. Mit der Papst-Skulptur befasst ist mittlerweile auch der Rechtsanwalt und Experte für Urheberrecht, Dr. Albrecht Götz von Olenhusen, der auch Lehrbeauftragter an den Universität Marburg und Freiburg ist. Der Jurist habe die Konstanzer erst einmal darüber aufgeklärt wie sie mit einem Kunstwerk umgehen dürfen. Der Aufforderung, die Figur sofort abzubauen, braucht Lenk nicht nachzukommen. Ohne gerichtliche Verfügung ginge auf dem Bahnhof gar nichts, sollten sich Lenk und die Konstanzer nicht noch einigen. „Das könnte über Jahre gehen“, sagte der Bildhauer.

Ministerpräsident und Kirche am Pranger

Nicht gut zu sprechen ist Peter Lenk derzeit auf Elisabeth Stiegeler, Ehefrau von Alexander Stiegeler und Bildhauerin. Sie hatte sich öffentlich despektierlich über Lenks Kunst geäußert. „Das macht man doch nicht – so spricht man nicht öffentlich über Kollegen“, sagte Lenk. Für den Bildhauer steht fest, dass sich die Konstanzer momentan nur so etwas wie Erfüllungsgehilfen sind. „Das passt zu Mappus“, sagte Lenk. Er wiederholte noch einmal seine Einschätzung, dass die katholische Kirche nach den „Sexgeschichten“ empfindlich geworden sei.

Erwartungen an Gespräch mit dem OB

Aufschluss über die Gründe, weshalb er die Papst-Skulptur abbauen soll, erhofft sich Lenk am Montag vom Gespräch mit Oberbürgermeister Horst Frank, der Vorsitzender des TIK Aufsichtsrats ist und den die Provinzposse kaum amüsieren dürfte. Er werde dem OB auch ein kleines Modell der Figur zeigen, und ihm erklären, weshalb der Abbau des Papstes so schwierig sei. Geschaffen hatte der Bildhauer die Skulptur ursprünglich für einen Auftritt bei der ITB in Berlin. Anschließend hatte die Papstfigur seine Heimstatt im Garten des Bildhauers.

Sorge um päpstliche Pobacken

Mit einem Kran und einem Flaschenzug hatte Lenk den Papst in Bodman vorsichtig angehoben. Der Aufbau in Konstanz sei dann leichter gewesen als der Abbau. Wegen der fehlenden Raumhöhe ist der Einsatz eines Krans im Bahnhofsgebäude unmöglich, so Lenk. Werde die Gipsfigur, die mit zwei Bolzen auf Stahl befestigt ist, nicht Millimeter genau senkrecht gehoben, könnte die fast 700 Kilo schwere Papst-Skulptur schwer beschädigt werden. „Ich sehe es vertikal nicht“, sorgte sich der Bildhauer. „Dann reißt’s ihm den Hinterbacken weg“, formulierte Lenk deftig. Auch deswegen ist Lenk momentan höchst unbeugsam und wäre nur mit dem Abtransport durch eine Spezialfirma bei Vorlage einer Handwerksversicherung einverstanden. Wenn das „Konzept“ stimme, wäre er bereit, Details mit der Firma zu besprechen. „Ich möchte die Figur heil zurück“, verlangte der Künstler.

Lenk möchte Papstfigur heim nach Bodman holen

Nach Angaben des Künstlers haben sich mittlerweile bereits mehrere Interessenten gemeldet, die die Interesse an der Papstskulptur haben oder die ihr Asyl gewähren wollten. Lenk lehnte die Offerten aber offenbar ab. „Diese Figur kommt zu mir heim“, sagte der Bildhauer See-Online. „Ich gebe sie nicht in der Gegend rum.“ Im Moment habe er auch kein Interesse daran, weitere Skulpturen in Konstanz aufzustellen. Abgelehnt habe er schon vor einiger Zeit einen Vorschlag der Stadtwerke, die seine „Schwäbischen Floßfahrer“ am Fährehafen aufstellen wollten, berichtete Lenk.

Papst in Burka

Am Montag hofft Lenk auf eine „elegante Lösung“. Sollten ihm die Konstanzer weiter mit Arroganz und Ignoranz begegnen, wäre er aber wohl so verstimmt, dass er die Angelegenheit dem Urheberrechtsanwalt überlassen würde. Die Konzilfeierlichkeiten seien mit einer Komödie oder Tragikkomödie eröffnet worden, sagte Lenk. Wert legt er dabei auf die Feststellung, dass er um die Leihgabe gebeten worden sei und sich nicht etwa aufgedrängt hatte. Die vorübergehende Verhüllung des Papstes hat der Bildhauer schon einmal großzügig als elegante Teillösung erlaubt. Es bräuchte dann eben ein Kleidungsstück oder Tuch zur vollständigen Verschleierung des 700 Kilo Körpers. „Papst in Burka“ wäre eine denkbare Schlagzeile.

Für Posse aus der badischen Provinz für Russischsprachige:

http://www.lenta.ru/news/2010/05/14/papst/

http://culture.unian.net/ukr/detail/188715

2 Kommentare to “Am Montag Treffen zwischen Konstanzer Oberbürgermeister und Peter Lenk”

  1. dk
    15. Mai 2010 at 19:32 #

    @ sogar für Schlagzeilen in Russland und der Ukraine

    Ein neues sittsames Thema (vom Scheitel bis zum Bauchnabel) könnte sein:
    Helmut Kohl lernt von Boris Jelzin russ. Trink- und Begrüssungsbräuche in der Sauna anlässlich der dt.Einheit

    1. Szene: die Wodka-Gläser leer trinken
    2. Szene: die leeren Flaschen zusammen sortieren
    3. Szene: die brüderlich-sozialistische Umarmung
    4. Szene: der Ausnüchterungsschlaf danach; Rücken an Rücken

    Man kann sich auch näher kommen ohne vollkommene Nacktheit oder trotz dieser sich fremd bleiben.

  2. Fenedig
    17. Mai 2010 at 10:05 #

    Lenk lebt nur, wenn er „satyrisch“ anstösst. Dass er beabsichtigt, „weitere Skulpturen in Konstanz“ nicht aufzustellen, ist mal eine tröstliche Aussage. Die „Verlenkung des Bodensees“ hat jetzt schon manische Züge angenommen. Die eigentliche „Provinzposse“ schaffen diejenigen, welchen dem Tun eine so wichtige Qualität beimessen. Dabei ist alles so banal wie nur möglich.

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