Anwältin: „Wir haben einen Serienmörder gestoppt“

Taximord-Prozess mit Plädoyers von Staatsanwalt und Anwälten fortgesetzt – Schuldfähig oder nicht schuldfähig?

Konstanz. Bis Donnerstag haben die Konstanzer Richter Zeit, um darüber zu entscheiden, ob der mutmaßliche und seit Dienstag auch geständige Taximörder vom Bodensee in ein Psychiatrisches Landeskrankenhaus eingewiesen wird oder ob er eine lebenslange Freiheitsstrafe möglicherweise mit anschließender Sicherungsverwahrung in einer Haftanstalt antritt.

Für die Allgemeinheit gefährlich

Strafverteidigerin Christine Thurau, die Anwältin des Singener Opfers, sagte in einem eindringlichen Plädoyer: „Wir haben hier einen Serienmörder gestoppt.“ Für sie steht außer Frage: „Für mich ist der Angeklagte voll schuldfähig.“ Sie sieht auch eine „besondere Schwere der Schuld“. Auf die Frage Sicherheitsverwahrung ja oder nein, hatte sie am letzten Prozesstag vor der Urteilsverkündung nur eine Antwort:  „Ja natürlich.“ Andrej W. sei für die Allgemeinheit gefährlich.

Anwältin sieht keine Reue

Christine Thurau sagte: „Es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden.“ Die Anwältin fragte: „Was ist die angemessene Strafe für einen Serienmörder?“ Durch die Polizei sei der Serienmörder bereits nach seiner zweiten Tat gestoppt worden. Sie erinnerte noch einmal an die grausame Tat an ihrer Mandantin, der überlebenden Taxi-Fahrerin aus Singen. Sie ist seit der Tat ab dem dritten Halswirbel gelähmt, so die Anwältin. Christine Thurau erklärte, der bis zu diesem Zeitpunkt schweigende Angeklagte habe keine Reue gezeigt. Er habe dem Gutachter statt dessen berichtet, dass er nach der Tat Pornos geschaut habe.

Manipulierungsversuche des Angeklagten

Die Anwältin der Nebenklägerin sagte über die Tat an der Singener Taxifahrerin: „Er wollte es, weil er Lust hatte.“ Systematisch arbeite der Angeklagte auf die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus hin. Er versuche zu manipulieren. Sie appellierte an das Gericht, sich von Andrej W. keinen Sand in die Augen streuen zu lassen. Seine Vorgehensweise sei geordnet und zielgerichtet gewesen. „Er ist nicht ziellos umher geirrt“, so Christine Thurau. Er habe sich nach der ersten Tat neue Kleidung gekauft und nach der zweiten ein Fahrrad gestohlen, Passanten nach dem Weg gefragt und eine auffällige Mütze weggeworfen. „Wo ist bitte verminderte Schuldfähigkeit“, fragte Christine Thurau. „Der Angeklagte spielt etwas vor.“

Psychiatrie wegen Annehmlichkeiten

In seiner Zeit in Hohenasperg habe er genauso mit Selbstmord gedroht wie früher gegenüber seiner Ex-Freundin. Er wolle Damenunterwäsche tragen und spiele Erlebnisse mit dem Teufel vor. Es gehe dem mutmaßlichen Mörder nur um Annehmlichkeiten und darum, nicht in den Vollzug zu müssen. Sie habe keine Regung von ihm gesehen, außer, als es um seinen angeblichen Schwachsinn ging, und ein weiteres Mal in nichtöffentlicher Verhandlung.

Angeklagter raffinierter Lügner

Der Anwalt, der die Interessen der Kinder des Mordopfers aus Friedrichshafen vertritt, sagte, der Angeklagte sei ein raffinierter Lügner. Er schilderte das Schicksal der beiden Jungen der alleinerziehenden Mutter. Er sprach von traumatisierten Kindern. Die schulischen Leistungen hätten sich verschlechtert. Der Jüngere könne nicht mehr alleine in einem Zimmer bleiben. Beide hätten Alpträume. Der Anwalt nahm dem Angeklagten auch nicht ab, dass er nekrophile Neigungen habe. „Lügen ziehen sich wie ein roter Faden durch“, so der Anwalt. Er sei gemeingefährlich. Mit seiner Kollegin war er sich einig, dass er lebenslange weggesperrt werden müsse.

Staatsanwalt will Einweisung in Psychiatrie

Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst noch einmal die Taten geschildert und sie rechtlich bewertet. Oberstaatsanwalt Peter Muthmann sprach von einer gefühl- und mitleidslosen Gesinnung des Angklagten. Die komplette Aufhebung der Schuldfähigkeit käme nicht in Betracht, so der Anklagevertreter. Allerdings räumte er eine Verminderung der Schuldfähigkeit ein. Er sprach von einer schweren Persönlichkeitsstörung. Auch er äußerte Zweifel an der nekrophilen Neigung des Angeklagten, dem er geringe Intelligenz attestierte. Auch der Staatsanwalt bejahte die besondere Schwere der Schuld. Sowohl Sicherungsverwahrung als auch die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik kämen bei solch einer Tat in Betracht. Der Staatsanwalt sprach von der Gefährlichkeit des Angeklagten für die Allgemeinheit. Der Staatsanwalt möchte den mutmaßlichen Mörder, der unter anderem durch DNA-Beweise überführt sei, in einer psychiatrischen Klinik unterbringen.

Pflichtverteidiger hält Mandanten für krank

Dafür sprachen sich auch die beiden Pflichtverteidiger des Angeklagten, Klaus Frank und Rudy Haenel, aus. Frank sagte, die DNA-Beweise seien so klar, dass er von Anfang an gewusst habe, dass sein Mandant am Ende verurteilt werde. Er fagte aber: „Wir konnte es bei Herrn W. so weit kommen?“ Frank sprach davon, dass der Angeklagte ein „ungeliebtes Kind“ gewesen sei. Er sei nicht gefördert worden. Er glaube, dass sein Mandant tatsächlich nekrophil sei. Frank sprach von einer „schweren seelischen Abartigkeit“. Andrej W. könne keine Empathie spüren. Sein Mandant sei „schwer psychisch krank“. Er plädierte dafür, ihn in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen und sagte, die Forensik sei sicher. Es gehe um die Sicherheit der Gesellschaft aber auch um die Resozialisierung. Das gebe unser Rechtsstaat vor.

Fotos: wak

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.