Apropos OB-Wahl: Jetzt spinnen sie aber, die Konstanzer

Ausreichend viele Bewerber um OB-Job haben sich gemeldet – Letzte Castings vor dem Finale

Konstanz. Spätestens am Mittwoch, 25. April, stellen die Grünen in Konstanz ihren Bewerber oder ihre Bewerberin für das Amt des Oberbürgermeisters oder der Oberbürgermeisterin bei einer Mitgliederversammlung im Restaurant „Seerhein“ vor. Alle Interessierten, die bei der Premiere dabei sein wollen, sind willkommen. Die Entscheidung fällt intern bereits am Freitag dieser Woche. Auch bei anderen Parteien und Gruppierungen finden die letzten Castings statt. Interessenten haben in den vergangenen Wochen sich die Klinke die Hand gegeben.

Sherlock Rau

Offenbar haben sich bisher aber weder die SPD noch bürgerliche Parteien endgültig auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin festgelegt. Am 27. April wird die Stelle ausgeschrieben. Ab 28. April nimmt die Stadt Bewerbungen entgegen. Bis dahin kursieren weiterhin Namen angeblicher Kandidatinnen und Kandidaten. Die meisten sind falsch. Der Lokalchef der Konstanzer Tageszeitung, Jörg-Peter Rau, bemühte sich am Montagabend beispielsweise zur Nachsitzung der SPD-Fraktion im Konstanzer Gemeinderat ins Restaurant Costa Del Sol. Erhellendes dürfte der Redakteur bei seiner Stippvisite aber nicht erfahren haben. Denn auch die SPD hat ihr Kandidaten-Casting noch nicht beendet.

„P“ wie Paradiesvögel

Die illustere Reihe, jener, die ins Gespräch gebracht worden sind oder sich vielleicht auch selbst ins Gespräch brachten, ließe sich jeden Tag um neue Namen verlängern. Es gibt durchaus auch ernsthafte Bewerber, die sich vorerst wohl aber noch bedeckt halten, und es gibt bunte Paradiesvögel. Der Name der früheren CSU-Politikerin Gabriele Pauli wurde von selbst ernannten OB-Flüsterern genauso erwähnt wie der des Autors und Fernsehmoderator Meinhard Schmidt-Degenhard.

Klares Dementi aus Übersee

Gerüchte schießen ins Kraut. Der Name von Christiane Kreitmeier – sie ist Stadträtin und gehört der Fraktion der Freien Grünen Liste an – wurde genauso gestreut wie der Name der Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker, die entschieden dementiert. Schließlich hat sie in Überlingen erst noch große Aufgaben zu bewältigen, darunter die Ausrichtung der Landesgartenschau 2020.

Das Anforderungsprofil

Was bisher noch fehlt, ist ein klares Anforderungsprofil. Paul Witt, Rektor der Fachhochschule für Verwaltung in Kehl und Leiter des Seminars für Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten, meinte beispielsweise schon vor fünf Jahren, der Bürgermeister einer Stadt müsse ein „Motivator sein und er werde auch ein „Moderator von Bürgerbeteiligungsprozessen“ sein. Ein moderner Bürgermeister werde versuchen, möglichst viele Bürger aktiv in das Geschehen einzubeziehen, ihnen – neben dem Gemeinderat – Verantwortung für einzelne Projekte übertragen und versuchen, sie zu motivieren, sich für „ihre“ Gemeinde zu engagieren.

Nicht ohne fachliche Tiefe

Auch, wenn moderieren zu einer Schlüsselqualifikation auch eines Oberbürgermeisters gehören dürfte. Ein bloßer Moderator wäre für eine Stadt wie Konstanz sicher zu wenig. In der Bücklein Musiktalkshow im März hatte übrigens der frühere Singener OB und in Stuttgart bei der Vorwahl gescheiterte CDU-Mann Andreas Renner erzählt: Der Stuttgarter Alt-OB Manfred Rommel habe ihm einmal gesagt, OB werde man trotz der Partei. Ein bisschen sarkastisch klang es allerdings, als Renner, der in Konstanz ganz zu Beginn der medialen Kandidatensuche als möglicher CDU-Kandidat genannt worden war, sagte, man brauche auch keine Verwaltungs- oder Führungserfahrung mehr. Paul Witt schrieb zu diesem Thema: „Dabei reicht es nicht mehr aus, sich alleine auf die Zuarbeit der Fachleute der eigenen Verwaltung zu verlassen oder auf sie zu verweisen, denn die Komplexität der Entscheidungen, aber auch das zunehmende Anspruchsdenken der Bevölkerung verlangen ein Grundmaß an fachlicher Tiefe auf allen Gebieten.“

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