Arbeitsuche in Konstanz: Es sind nicht genug offene Stellen da

Josef P. Gampp, Ex-Direktor des Konstanzer Arbeitsamtes und privater Personalvermittler, über Arbeit

Konstanz. Die Arbeit reicht nicht für alle. Nicht einmal im Bezirk Konstanz, wo die Arbeitslosenquote im März bei 4,7 Prozent lag, kann jeder auf einen neuen Job hoffen. Und nicht einmal Josef P. Gampp, Ex-Direktor des Konstanzer Arbeitsamtes und seit einem Jahr selbständiger Personalberater- und vermittler, kann versprechen, dass jeder wieder einen Arbeitsplatz findet. Er sagt: „Die Zahl der offenen Stellen ist kleiner als die der Arbeitsuchenden.“ Das ist Mathematik und es ist desillusionierend.

Zu wenig freie Stellen

Aktuell sind bei der Arbeitsagentur in Konstanz 8659 Männer und Frauen gemeldet. Der Bestand an offenen Stellen liegt mit 2235 deutlich darunter. Einen hohen Bedarf gibt es laut Arbeitsagentur saisonbedingt im Bereich Hotellerie und Gastronomie und in den Branchen Elektro und Metall, die vor allem Fachkräfte suchen. Josef P. Gampp hat sich eher auf Arbeitsuchende aus dem kaufmännischen Bereich und auf Akademiker spezialisiert.

Ex-Arbeitsamtsdirektor wechselte Perspektive

Als privater Arbeitsvermittler hat sich der Verwaltungsdirektor a.D., der fast 16 Jahre Chef der Arbeitsagentur war, selbständig gemacht. Jetzt hilft er mit seinem i-Personalservice Arbeitsuchenden, die in den letzten drei Monaten länger als sechs Wochen arbeitslos waren und die einen Vermittlungsgutschein von der Arbeitsagentur bekommen haben. Den Scheck bekommt er nur im Erfolgsfall.

Untermieter in seinem früheren Amt

Sitz von Gampps Firma ist die Stromeyersdorfstraße 1/ 416. Das ist auch die Adresse des Arbeitsamtes. Weil Fläche im Gebäude übrig war, hat die Arbeitsagentur untervermietet. An Zeitarbeitsfirmen und an den früheren Arbeitsamtsdirektor zum Beispiel. Manche könnten denken, dass das ein „Gschmäckle“ hätte. Es sieht aber nicht danach aus.

Arbeitslosenquote bei 4,7 Prozent

Zuerst noch einmal die Fakten: Die Arbeitslosenquote im Konstanzer Agenturbezirk sank im März auf 4,7 Prozent. Das ist eine ein bisschen höhere Quote als im Rest des Landes. Die Quote im Land Baden-Württemberg ging auf 4,4 Prozent zurück. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Bezirk des westlichen Bodensees hat sich im März aber anscheinend weiter verbessert. Der späte Ostertermin und der damit verbundene späte Saisonstart in der Hotellerie- und Gastronomiebranche führten dazu, dass der Rückgang der Arbeitslosigkeit schwächer ausfiel als im Vorjahr. Die Situation auf dem Stellenmarkt beurteilt die Arbeitsagentur als „weiterhin gut“. Die stille Reserve ist nicht mitgerechnet.

Bescheidenes Büro im vierten Stock

Gampps Büro ist spärlich ausgestattet: Schreibtisch, Notebook, Papiere, Wasserflasche, keine Espressomaschine, kleiner Tisch, zwei Stühle und ein großes Fenster. Der Blick hinaus aufs Grün, auf das Gewerbegebiet Stromeyersdorf und den Wasserturm ist frei. Er entschädigt so ein bisschen für das eher bescheiden wirkende Büro auf einem langen Flur im vierten Stock.

Radikaler Schnitt mit 65 Jahren

Als Gampp im vergangenen Jahr in den Ruhestand ging, machte er sich selbständig. Über 30 Jahre hatte er zuvor für die Arbeitsagentur gearbeitet und fast 16 Jahre war er Direktor des Konstanzer Arbeitsamtes. Mit 65 Jahren war Schluss. Beim Ex-Arbeitsamtsdirektor hört sich das so an, als ob er gern noch geblieben wäre. „Man wird freigesetzt“, sagt er. Gampp drückt sich. Niemals würde er sagen, dass ein privater Arbeitsvermittler besser vermittelt als die Agentur. Er sagt, er möchte Arbeitgebern und Einzelnen helfen.

Nicht des Geldes wegen

Wer Gampp nach seinen Motiven fragt, als privater Arbeitsvermittler tätig zu sein, bekommt eine überraschende Antwort. Sein Berufsleben sei gut gelaufen – jetzt wolle er etwas zurückgeben. Das klingt sehr altruistisch. Da bedarf es der Nachfrage: Nein, stellt Gampp klar, wegen des Geldes mache er es nicht. „Ich bin eine Ameise, eine kleine Ergänzung“, sagt der frühere Arbeitsamtsdirektor über sich. Er redet von „hautnaher“ Erfahrung, die er jetzt macht. Als er anfing, dachte er, dass „Prozesse“ schneller laufen könnten.

Erfolge und Misserfolge

Wer mit einem Vermittlungsgutschein kommt, hat meist viele Negativerlebnisse hinter sich. „Nach der 85. Absage fühlt man sich nicht gut“, sagt Gampp. Er hört sich die Sorgen und Nöte seiner Kunden an. Ein bisschen besser geht es denen, die freiwillig wechseln wollen. Gampp will im Gespräch mit seinen Kunden ergründen, woran die Bewerber gescheitert sind. „Ich kann mir alle Zeit nehmen, ein Vermittler kann das nicht.“ Das Erstgespräch kann auch drei Stunden dauern. Manchmal ist es auch für Gampp frustrierend. Er sagt, er wollte gern einen Handwerker in einer Firma unterbringen. Er hätte gut gepasst. Der Chef wollte aber keinen, der älter war als 37 Jahre. Trotzdem hat der Vermittler auch schöne Geschichten zu erzählen, die Mut machen. Da sei die 52-jährige Frau gewesen, die er doch wieder untergebracht habe. Für einen 62-Jährigen fand er dagegen keine Stelle. Vielleicht, meint Gampp, habe der aber auch gar nicht mehr gewollt. .

Erfolgsprämie für private Vermittler

Gampp sucht nach Stellen, die zum Profil des Arbeitsuchenden passen. Er schickt auch die Bewerbung hin. Die Bewerber müssten mit ihren Stärken punkten und zu ihren Schwächen stehen. Wer zu schlechte Fremdsprachenkenntnisse habe, könnte zum Beispiel sagen, dass er einen vhs-Kurs besuchen möchte. Oft würden Bewerbungen maschinell sortiert. Wer nicht passt, fliegt raus. Zu Gampps Kunden gehören Arbeitsuchende mit Vermittlungsgutschein (40 Prozent), Wechsler und Arbeitgeber (je 30 Prozent). Arbeitsuchende erhoffen sich, dass sie bessere Chancen haben, wenn ihnen ein privater Arbeitsvermittler hilft, sagt Gampp. Sie schalten oft mehrere Vermittler parallel ein. Den Gutschein bekommt am Ende, der der den Job besorgt.

Sechs Monate Zeit

Gampp sagt, nicht alle bekämen eine neue Stelle. Viele verdienen später auch weniger als in ihren alten Firmen. Etwa sechs Monate Zeit gibt er sich pro Kunde. Wenn Menschen, die er vermittelt hat, wieder Arbeit haben, betreut sie Gampp noch nach. Einen jüngeren Mann habe er an eine Zeitarbeitsfirma vermittelt, weil es mit einer anderen Stelle doch nicht geklappt habe. Jetzt will er ihn dazu bewegen, dass er ein Jahr bleibt. Wegen des Lebenslaufs, sagt Gampp. Dann würde er ihm gern helfen, eine feste Stelle bei einem Unternehmen in der Region zu suchen. Ein bisschen stolz ist Gampp auf eine alleinerziehende, eher praktisch begabte Mutter, die er in einem metallverarbeitenden Betrieb untergebracht hat. Auch das kann passieren.

Arbeit reicht nicht für alle

Die Arbeit reicht trotzdem nicht für alle. Gampp windet sich. Profile müssten passen, sagt er. Alleinerziehende, Ungelernte, EDV-Kenntnisse, Ältere – der frühere Arbeitsamtsdirektor drückt sich darum, zu sagen, wer keine Chance hat. Vielleicht ist es aber auch so, dass jeder Arbeitsuchende ein Einzelfall ist und jeder einzelne doch noch eine neue Stelle finden könnte. Das wäre eine gute Nachricht.

Hier geht es zu Gampps i-Personalservice.

 

2 Kommentare to “Arbeitsuche in Konstanz: Es sind nicht genug offene Stellen da”

  1. Bolle Knallquist
    14. April 2011 at 13:48 #

    Unglaublich, für was der Staat das Geld zum Fenster hinauswirft:

    „Mit Hilfe eines Vermittlungsgutscheins des Arbeitsamts kann sich ein Arbeitsloser bei der Suche nach einer Arbeitsstelle von privaten Arbeitsvermittlern unterstützen lassen. Vermittelt der private Arbeitsvermittler erfolgreich eine Arbeitsstelle, erfolgt die Auszahlung des Vermittlungsgutscheins in einer ersten Rate von 1.000 Euro, sobald das Beschäftigungsverhältnis mehr als 6 Wochen besteht. Die zweite Rate von 1.000 Euro wird ausgezahlt, wenn das Beschäftigungsverhältnis wenigstens 6 Monate besteht.

    Das System Vermittlungsgutschein gilt zunächst bis zum 31.12.2011. Der Rechtsanspruch begründet sich auf SGB III § 421g.“
    http://www.arbeitsratgeber.com/vermittlungsgutschein-arbeitsamt-0306.html

    Auf der Seite von I-Personalservice steht:
    „Gut qualifizierte, motivierte und leistungsfähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen eine immer größer werdende Bedeutung für den Erfolg eines Unternehmens. “
    http://www.i-personalservice.de/

    Toll. Aber „qualifizierte, motivierte und leistungsfähige“ Arbeitskräfte finden eigentlich ohne Arbeitsagentur und Personalvermittlung einen Job.

    Ich hätte da aber eine Idee: Herr Gampp soll mir alle 8.659 Arbeitslosen aus Konstanz vermitteln. Die stelle ich ein und schmeiße sie nach drei Tagen wieder raus. Die fälligen Vermittlungsgebühren in Höhe von 8.659.000 EUR teile ich dann mit ihm.

  2. J. P. Gampp
    19. April 2011 at 20:32 #

    Lieber, sehr geehrter Herr Bolle Knallquist,
    wenn es so einfach wäre, wie Sie so meinen. Die privaten Arbeits- vermittler tragen dazu bei, dass die Arbeitslosigkeit verkürzt wird, individuell und insgesamt. Was ist daran schlecht ? Wenn Sie die Regelungen zu Ende gelesen hätten, wäre Ihnen aufgegangen,
    das zur vollständigen Auszahlung der Vermittlungsvergütung eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von sechs Monaten nachgewiesen werden muß. Melden Sie sich, gerne schildere ich Ihnen ein paar Aspekte der täglichen Arbeit.
    Mit freundlichem Gruß
    J.P. Gampp

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