Archetypen sterben nicht nur auf dem Theater nie

Markus Bothe inszeniert Konstanzer „Carmen“ als Liebeskatastrophe

Konstanz (wak) Eros und Tod. Überbordende Gefühle, sein Leben im Griff haben und Kontrollverlust. Das sind die großen menschlichen Themen, denen sich Markus Bothe nähert, wenn er in diesem Frühsommer „Carmen“ fürs Konstanzer Stadttheater inszeniert. Wer „Carmen“ auf der Bühne des Konstanzer Theaters erleben will, muss sich nur noch wenige Stunden gedulden. Premiere des Stückes, das sich mehr an der 1845 erschienenen Novelle von Prosper Mérimée als an der 30 Jahre später entstandenen Oper von Georges Bizet orientiert, ist am Freitag, 4. Juni, um 20 Uhr.

Männliche Hauptfigur im Mittelpunkt

Der in Basel lebende Regisseur Bothe ist ein Wanderer zwischen Schauspiel und Musiktheater. In seiner Inszenierung rückt die männliche Hauptfigur Don José stärker in den Mittelpunkt. Die Bühne ist ein Schlachtfeld. Zu Beginn des Stückes sitzt Don José bereits in der Todeszelle und erzählt, weshalb er die Frau töten musste…. So erzählt es Dramaturgin Sophia Lungwitz.

Der Stoff aus dem „Carmen“ ist

Der Stoff der „Carmen“ ist zeitlos und wohl an fast jeden Ort der Welt übertragbar. Der baskische Soldat Don José steht Wache vor der Tabakfabrik in Sevilla, als ihm die Zigeunerin Carmen begegnet. Er ist von ihrem Selbstbewusstsein und Eros überwältigt. Nach einer Messerstecherei soll er Carmen ins Gefängnis bringen, doch er lässt sie entkommen. José endet selbst im Gefängnis und erlebt nach seiner Entlassung, wie Carmen mit einem Offizier flirtet. José ersticht den Rivalen und beginnt mit Carmen ein neues Leben als Schmuggler. Später tötet er auch ihren Ehemann. Als sich Carmen dem Stierkämpfer Escamillo zuwendet, sieht José endgültig rot.

„Carmen“ goes Balkan

Alexander Suckel arrangiert für Bothes Inszenierung Georges Bizets Musik neu. Statt klassische Opernarien darf sich das Publikum auf Balkanklänge und verjazzte Stücke einstellen. Fünf sehr bekannte Musiker sind mit dabei. Die Gassenhauer, sagt Suckel seien unverkennbar. „Sehr bekannte Arien tauchen auf, klingen aber anders“, so Suckel. Die Konstanzer „Carmen“ ist der Versuch einer Adaption der „Carmen“ fürs Schauspiel, so Bothe. Statt dreieinhalb Stunden dauert die Aufführung auch nur 90 Minuten.

Sein Leben nicht mehr im Griff haben

Für Markus Bothe steht nicht so sehr der wie in Carlos Sauras Verfilmung des Stoffes der Eros im Mittelpunkt. Der Regisseur beschäftigt sich mit Grundproblemen der Menschen. Er fragt nach der Zerbrechlichkeit der Figuren. Er spricht davon wie es ist, sein Leben nicht mehr im Griff zu haben und redet von extremen Situationen. Er fragt: „Wie gehen Menschen miteinander um?“ Bothe redet davon, dass „Sicherungen durchbrennen“ und dass alle „kleine Josés und Carmens“ sind. Das alles klingt sehr modern. Eros und Tod. Der Begriff „Amok“ steht im Raum. Es geht um Archetypisches. Deswegen sei die Oper ein so großer Erfolg.

Kontrollverlust

In Lörrach hat ein 45-jähriger Mann in der Nacht zu Dienstag dieser Woche seine 33-jährige Lebensgefährtin und dann sich selbst getötet. Schüsse trafen auch die 13 Jahre alte Tochter der Frau. Am Tag nach der Pressekonferenz, am Mittwoch dieser Woche, hat ein Taxifahrer in der Grafschaft Cumbria im Nordwesten Englands zwölf Menschen und sich selbst erschossen.

Hier geht’s zu einem Ausschnitt aus Carlos Sauras „Carmen“


„Carmen – Eine Liebeskatastrophe“ nach der Novelle von Prosper Mérimée und der Oper von Georges Bizet,Fassung und Übersetzung: Markus Bothe, Musikalische Arrangements: Alexander Suckel, Inszenierung Markus Bothe | Musikalische Leitung Alexander Suckel, Ausstattung Ricarda Beilharz | Einstudierung Kinderchor Barbara Dörsam, Dramaturgie Sophia Lungwitz, Mit Sabrina Strehl, Monika Vivell, Thomas Ecke, Michael J. Müller, Frank Lettenewitsch, Alexander Peutz, Musiker: Alexander Suckel, Gurgen Kakoyan, Michael Maisch, Patrick Manecchi, Knalle Wall

Premiere Freitag, 4. Juni, 20 Uhr Stadttheater Konstanz

Noch einmal Carlos Saura:


Fotos: Stadttheater Konstanz

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