Asbestverseuchung der Konstanzer Uni-Bibliothek erschwert Studieren auf Jahre

Gutachten zur Bibliothekssanierung wird für den Juni erwartet – Großes Umräumen an Campus-Uni beginnt

Konstanz. Noch immer leiden Studierende und Wissenschaftler an der Konstanzer Uni unter der Asbestverseuchung der Bibliothek. Bibliotheksbesucher, die Literatur ausleihen oder in der Bibliothek arbeiten möchten, können die Freihandbibliothek weiterhin nur eingeschränkt nutzen. Am 5. November 2010 waren wegen Asbestfunden große Teile der Bibliothek geschlossen worden. Ab Mai soll der Buchbestand jetzt teilweise in einer angemieteten Halle außerhalb des Campus gelagert werden. Eine Spezialfirma reinigt täglich 1000 verseuchte Bände. Das Wissenschafts- und Finanzministerium in Stuttgart hatte offenbar volle Kostenübernahme zugesichert. Nach dem Regierungswechsel wartet die Uni Konstanz noch auf die endgültige Zusage.

Uni ermittelt Sanierungsbedarf

Die Universität Konstanz bereitet sich auf die Asbestsanierung der Bibliothek vor. Die Anmietung einer Halle, in die ein Großteil des Buchbestandes ausgelagert werden soll, sei für Mai geplant. Außerdem ist ein Planungsbüro beauftragt, den Sanierungsbedarf in der Bibliothek zu begutachten und einen Kostenplan zu erstellen. Auf Basis dieses Gutachtens sollen die Sanierungsarbeiten stattfinden. Sobald grünes Licht für die Übernahme aller derzeit anfallenden Kosten aus dem baden-württembergischen Wissenschaftsministerium und Finanzministerium komme, könnten konkrete Schritte realisiert werden. Das teilte die Uni Konstanz mit.

Lesesäle mit Nachschlagewerken entstehen

Derzeit werden pro Tag 1.000 Bände gereinigt. Dabei handelt es sich um Bücher, die zur Ausleihe bestellt werden, aber auch um Standard- bzw. Nachschlagewerke, die in eigens eingerichteten Lesesälen untergebracht würden. Solche gesonderten Lesesäle waren bislang an der Konstanzer Uni nicht nötig, da die Freihandbibliothek der Universität für die Nutzerinnen und Nutzer normalerweise fast vollständig zugänglich ist und zahlreiche Arbeitsplätze bietet. Seit die Buchbereiche G und S wegen Asbestfunden geschlossen sind, sind sie fast über Nacht weggefallen. 400 bis 500 Arbeitsplätze fehlen deshalb. Jedes einzelne Buch aus den mit Asbest verseuchten Bereichen wird von einer Spezialfirma gereinigt, bevor es ausgeliehen bzw. umgelagert wird.

Kostenübernahme für Halle durch Land

Die Universität Konstanz wartet derzeit noch auf die bei einem Ministerbesuch im März zugesagte „definitive Kostenübernahme“ durch Stuttgart, um eine Halle zur Auslagerung der gereinigten Bücher anmieten zu können. Sobald diese Entscheidung gefallen sei, soll sollen Bücher umgelagert werden. Dadurch schafft die Uni auch wieder Räume für Arbeitsplätze. Oliver Kohl-Frey, der Stellvertretende Direktor der Bibliothek der Universität Konstanz, geht von ungefähr 200 zusätzlichen Plätzen aus. Außerdem solle eine „bedarfsgerechte Lösung“, so Kohl-Frey, bewirken, dass auch die derzeit hauptsächlich betroffenen Nutzerinnen und Nutzer der geistes- und sozialwissenschaftlichen Buchbereiche angemessene Arbeitsbedingungen vorfinden.

Großes Umräumen innerhalb der Bibliothek

Nicht alle Bände aus den asbestbelasteten Bereichen sollen in die dann gemietete Halle ausgelagert werden. Oft genutzte Literatur aus den mit Asbest belasteten Buchbereichen G und S werde in den offenen Buchbereichen N und J untergebracht, wohingegen auch weniger ausgeliehene naturwissenschaftliche oder juristische Bände magaziniert würden.

70.000 Bände sind wieder sauber

Bislang sind von einem auf Schadstoffsanierung spezialisierten Unternehmen rund 70.000 Bände gereinigt worden. Nach der Anmietung der Halle soll die Tagesquote von 1000 auf geplante 10.000 Bücher erhöht werden, heißt es in einer Mitteilung der Universität.

Sanierung soll bis 2015 dauern

Die Planungsgesellschaft, die aktuell dabei ist, den Zeitplan für die Sanierung der Bibliothek zu erstellen und die Kostenschätzung vorzunehmen, werde im Mai die ersten Zwischenergebnisse und Ende Juni die endgültigen Ergebnisse liefern. „Wir gehen davon aus, dass die Sanierungsarbeiten im Sommer 2012 starten“, stellt Thomas Steier, Leiter von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Konstanz, fest. Begonnen werden soll mit dem Buchbereich S einschließlich dem dort befindlichen Informationszentrum. Im Sommer 2013 sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Für die Jahre 2014 und 2015 sei die Sanierung des Bereichs G vorgesehen. Insgesamt handelt es sich um eine Fläche von 18.500 Quadratmetern. Asbestsanierungen gelten als extrem aufwändig.

Noch mehr Asbestfunde nicht ausgeschlossen

Ein zweites Gutachterbüro werde in Kürze beauftragt, auch die Bereiche A bis H sowie V und X der Universität auf Asbestbelastung hin zu beurteilen. Hier gehe es um eine Nutzfläche von rund 90.000 Quadratmetern. Der bereits vorhandene so genannte Asbestatlas, in dem das in der Universität verbaute, gesicherte Asbest verzeichnet ist, solle überprüft und so eine Neubewertung der Asbestsituation vorgenommen werden. Diese Arbeiten starten im Mai 2011. Im Schnitt benötigen die Gutachter vier Wochen pro Gebäude, so dass die Neubewertung laut Universität für alle Gebäude im März 2012 vorliegen solle.

Foto: Ralf Metzger Uni Konstanz

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