Ätzende Satire auf Nazi-Schergen und überdrehte Schauspieltruppe

„Noch ist Polen nicht verloren“ startet am Freitag am Konstanzer Stadttheater

Konstanz (wak) Wer am Freitagabend spontan noch Lust auf die Premiere einer braunen Komödie am Konstanz Stadttheater hat, braucht viel Glück, um vielleicht noch eine Karte zu ergattern. Schon am Mittwoch war der Theaterabend so gut wie ausverkauft. Zu sehen gibt es auf der Bühne eine Satire auf die Nazis, die gleichzeitig auch eine auf die Theaterhelden selbst ist. Regisseur Marc Lunghuß bringt das Stück „Noch ist Polen nicht verloren“, basierend auf ein Filmscript des Filmklassikers von Ernst Lubitsch „Sein oder Nichtsein“ auf die Bühne. Das Stück ist eine ätzende Bloßstellung der Nazi-Schergen und gleichzeitig auch eine Reflexion über das Theater und die Rolle der Schauspieler.

Filmkomödien über Faschismus haben Vorbilder

Filme wie „Das Leben ist schön“ (1997) von Roberto Benigni oder Tarantinos „Inglorious Bastards“ haben Vorbilder. Neben Chaplins „Der große Diktator“ (1940) ist dies sicherlich auch der Filmklassiker „Sein oder Nichtsein“ von Ernst Lubitsch (1942), in dem sich der aus Deutschland stammende Regisseur, als in Europa längst Krieg war, komödiantisch, aber trotzdem kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzte. Während eine Komödie über den Faschismus heute und fast 70 Jahre nach Lubitsch kein Tabu mehr ist, fiel Lubitschs Film nach dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 beim amerikanischen Publikum durch. „Er wurde zum Flop an der Kinokasse“, so Dramaturgin Cornelia Steinwachs.

Vorgeführt werden die Theaterhelden

Regisseur Marc Lunghuß, der sich mit Cornelia Steinwachs („diese Fassung oder keine Fassung“) für Jürgen Hofmanns für die Bühne umgearbeitete Fassung von „Noch ist Polen nicht verloren“ entschieden hat, zeigt auf der Bühne des Stadttheaters wie eine Theatertruppe um die Stars Maria (Monika Vivell) und Josef Tura (Ingo Biermann) 1939 in Polen eine Komödie auf die Bühne bringt. Lächerlich gemacht werden sollen in der Komödie des polnischen Trupps eigentlich die Nazis. Es geht aber nicht nur um die kritische Haltung gegenüber den Hakenkreuzträgern. Vorgeführt wird auch die Eitelkeit der dilettantisch agierenden Schauspieler. Lunghuß zeigt in seiner Inszenierung genau diesen Dilettantismus und die Überdrehtheit auf dem Theater. Und er zeigt Mitläufer, die viele Schauspieler in der Nazi-Zeit auch waren.

Nicht durch durchchoreografiert

Der Regisseur will witzig sein. Er hat sich für eine Sprechweise entschieden, die offen ist und Mut von den Akteuren erfordere, was aber nicht bedeute, dass die Theaterschauspieler improvisieren. Das Publikum darf auf dem Konstanzer Stadttheater einen „Schuss Anarchie“ erwarten. Ihren Auftritt haben auch aus München „eingeflogene“ SS-Uniformen und Hakenkreuzsymbole. Es wird an den Theaterabenden wohl turbulent zu gehen. „Die Leute wollen etwas erleben“, wirbt der Regisseur für sein Stück.

Juristisch nicht unproblematisch

Jürgen Hofmanns für die Bühne adaptierte Fassung mit dem Titel „Noch ist Polen nicht verloren“ dürfen die Konstanzer allerdings nicht ohne weiteres aufführen. Die Filmgesellschaft Twentieth Century Fox hat mittlerweile die alleinigen Aufführungsrechte einem Verlag übertragen. Der könnte mit einer einstweiligen Verfügung das Stück stoppen. Das Stadttheater hat allerdings eine Schutzschrift hinterlegt. Und eigentlich hätten sich die Konstanzer schon vor dem Stichtag für die Fassung entschieden, sagt die Dramaturgin. Theater wie das Deutsche Theater in Berlin, das Staatsschauspiel Dresden oder auch das Ulmer Theater hätten dem Verbot, die Fassung nicht aufzuführen, Folge geleistet. Damit sei das Theater Konstanz in dieser Spielzeit das einzige, das die Fassung von Jürgen Hofmann noch zur Aufführung bringe. Entscheidend für die Wahl der Fassung Jürgen Hofmanns aus dem Jahr 1984 waren ausschließlich künstlerische Argumente, sagten Marc Lunghuß und Cornelia Steinwachs.

Weitere Termine sind am 10., 17., 21., 22. und 24. April jeweils um 20 Uhr und am 16. April um 19.30 Uhr. Information und Reservierung unter theaterkasse@stadt.konstanz.de.

Fotos: T. Schunck Stadttheater Konstanz

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