Auf der Reichenau eine viertel Million Euro Schaden wegen Ehec

Gemüseinsel im Bodensee zweitgrößter Gurkenproduzent Deutschlands – Grüner Landtagsabgeordnete und Biobauer Martin Hahn sieht Warnungen kritisch

Kreis Konstanz. Als am vergangenen Wochenende Minister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Alexander Bonde die Insel Reichenau besuchte, konnte auch er den Gemüsebauern nicht helfen. Auf der Reichenau werden weiterhin 50.000 Gurken täglich vernichtet, weil die Verbraucher auf Gurken verzichten.

Markt für Gurken zusammengebrochen

Die Absatzrückgänge liegen bei 80 Prozent. Der Markt ist zusammengebrochen. Täglich werden 50.000 Gurken auf der Reichenau vernichtet – obwohl in Baden-Württemberg bei Kontrollen durch das Land und die Erzeuger keine EHEC-Erreger entdeckt worden sind. Der Schaden beläuft sich aktuell auf etwa 250.000 Euro.

Rund 100 Erzeuger auf der Reichenau betroffen

Auf der Insel Reichenau werden auf 40 Hektar Unterglas und auf 100 Hektar Freiland vonrund 100 Familienbetrieben jährlich etwa 12 Millionen Gurken produziert. Das sind 30 Prozent der Gesamtproduktion der Reichenau Gemüse eG. Die Insel Reichenau ist der zweitgrößte Produzent von Gurken in Deutschland. Hinzu kommen Tomaten, Salate und Feldsalat.

Bliestle: Warnungen wieder zurücknehmen

Der Geschäftsführer der Reichenau Gemüse eG Johannes Bliestle hatte mehrere zentrale Forderungen an die Politik. Er sieht, weil die Quelle des EHEC-Erregers noch nicht gefunden worden ist, keine Notwendigkeit, die Warnung vor Gurken, Tomaten und Salate aufrechtzuerhalten. „Sowohl die Erzeuger als auch die Vermarkter haben nichts falsch gemacht, das bestätigen die mehr als 100 Kontrollen, sagte Bliestle. Er fordert von den Behörden differenziertere Warnmeldungen, die auch schnell wieder zurückgenommen werden, wenn sich ein Verdacht nicht erhärte.

Familienbetriebe fordern Entschädigungen

Die Reichenauer Familienbetriebe fordern jetzt auch eine schnelle und unbürokratische Entschädigung. Alle Gemüsebaubetriebe sind nach QS und QS/GAP, die Reichenau-Gemüse-Vertriebs eG nach IFS einschließlich eines Hygienekonzepts zertifiziert. „Wir produzieren Lebensmittel auf höchstem Standard. Für den Zusammenbruch des Absatzes können wir nichts“, heißt es.

Laborbericht für den Minister

Das Land müsse die Erzeuger nicht nur entschädigen, sondern auch nach dem Ende der Krise aktiv darin unterstützen, das Vertrauen beim Verbraucher wieder zurückzugewinnen. Minister Bonde sprach von einer „schwierige Situation für die Erzeuger, aber auch für die Politik“. „Bis jetzt konnten wir bei Gemüse aus Baden-Württemberg keine Erreger feststellen“, so Bonde. Symbolisch überreichte Johannes Bliestle an Minister Bonde am Samstag eine Kopie des letzten Prüfberichtes über die Ehec-Freiheit der Gurken. Nur die Verbraucher hören die Signale offenbar nicht.

Martin Hahn kritisiert und beißt kräftig zu

Der Landtagsabgeordnete Martin Hahn aus dem Bodenseekreis, der selbst einen Biobauernhof in Bonndorf bei Überlingen betreibt, richtete klare Worte an die Presse und die Verbraucher. Fest stehe in Baden-Württemberg, dass intensiv kontrolliert werde und dass nicht ein einziges Lebensmittel aus dem Land Ehec-Erreger aufweise. „Wir finden hier nichts“, so Hahn. Die Reichenau Gemüse eG hat Hahn so verstanden, dass dieser der Meinung sei, dass das Robert-Koch-Institut den Verzehr von Produkten aus Baden-Württemberg für unbedenklich erklären sollte. Auf der Reichenau hat Hahn dann auch selbst in eine frische und knackige Reichenauer Gurke gebissen.

Hier geht es zu Grafiken aus einem Vortrag zum Thema  „Multiresistente Keime“, zu dem die Piratenpartei Kreisverband Konstanz in der vergangenen Woche eingeladen hatte.  http://wiki.piratenpartei.de/wiki/images/c/c9/Multiresistente_keime.pdf

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