Aufreger wegen Verbreiterung des Litscherwegs in Überlingen

Verbreiterung hat nichts mit neuer Verkehrsführung zu tun – Anwohner misstrauisch

Überlingen. Der Graben zwischen Stadtverwaltung und jenen, die unter dem Verkehr in Überlingen leiden, ist tief. Wie tief zeigte sich in dieser Woche in Reaktionen von Anwohnern auf eine Verbreiterung des Litscherwegs auf 5,50 Meter. Der „grün-idyllische Litscherweg West“ sei „überfallartig“ verbreitert worden, heiß es. Helmut Köberlein, Leiter der städtischen Abteilung für Hoch- und Tiefbau, stellte klar. An den Gerüchten ist nichts dran.

Befürchtungen von Anwohnern

Anwohner fürchteten, dass die Stadt eine neue Schneise für den innerstädtischen Verkehr geschlagen haben könnte, der sich nur ungern durch Einbahnstraße lenken lässt und keine Umwege in Kauf nehmen möchte. Dieser Verkehr, so mutmaßten Anwohner, könnte sich nun vermehrt seinen Weg durch das Wohnquartier suchen. Der „Schleichverkehr“ von der Aufkircher Straße, in Folge des Abbiegeverbots am Hänselebrunnen, führe jetzt ungebremst in ein sich dahinter wieder verengendes Wohngebiet, kritisierten Anwohner. „Wilde“ Parker würden den neuen Freiraum nutzen. „Die unterlassene Vorinformation ist ein Rückfall in die unselige Hauruck-Verkehrsplanung“, so eine Anwohner gegenüber see-online. Er sprach von „chaotischem Vorgehen“.

Vorwurf: Anwohner nicht informiert

„Große Worte – leere Worte!“, schrieb er an eine Mail an die Redaktion. Mitte September rückten Bagger an und hätten die Straße von 2,50 Meter auf 6,20 Meter verbreitert. „Anhand der beigefügten Photos (vorher/nachher) können Sie sich ein erstes Bild von dieser öffentlichen ad-hoc-Baumaßnahme machen. Die direkten Anlieger wissen trotz mehrfacher Rückfrage bei der Verwaltung bis heute nicht, welche Maße die endgültige Straßenerweiterung haben soll, welcher Plan zugrunde liegt, ob eine neue Teerung erfolgt, ob ein Gehweg vorgesehen ist und ob die Straße trotz der neuen Dimension weiterhin Sperrstraße bleibt.“ Das lasse große Befürchtungen aufkommen, dass hier klammheimlich eine neue Verkehrsführung durch uraltes reines Wohngebiet etabliert werden solle. Ein Brief an Bürgermeister Ralf Brettin sei unbeantwortet geblieben.

Verwaltung klärt auf

Auf Nachfrage von see-online im Büro des Bürgermeisters stellte Helmut Köberlein im Namen der Stadtverwaltung jetzt klar. Eine Verbreiterung es Weges hat es bisher nur vor einem Grundstück gegeben. „Das Grundstück mit Haus wurde verkauft“, so Köberlein. Grundlage für die Verbreiterung der Straße sei der Bebauungsplan Friedhof-/Zahnstraße aus dem Jahr 1988, der für den Litscherweg gilt. Der Plan sieht vor, dass der Litscherweg auf 5,50 Meter Breite, inklusive Straßenrand, oder fünf Meter Fahrbahnbreite verbreitert werden soll.

Litscherweg in gesamter Länge zu schmal

Beim Verkauf von Grundstücken habe die Stadt ein Vorverkaufsrecht, von dem habe sie jetzt Gebrauch gemacht, um einen Streifen am Litscherweg zu erwerben, so dass die Straße eines Tages verbreitert werden könne. Der neue Grundstücksbesitzer wollte die Außenanlagen gestalten und sei deswegen auf die Stadt zugekommen. Die Stadt habe den neuerworbenen Streifen vor dem Grundstück, der sonst eine Art Niemandsland gewesen wäre, nun asphaltiert. „Es ist kein Vorgriff auf Verkehrsdebatten“, sagte Köberlein. Die Verbreiterung entspreche Richtlinien, die vorgeben, dass sich ein Personenauto und ein Lastwagen in einer Straße begegnen können. Das ist im alten Litscherweg bisher nicht möglich. Wann die Stadt auch Streifen anderer Grundstücke erwerben kann, um die Straße durchgehend zu verbreitern, sei nicht abzusehen.

So erlebten Anwohner die Veränderung des Litscherwegs.

3 Kommentare to “Aufreger wegen Verbreiterung des Litscherwegs in Überlingen”

  1. Rüdiger v.der Linde
    1. Oktober 2010 at 16:07 #

    Teilverbreiterung Litscherweg

    Die Darstellung des Abteilungsleiters Tiefbau weist einige unrichtige Angaben auf. Richtig sind folgende Fakten :

    1. Vorher, bis zum 12.September : Das jetzt großflächig erweiterte Stück Litscherweg wurde – im alten Zustand – erst vor 6 Wochen am 29.Juli 2010 neu ausgeschildert und für die Durchfahrt gesperrt – Anlieger frei ! (nach Mehrheitsentscheid von Verkehrsausschuß und Gemeinderat). Dafür gab es viel Anerkennung.

    2. Am 13.September kamen dann überfallartig die Werkhof-Bagger und veränderten das Quartier. Kein direkt betroffener Anlieger wurde vorinformiert, nicht einmal der Verkehrsaus-schuß (Info erst acht Tage nach abgeschlossenem Umbau). Die Erweiterung erfolgte von 2,50 m auf bis zu 6,20 m Breite (Einmündung sogar über 14 m !).
    3. Herr Köberlein sagte vor dem Verkehrsausschuß, die Anlie-ger seien persönlich vorinformiert worden und zufrieden gewesen. Beides entspricht nicht der Wahrheit !
    Herr Köberlein spricht von „Gerüchten“ über die „Hauruck“-Aktion. Ist etwa der unangekündigte Auftritt der Bagger-Brigade und der vollasphaltierte Ausbau auf neue 6 m Breite
    x 55 m Umbaulänge (+14 m Einmündung) kein Straßenbau, sondern Gerücht ? Diese Darstellung von Herrn K. ist irre-führend, – sie klingt nach purem Zynismus !
    Herr Köberlein sagt, die Stadt habe nur ein Vorkaufsrecht
    ausgeübt. Immerhin wurde das betr.Grundstück bereits vor über 15 Monaten verkauft, erst Ende Juli wurde der Litscher-weg verkehrsberuhigend neu beschildert, und Mitte Septem-ber mußten im Handstreich die Bagger anrücken, um neue Richtlinien durchzusetzen (die anscheinend nicht einmal dem Gemeinderat vorher bekannt waren).

    5. Der von Herrn K. angesprochene Bebauungsplan‘88 ist 22 Jahre betagt und sehr revisionsbedürftig. Schon in 2008/09 erfuhr das nahe Wohn-Umfeld gravierende und sehr umstrit-tene Änderungen der Verkehrsführung. Genau diese Tatsache veranlaßte die neue Rathaus-Spitze, sich für „mehr Bürger-nähe“ zu engagieren und die Bürger in einen lfd. Verkehrs-dialog einzubinden. Bis Ende 2010 wurde daher ein Stillhalte-
    abkommen für alle Änderungen der Verkehrsführung verein-bart. Das scheint nicht bis zur 3.Führungsebene durchgedrun-gen zu sein

    6. Fakt ist, daß wieder einmal eine reizvolle alte Wohnland-schaft vom Schreibtisch aus teilweise zerstört wurde (Hecken, Bäume, alles platt, – aber Schreibtischtäter können so etwas nach vollendeten Tatsachen meistens gut begründen). Pardon — das riecht nach Methode !

    Rüdiger v.der Linde, Ü B Litscherweg 4

  2. loewe
    1. Oktober 2010 at 16:52 #

    Das Gebaren der Überlinger Stadtverwaltung erinnert sehr stark an den Kalten Krieg, nur dass hier Bagger aufgefahren wurden. Provozierender können angebliche „Gerüchte“ nicht mehr sein. Von vertrauensbildenden Maßnahmen ist in Überlingen nach wie vor keine Spur erkennbar.
    Man kann nur hoffen, dass die Bürger (wie bei Stuttgart 21) endlich auf die Straße gehen!

  3. sparring
    2. Oktober 2010 at 13:13 #

    zu „loewe“

    Stimmt, früher sind erst die Panzer aufgefahren, dann
    wurde dem Schwächeren ein Waffenstillstand aufgedrückt.
    Heute sind es die Bagger, gefolgt von Beschwichtigungen.
    Bert Brecht hatte es mal so formuliert : „Erst kommt das
    Fressen und dann die Moral !“ Armes Überlingen.

    Das Bild zeigt, daß die Beschwichtigung der Stadt, der Litscher-
    weg sei nicht verbreitert worden, schlicht und einfach nicht
    glaubwürdig ist. Pure Volksverdummung !

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