Aus die Maus: Mitarbeiter kaufen den Konstanzer Südkurier doch nicht

Geplante Übernahme der in Konstanz erscheinenden Tageszeitung Thema im „Journalist“

Konstanz. In seiner April-Ausgabe berichtet nun auch das vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) herausgegebene Medienmagazin „Journalist“ über den geplanten, mittlerweile aber wohl eher geplatzten Kauf der Südkurier durch seine eigenen Mitarbeiter. Die Botschaft, die der „Journalist“ verbreitet, ist ernüchternd: Aus die Maus. Die Belegschaft hat jetzt einen Maulkorb und die Holtzbrincks wollen den Südkurier nun angeblich doch behalten. So schreibt es Olaf Sundermeyer in der April-Ausgabe des „Journalist“.

Das Medien-Wunder vom Bodensee

Auch die wunderbare Geschichte von der geplanten Übernahme des Südkurier durch seine Mitarbeiter war wie viele neue, überraschende, unerwartete Nachrichten zuerst auf einem Blog zu lesen. Der frühere Südkurier-Lokalredakteur Erich Gropper veröffentlichte einen Beitrag auf dem Konstanzer Blog dornroeschen. Was klang wie ein verfrühter Aprilscherz, war durchaus ernst gemeint.

Verkaufsgerüchte kursierten

Im Dezember vergangenen Jahres hatten die Holtzbrincks die Mainpost an die Augsburger Allgemeine verkauft. Der Stuttgarter Konzern hatte angekündigt, sich mehr auf Geschäft im Web konzentrieren zu wollen. Über einen geplanten Verkauf des Südkurier wurde viel gemunkelt. Verordnete Einsparungen – zum Beispiel in der Redaktion – wurden als Verkaufsvorbereitungen gesehen. Wer sein gebrauchtes Auto verkaufen will, poliert es vorher noch ein bisschen auf.

Getrieben von der Angst

Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss im Medienhaus in der Max-Stromeyer-Straße die Angst umgegangen sein. Die Belegschaft musste damit rechnen, dass nach einem Deal zum Beispiel die Mantelredaktion überflüssig werden könnte und in Konstanz in Zukunft niemand mehr Politik-, Wirtschafts-, Kultur- oder Sportseiten produzieren müsste. Die Mitarbeiter beschlossen wohl auch deshalb, ihre eigene Zeitung zu kaufen. Der Vorsitzende des DJV in Baden-Württemberg, Thomas Godawa, schätzt den Wert des Südkurier, wie der „Journalist“ berichtet, auf 200 Millionen Euro.

Verkaufsagent Peter Ludäscher

Als sich Peter Ludäscher, Chef des Wirtschaftsressorts, nicht mehr damit zufrieden gab, über Wirtschaftsnachrichten zu berichten, sondern selbst Wirtschaftsnachrichten produzierte, blickten plötzlich wichtige Mediendienste und Zeitungen nach Konstanz. Die Übernahme hätte, wie viele meinten, Charme gehabt. Während sich in anderen Redaktionen Arbeitsplätze in Luft auflösen, wollten sich die Konstanzer selbst helfen. Diese Option scheint Redakteure landauf und landab begeistert zu haben. Eine neue taz sollte der Konstanzer Südkurier werden – zu lesen war das so in den Hauptstadtblättern, obwohl der Bodensee doch noch immer ein ganzes Stück weit weg ist von Berlin.

Wiesner erteilt Sprechverbot

Vor wenigen Wochen berichteten die Medien also noch über das Wunder vom Bodensee. Doch Wunder sind selten. Nun sieht so aus, als ob die Belegschaft des Medienhauses ihr eigenes Blatt doch nicht kauft – ja nicht einmal mehr darüber sprechen darf, dass sie den Südkurier kaufen wollte oder vielleicht sogar noch immer kaufen will. Wer weiß das schon so ganz genau. Der „Journalist“ berichtet, Südkurier-Geschäftsführer Rainer Wiesner habe es der Belegschaft verboten, sich noch einmal über die Zukunft der Regionalzeitung, die am Bodensee, Hochrhein, auf der Bar und am Rande des Schwarzwald erscheint, öffentlich zu äußern. Aus die Maus eben. Anfangs hatte es – und das nur eine Randbemerkung – noch geheißen, Wiesner selbst stünde zusammen mit den Mitarbeitern hinter den Plänen. Sicher ist – das ist wenigstens jetzt nicht mehr so.

Von überm See grüßt die „Schwäbische“

Angeblich möchte Stefan von Holtzbrinck den Südkurier nun gar nicht mehr verkaufen. Als mögliche Käuferin galt die „Schwäbische Zeitung“. So berichtet es der „Journalist“ und so verbreiten es Buschtrommeln. Die „Schwäbische“ sitzt bisher sozusagen in Schlagweite noch brav auf der anderen Seite des Sees. In Friedrichshafen und Markdorf haben Südkurier und Schwäbische je eine Redaktion. In Konstanz steht der Schwäbische Verlag zum Beispiel hinter dem Kostenlosmagazin „Akzent“ und hinter dem Anzeigenblatt „Eins“. Die Redaktionen residieren im Medienhaus Telekom-Tower. Der Südkurier leistet sich wiederum ein Anzeigenblatt in Ravensburg. Überschneidungen gibt es ansonsten kaum. Die Lokalredaktionen könnten bei einer Übernahme wohl erst einmal aufatmen. Arbeitsplätze im Lokalen wären eher nicht bedroht.

Foto: wak

 

 

 

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.