Bald gibt’s Flaschenverbot am Konstanzer Seerhein

Konstanzer Oberbürgermeister für Glas- und Alkoholverbot wegen der Scherben

Konstanz. 191 Anwohner des Heroséparks und Parknutzer haben auf Unterschriftenlisten für ein Glasverbot unterschrieben. 109 Unterzeichner (57 Prozent) waren sogar für ein Alkoholverbot. Am Dienstagnachmittag haben Verwaltungsbeiräte aus der Stadt am Seerhein die Unterschriftenlisten Oberbürgermeister Horst Frank übergeben. Auch der OB könnte sich ein temporäres Glas- und Alkoholverbot im Herosépark vorstellen. Von den Scherben gehe eine zu große Gefahr aus.

Anwohner schilderten Situation

Eine dreiviertel Stunde Zeit hat sich Horst Frank am späten Nachmittag für Christian Millauer, Günther Lange und Inge Bey aus der Stadt am Seerhein genommen. Die Anwohner des Heroséparks hatten ein großes Anliegen: Sie möchten ein Glasverbot. Scherben gefährden Badegäste, sagen sie. Im Frühjahr hatten sie bei einer pivaten Seeputzete bei Niedrigwasser zwischen Fahrradbrücke und Bischofsvilla so viele Scherben am Ufer zusammengelesen, dass sie einen 150 Liter Eimer mit dem Glas füllen konnten. In diesem Sommer ist, was die Scherben angeht, nichts besser. Fotos vom vergangenen Wochenende zeigen wieder zerschlagene Bier-, Wodka- und Weinflaschen am Ufer. Immer wieder treten Badegäste aus Versehen in Scherben. In einigen Fällen bluteten die Schnittverletzungen so stark, dass geschockte Ersthelfer Rettungswagen gerufen haben.

OB sieht konkrete Gefahr durch Scherben

Oberbürgermeister Horst Frank sagte, der Seerhein sei kein offizielles Badegewässer. Dass sich Menschen dort verletzten, sei aber nicht hinnehmbar. Für den OB steht außer Frage: „Von den Scherben geht eine konkrete Gefahr aus.“ Deswegen sei die Stadt dabei, ein temporäres, vierwöchiges Glas- und Alkoholverbot vorzubereiten. Es könnte schon in wenigen Tagen oder spätestens in den kommenden Wochen in Kraft treten. Um ein längerfristiges Alkoholverbot – zum Beispiel für einen Sommer – zu erlassen, müsste erst einmal das Polizeigesetz geändert werden. Zusammen mit dem Tübinger OB Boris Palmer plane er einen Vorstoß bei der grün-roten Landesregierung, so der grüne Konstanzer OB.

Runder Tisch am 6. Juni

Am 6. Juni ist in Konstanz außerdem ein runder Tisch geplant, an dem neben Anwohnern auch die Polizei sowie Vertreter des Konstanzer Schülerparlaments und der Schulen teilnehmen sollen. Gemeinsam wollen die Beteiligten nach einer dauerhaften Lösung des Problems suchen. Zwar dürften die Störer und jene, die am Ufer Flaschen zerschmettern und dadurch andere gefährden,  in der Minderheit sein. Das Problem: Die soziale Kontrolle funktioniert nicht. Auch Anwohner schafften es nicht, an der Situation etwas zu verändern. „Wir haben schon viele Sozialarbeiterstunden geleistet“, sagte Anwohner Günther Lange. In Gruppen von vier Personen seien sie schon öfter nachts zu den Feiernden ans Ufer gegangen. Einmal wurde Lange angegriffen. Der Täter konnte ermittelt werden. Er wurde wegen schwerer Körperverletzung verurteilt.

Alkoholkonsum unter 16-Jähriger

Der OB machte klar, dass es seine Aufgabe sei, zur Befriedung beizutragen. Über die Seestraße und den Herosépark sagte Frank: „Es ist sind öffentliche Plätze.“ Beunruhigt zeigte sich der OB vor allem angesichts des Alkoholkonsums von unter 16-Jährigen, die teilweise Hochprozentiges konsumieren. Er sagte aber auch, dass er an einem Freitagabend an der Seestraße gute Gespräche mit Jugendlichen geführt habe. Einzelne verhalten sich immer anders als ganze Gruppen. Inge Bey sagte, Erwachsene fühlten sich nachts im Herosépark alleine unter den Jugendlichen nicht wohl. Das Sicherheitsgefühl ist immer subjektiv.

Freiluftpartys in vielen Städten

Ein temporäres Glas- und Alkoholverbot könne die Verwaltung ohne Zustimmung des Gemeinderats erlassen, so der OB. Sollte sich die Lage nicht dauerhaft beruhigen, könnte nach einem ersten Verbot anschließend erneut ein zeitlich begrenztes Verbot erlassen werden, so der OB. Noch unklar ist, wer gegebenenfalls die Verbote überwachen soll. Polizei und Ortspolizei, die aber nur sehr beschränkte Befugnisse habe, kämen in Frage. Die Polizei hat nur begrenzte Kapazitäten und Beamten müssen immer wieder an Sondereinsätzen wie zum Beispiel auch in Stuttgart teilnehmen. Dass sie noch mehr Überstunden machen können, dürfte unwahrscheinlich sein. Klar machte der OB im Gespräch mit Anwohnern, dass es nicht nur in Konstanz Konflikte zwischen Feiernden und Bewohnern gibt. In vielen europäischen Städten verabreden sich große Gruppen zum Feiern auf öffentlichen Plätzen. In Frankfurt trifft sich die Szene zum Beispiel nach Marktende bis in die Nacht hinein zu freitäglichen Partys auf einem Marktplatz. OB Horst Frank sagte auch, dass es immer Konflikte gegeben habe. In seiner Jugend seien es die Mopedfahrer gewesen, die sich auf dem Döbele getroffen hätten.

Fotos: wak

 

Ein Kommentar to “Bald gibt’s Flaschenverbot am Konstanzer Seerhein”

  1. Papuga
    25. Mai 2011 at 07:16 #

    Dann wollen wir mal sehen, ob es was bringt.

    Die Vergangenheit hat nämlich gezeigt, dass nicht das Verbot zur Beruhigung oder Entspannung geführt hat, sondern die Durchsetzung dieses, bzw. bestehender Gesetze und Verordnungen.
    Denn ein Verbot ohne Sanktionen ist nichts wert.

    Anstatt die Gesetze und Verordnungen anzuwenden, werden Verbote ausgesprochen, die alle treffen. Die gesetzliche Handhabe besteht aber heute schon jemand zur Rechenschaft zu ziehen, wenn dieser eine Flasche mit Absicht zerschlägt.

    Warten wir es ab, wo die Party nun weitergeht. Andere Rheinseite? Schänzle?

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