Bankräuber John Dillinger ein schrecklich altmodischer Täter

Verbrechen in modernen Zeiten: Internetbetrug statt Banküberfälle

Konstanz (wak) Als die Polizeidirektion Konstanz ihren Jahresbericht 2009 vorstellte, hatte sie nur „good news“. Die Straftaten im Kreis Konstanz sind deutlich um 14,3 Prozent zurückgegangen. Insgesamt waren es 2895 Straftaten weniger als noch vor zwei Jahren. Verändert hat sich nicht nur die Zahl der Straftaten, sondern auch die Tatorte haben sich geändert: Banküberfälle und Wohnungseinbrüche kommen offenbar aus der Mode. „Ein intelligenter Täter geht nicht einbrechen“, sagte Uli Schwarz, Leiter der Polizeidirektion Konstanz. Moderne Täter nutzen das Internet. Weniger schlaue versuchten es mit Drogenkriminalität.

Internetzugang statt Strumpfmasken

Panzerknacker, die Münzen, Pretiosen und Bargeld erbeuteten, waren gestern. Banküberfälle gibt es fast nur noch im Film. Johnny Depp, der den legendären US-Bankräuber John Dillinger spielte, wäre im echten Leben ein schrecklich altmodischer Täter. Bonnie und Clyde sind Legende. Verbrecher, die ihr Handwerk verstehen, entdecken Fahnder heute im Internet oder die Kriminellen werden von der Polizei wegen Wirtschaftsverbrechen gesucht. Betrüger versprechen Höchstbeträge bei Kapitalanlagen und bringen Anleger, manchmal auch Helfeshelfer, um ihr Geld. Die Polizei spricht dann von „betrogenen Betrügern“. Strumpfmasken ziehen solche modernen Täter eher nicht mehr über. So wie sich ein Teil des Lebens ins Internet verlagert hat, wo sich die Menschen in sozialen Netzwerken treffen und online einkaufen, passieren auch immer mehr Verbrechen im Netz. Statt um Raub geht es immer öfter um Betrug.

Sicherheitsgefühl leidet bei Wohnungseinbrüchen

Moderne Täter brauchen keine Flinte mehr: Die Kriminellen spähen Kontodaten aus, betrügen beim Onlinebanking oder beim Online-Shopping. Statt auf Bargeld haben es Täter heute auf Kreditkarten und Geheimzahlen abgesehen. Allein der Betrug mit illegal erlangten Daten von EC- oder Kreditkarten hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Die Polizei registrierte in Deutschland knapp über 10 000 Fälle. Der geschätzter Gesamtschaden soll bei 40 Millionen Euro liegen. Obwohl dieser Schaden viel höher ist als der bei einem Wohnungseinbruch, ängstigen diese Verbrechen die Bevölkerung aber viel weniger als Einbrüche in Wohnungen. „Ein Wohnungseinbruch ist schlimmer – die Bedrohungssituation ist eine ganz andere“, sagte Schwarz. Zu holen gebe es in Wohnungen auch immer weniger: Statt Bargeld besäßen die Leute heute eine Kreditkarte. Selbst in Banken liegen keine Geldstapel mehr herum.

Kriminalstatistik mit rundum erfreulichen Zahlen

Rückläufig waren im Kreis Konstanz im vergangenen Jahr Körperverletzungsdelikte, die Diebstahls- und die Straßenkriminalität. Vor allem die Fälle von Diebstählen und Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum gingen zurück. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sei zwar 2009 um 22 auf 138 Fälle gestiegen, dies ist aber im Langzeitvergleich noch immer die drittniedrigste Zahl an Einbrüchen seit 15 Jahren. Im ganzen vergangenen Jahr gab es kreisweit außerdem nur zwei Tötungsdelikte. Beide wurden aufgeklärt. Dass die Zahl der Straftaten um 14, 3 Prozent zurück ging, habe auch damit zu tun, dass es 2009 weniger Verstöße gegen ausländerrechtliche Bestimmungen gab. Nachdem die Schweiz Ende 2008 dem Schengen-Raum beitrat, passieren praktisch keine illegalen Grenzübertritte mehr. Wer sich in der Schweiz aufhält, darf auch nach Deutschland einreisen. Der „echte“ Rückgang der Straftaten – bereinigt um Verstöße gegen ausländerrechtliche Bestimmungen – liege bei 7,4 Prozent. Insgesamt sagte Schwarz zum Rückgang bei den Straftaten im Kreis Konstanz, dass sei „so viel wie noch nie“.

Foto: wak/Uli Schwarz

Ein Kommentar to “Bankräuber John Dillinger ein schrecklich altmodischer Täter”

  1. dk
    9. April 2010 at 13:20 #

    @ Onlinebanking – Software-Betrug

    Es gibt sog. Prepaid-Kreditkarten, die nur auf Guthaben-Basis funktionieren, also auch nicht von einem Betrüger überzogen werden können. Die Jahresgebühr ist allerdings höher, allerdings das Sicherheitsgefühl ebenfalls. Schufa wird nicht geprüft und die Karte wird auch Eltern für ihre Kinder angeboten.

    Bei Bezahldiensten wie PayPal wird die Zahlung über diesen abgewickelt und der Lieferant erhält nur die „anonyme Zahlung“ ohne Bankdaten.

    Bei billigen IT-Tools von Nicht-Konzernen empfiehlt sich die Google-Suche zur Seriösität inkl. Ranking und User-Berichten; üblich ist auch ein Download als zeitliche Trial-Version und man kann seine Preis-Leistungs-Erwartungen absichern.

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