Barcamp Stuttgart perfektes Update nicht nur für Geeks

Mehr als 250 Teilnehmer beim vierten Stuttgart Barcamp #bcs4 – Wissen teilen nicht nur für Techies und Nerds

Stuttgart/Konstanz/Friedrichshafen. Das vierte Stuttgarter Bacamp ist gerade zu Ende gegangen. Am Bodensee ist es dieses Jahr ausgefallen – genauso wie das Blogcamp Switzerland in Zürich. Das nächste Barcamp Bodensee plant Organisator Oliver Gassner für den 9. und 10. Juni 2012 an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Die Messlatte haben Jan Theofel, Organisator des Barcamps Stuttgart, und die mehr als 250 Teilnehmer am ersten Oktoberwochenende hoch gelegt. Zwei Tage lang ging es im Stuttgarter Literaturhaus beim perfekt organisierten Stuttgarter Barcamp im Literaturhaus um Tools und Trends im Web 2.0. In der SEO-Klinik von Torsten Maue gab’s für See-Online Bestnoten.

Idee des Teilens von Wissen

Barcamps gibt es seit 2006 auch in verschiedenen deutschen Städten. Ziel der sogenannten „Unkonferenzen“ ist es, interessierte Teilnehmer aus der Internetbranche ein Wochenende lang zusammenzubringen, um Wissen zu teilen und um Ideen auszutauschen. Bei Barcamps gibt es anders als bei Seminaren keine bezahlten Referenten – die Impulsreferate in den im Idealfall jeweils 45-minütigen Sessions halten die Teilnehmer selbst. Ihre Themen sind Trends und Tools im Internet. Es geht um Projekte, Start Ups und auch um Netzpolitik.

Nicht ohne Sponsoren

Spannend sind Barcamps nicht nur für Techies und Nerds, sondern auch für Medienmenschen, Werbeprofis, Kreative und Leute, die in ihrer Freizeit in Sozialen Netzwerken unterwegs sind. Die Teilnehmer bezahlen nichts – finanziert werden Barcamps von Sponsoren. In Stuttgart waren es Lightwerk, digital media center, Coca Cola  und MFG Innovationsagentur für IT und Medien. Das Catering besorgte Esskultur Stuttgart. Für Bagelhalbmonde und Wraps gab es am Sonntag bei der Abschlusssession mindestens genauso viel Beifall wie für Sessions zu Web-Applikationen oder Ideen zur Netzpolitik.

Enterprise Architecture bis Responsive Webdesign

Wer ist wer? Bevor es los geht, stellten sich alle Teilnehmer mit Name und drei Tags vor. Die meisten kamen aus Stuttgart – ein halbes Dutzend war aus Konstanz angereist und die meisten wohnten in Baden-Württemberg. Den TimeTabler, den Stundenplan, stellten die Teilnehmer an jedem Morgen selbst zusammen. Sessions gab es zu Themen wir Expedition 2.0, Automatisierte Texte, Facebook Marketing, Enterprise Architecture, Responsive Webdesign, Texte lesen @e-Reader, Usability, VG Wort Zählpixel, Todsünden der Selbstständigkeit, Verhandlungsstrategien, Deutschland den Geeks, Xing Q+A, Bildung 2.0, Resourcensparen oder Schöne neue Googlewelt. Die Kommunikation erfolgte wie immer auf einem Barcamp nie nur in eine Richtung – die Teilnehmer diskutieren mit.

Mehrwert einer Website bringt Links

Was für die einen längst selbstverständlich ist, ist für andere neu. Linkbuilding mit Torsten Maue @tmmd ist so ein Thema gewesen. Er redete über „Channels“ und erzählt, wie es Besitzer von Websites schaffen, dass Seiten viele Backlinks bekommen. Der Referent sagt „How to…“ sei immer gut. Jede Seite brauche etwas Nützliches. Einem Steuerberater würde er empfehlen, eine „Steuerberaterkostenrechner“ online zu stellen, mit dem sich ein junger Unternehmer schnell ausrechnen kann, was eine Steuererklärung bei so und so viel Euro Umsatz kostet, und Maue mag Weihnachtsplätzchen-Rezepte. Sie erhöhen die Attraktivität einer Website demnächst automatisch.

Besser verhandeln für Freiberufler

Outdoor ging es bei dem schönen, sonnigen Spätsommerwetter in Stuttgart dann um e-Reader. @frogpond steht auf Kindle. In der Sonne schlägt ein Kindle das iPad und Tabloids zweifellos. Der Browser ist aber Mist. Plaudern, persönliche Erfahrungsberichte und Fragen stellen standen hier im Fokus. Einen echten Nutzwert für Selbständige und Freiberufler hatten Alex Talmons @atalmon Verhandlungsstrategien. Wie verhandeln wir mit Kunden? Es ging um Schmerzgrenzen, geschicktes Taktieren, vermeidbare Fehler, plausible Angebote, Psychospielchen und besseres Feilschen. Die Aufbausession „Todsünden der Selbstständigkeit“ gab’s dann später auch noch.

Informatiker contra Webdesigner

Was ist eigentlich Responsive Webdesign? Ute Hauth@miradlo findet, dass es Vorzüge hat. Ein Nicht-Techie versteht in etwa, dass ein Programmierer eine Seite bauen kann, die sozusagen flexibel ist und auf jeden Bildschirm einschließlich mobile Geräte passt. Die Alternative wären verschiedene Versionen, perfekt zugeschnitten auf den Großbildschirm und zum Beispiel auf das Smartphone. Der Vorzug von Responsive Webdesign ist, dass es nur eine Seite braucht und auch auf dem Smartphone keine Informationen fehlen, sie auf der Seite jeweils nur anders angeordnet sind. Screendesigner hatten da freilich ihre Einwände. Ein Logo, womöglich verzerrt, wäre für sie ein No Go.

Xing ein Muss für B2B

Eine neue Erkenntnis: Ohne Xing geht es anscheinend doch nicht. Xing ist das soziale Netzwerk für B2B Kontakte, Oliver Gassner @oliverg hat ausführlich besrichtet wie er Links und Informationen verbreitet. Xing ist für den Social Media Coach der wichtigste Multiplikator mit, wie er sagte, der größten Reichweite. Ein Argument: „Fünfeinhalb Millionen Mitgliedschaften in Deutschland.“ Die meisten Xing-Mitglieder loggen sich nur alle zwei bis vier Wochen ein. Es scheint zu reichen. Zu Gruppen zu gehören, ist wichtig. Und: Ein Basisaccount reicht nicht, es muss schon die kostenpflichtige Premiummitgliedschaft sein. Wir probiere es jetzt aus – am besten ohne Facebook, Google+, Twitter, das Blog oder Linkedin zu vernachlässigen.

Schöne neue Google Welt

Und da waren natürlich all die Sessions, bei denen es um Google+, Facebook, Twitter und Co ging. Wer braucht was und wozu? Welche Konversationen finden wo statt, wo redet es sich von Geek to Geek am besten und es am Ende gab es doch wieder die Erkenntnis, dass es eine klare Antwort noch lange nicht gibt – und schon gar nicht auf die Frage, welches Soziale Netzwerk das beste ist. Mario Hanneken hatte später noch zu einer Session „Schöne neue Google Welt“ eingeladen. Die Teilnehmer debattierten über die Chancen und Risiken der personalisierten Google-Suche. Wollen wir, dass, wenn wir Griechenland eingeben, wir womöglich nichts über die Schuldenkrise angeboten bekommen, weil wir uns auch sonst nur für Sportnachrichten und deswegen womöglich für griechische Fußballergebnisse interessieren? Es ging um Griechenland und Grießbrei. Verengt die personalisierte Suche unseren Blickwinkel? Sind wir uns bewusst, dass die Suchmaschine Suchergebnisse liefert, die individuell auf unsere vermeintlichen individuellen Bedürfnisse und Interessen angepasst sind? Haben wir überhaupt noch die Wahl? Und wer sind wir überhaupt, die kleine informierte Netzgemeinde oder was weiß die „große Meute“?

Beteiligung als Chance und Angst der Eliten

Am Sonntagnachmittag ging es dann um Netzpolitik, Deutschland den Geeks, den Piraten? Nicht alle Teilnehmer an der Session waren übrigens Piraten. Die meisten outeten sich als parteipolitisch nicht gebunden, andere waren bei den Grünen oder bei der SPD. Es ging um die Angst der Eliten, um Beteiligung als Chance und Netzpolitik, die viele Konservative der Netzgemeinde aus vielleicht auch aus Unkenntnis aufdrücken wollen. Siegfrieder Kauder war nur noch für einen müden Lacher am Rande gut.

Scrollen ist nicht sexy

See-Online war am Sonntagnachmittag dann reif für die SEO-Klinik mit Torsten Maue. Das Ergebnis des Checks: Das WordPress Blog ist technisch ziemlich perfekt. Die URL ist suchmaschinenfreundlich, die Description im Titel Tag ist okay und im Quelltext steht nur drin, was auch drin stehen sollte, sagte der SEO-Coach und Web Profi. Auf der Startseite würde er allerdings nicht zehn Beiträge zeigen, sondern nur fünf, weil scrollen nicht sexy ist. Das hat die Redaktion aber anders entschieden. Seit unserem Besuch in der SEO-Klinik wissen jetzt auch, weshalb sich das Blog dornröschen.nu bei Google News anders als See-Online gar nicht finden kann.

 Auf Wiedersehen 2012

Stuttgart war für die meisten ein rundum gelungenes Barcamp. Das zeigte sich auch bei der großen Feedback Abschlusssession. Der erste Sponsor für 2012 hat sich bereits gemeldet. Aus Stuttgart mitgenommen haben die meisten Teilnehmer, dass es nicht nur Spaß macht Wissen zu teilen, sondern der persönliche Austausch auch sehr nützlich ist. Eine Erkenntnis gab es in jedem Fall: Wer mit dem Web 2.0 zu tun hat – sei es als Medien- oder Werbemensch oder als Techie kann bei Barcamps in lockerer Atmosphäre sehr viel lernen und neue Anstösse bekommen. Deshalb hoffentlich: Auf Wiedersehen 2012 im Juni beim Barbamp Bodensee und später beim Barcamp Stuttgart, die alles dürfen, nur nicht am selben Wochenende stattfinden.

Hier geht es direkt zum vierten Stuttgarter Barcamp

Hier geht es zur Berichterstattung der Stuttgarter Zeitung über das vierte Stuttgarter Barcamp.

Fotos: wak

5 Kommentare to “Barcamp Stuttgart perfektes Update nicht nur für Geeks”

  1. Ute [miradlo]
    4. Oktober 2011 at 10:52 #

    Ich habe den Artikel mal auf der Barcampseite mit eingetragen:
    Barcamp Stuttgart: Presse

  2. wak
    4. Oktober 2011 at 10:55 #

    @Ute Danke, das ist sehr nett, ich war gestern mal auf dem Wiki bei mixxt, habe aber nicht verstanden was ich hätte tun müssen.

  3. Henning
    4. Oktober 2011 at 19:46 #

    Schöner Bericht! Klingt allerdings bei dir so als hätte es nur die genannten fünf Sponsoren gegeben. Da waren aber deutlich mehr. :-)

  4. wak
    5. Oktober 2011 at 08:05 #

    @Henning Ja, ich habe nur die großen Sponsoren erwähnt. Hoffentlich sind sie 2012 wieder mit dabei. ;-)

  5. Henning
    5. Oktober 2011 at 10:10 #

    @wak
    Schon klar – und auch legitim. Aber die Formulierung klingt so als wären das alle. Ein kleines „unter anderem“ oder so würde sich da gut machen, damit es nicht falsch rüberkommt. :-)

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