Benno Buchczyk mutmaßlich nicht OB-Kandidat der Piratenpartei in Konstanz

Piratenpartei im Kreis Konstanz wählt schon wieder neuen Vorsitzenden – Oberbürgermeister-Wahl bei Piraten offenbar kein Thema

Konstanz. Konstanz war bei den vergangenen Bundes- und Landtagswahlen in Baden-Württemberg eine Hochburg der Piratenpartei. In Zusammenhang mit der Oberbürgermeisterwahl in Konstanz am 1. Juli war in den vergangenen Monaten immer wieder auch der Name des Piraten Benno Buchczyk gefallen. Aufgrund von internen Querelen dürfte eine Kandidatur des Diplom-Verwaltungswissenschaftlers aber mittlerweile sehr unwahrscheinlich sein.

Buchczyk wirft hin

Am Sonntag teilte Buchczyk, der zur Zeit Vorsitzender des Konstanzer Kreisverbands der Piratenpartei ist, in einer E-Mail mit, er werde bei der Neuwahl des Vorstands am kommenden Samstag nicht einmal mehr für das Amt des Vorsitzenden der Piraten im Kreis Konstanz kandidieren. Diese Mail steht auf einer öffentlichen Mailing-Liste und kann von jedem, der sich dort einträgt, gelesen werden.

Oberbürgermeisterwahl anscheinend kein Thema

Der einzige Bewerber für den Vorsitz ist aktuell Buchczyks Vorgänger Roland Baldenhofer, der im vergangenen Jahr zurückgetreten war. Der Diplom-Informatiker Baldenhofer schreibt: „Ich will mich wieder im Kreis einbringen. Nächstes Jahr haben wir wieder eine Bundestagswahl.“ Die Konstanzer Oberbürgermeisterwahl, die dieses Jahr stattfindet, erwähnt der Diplom-Informatiker nicht einmal.

Piraten dümpeln bei zwei Prozent

Landesweit spielten die Piraten in Baden-Würtemberg zuletzt keine Rolle. Bei Infratest dimap kamen sie nach der Berlin-Wahl und nach der Volksabstimmung über Stuttgart 21 bei der Sonntagsfrage gerade einmal auf zwei Prozent der Stimmen.  Zum Vergleich: So viel Zustimmung hat im Moment auch die FDP.

Buchczyk wendet sich an „verbitterte Gegner“

In seiner Mail redete Buchczyk, der auch Ersatzkandidat zur Landtagswahl 2011 war, Klartext. Er schrieb: „Liebe Piraten, liebe Freunde, sehr geehrte Damen und Herren und …. (v)erbitterte Gegner.“ Manchmal gebe es Umstände, die Menschen zwingen etwas zu tun, was sie wochenlang vor sich hergeschoben hätten. Buchczyk weiter: „Es wurde nun Zeit, Entscheidungen zu treffen. Nach Rücksprache mit meiner Familie und Gesprächen mit meinen Freunden, habe ich mich entschieden.“ Er habe es schweren Herzens getan.

Mobbing bei den Piraten?

Buchczyk zieht sich zurück. Am kommenden Samstag, 21. Januar, wenn in Konstanz der sogenannte Satzungsparteitag mit Vorstandswahlen stattfindet, werde er dort für kein Amt mehr kandidieren. Buchczyk schreibt: „Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Vor allem deshalb, da ich persönlich viel Zuspruch und Bestätigung im letzten halben Jahr erhalten habe. Ich bin ein politischer Mensch. Und ich bin ein politischer Konstanzer. Allerdings bin in den letzten Wochen und Monaten auch von einigen (wenigen) Mitgliedern dieser Partei und dieses Kreisverbandes im wahrsten Sinne des Wortes bekämpft worden, z.B. durch die ständigen Drohungen mir gegenüber mit Parteiausschlussverfahren oder hirnlosen Unterstellungen.“

Buchczyk spricht von „ Kindergartenverhalten“

Eine „piratige Arbeit für die Sache“ sei so nicht möglich. Buchczyk weiter: „Fassungslos musste ich feststellen, dass einige Äußerungen in meinen Job und in mein Privatleben hineingetragen wurden. Und das geht nicht. Überhaupt nicht! Dieses Kindergartenverhalten werde ich mir vorerst nicht mehr antun.“ Von politischen Kultur bei den Piraten und gegenseitigem Respekt zeugen solche Vorkommnisse eher nicht.

Vorwürfe und hoffen auf Neuanfang

Es sei traurig, dass erwachsene Menschen ihr „machtpolitisches Verhalten“ in Konstanz auf diese Art und Weise an den Tag legten, und anstatt miteinander, gegeneinander arbeiteten; das tue der Piratenpartei vor Ort nicht gut. Buchczyk erklärte, er sei zu Gesprächen stets bereit gewesen. Er hoffe nun, dass diejenigen, die ihn unterstützen, seine Entscheidung verstehen. Buchczyk weiter: „Auch denke ich, dass nur ein Neuanfang mit einem Vorstand aus unbelasteten Mitgliedern in Ruhe arbeiten kann. Deshalb bitte ich diese Piratenparteimitglieder hier, engagiert Euch!“

Neue Gesichter braucht die Partei

Mit dieser Auffroderung dürfte Buchczyk vor allem die vielen Interessierten meinen, die in den vergangenen Monaten – seit der Berlin-Wahl – neu zu den Piratenstammtischen gekommen sind. Am kommenden Samstag, 21. Januar, wenn um 17 Uhr die Kreisversammlung der Piratenpartei beginnt, die im Piraten-Jargon „Kreisparteitag“ heißt, dürfen sie alle erstmals mit abstimmen. Tagungsort ist das Café Einblick.

Neue Satzung, mehr Programmatisches?

Der Kreisverband werde über eine neue Satzung abstimmen, mit der „programmatische Mitgliederversammlungen“ erleichtert würden, heißt es in einer Mitteilung der Piratenpartei. Zuletzt kamen zu solchen Parteitagen allerdings nicht einmal ein Dutzend Mitglieder. Inhaltlich oder programmatisch war von den Konstanzer Piraten zuletzt eher wenig zu hören.

Am Donnerstag Kandidaten-Casting

Am Donnerstag dieser Woche, 19. Januar, sei noch eine Diskussion bei einem Stammtisch mit den Kandidaten geplant. Bei diesem Kandidaten-Casting hat auch Roland Baldenhofer die Möglichkeit, sich den vielen neuen Interessierten vorzustellen. Auf der Kandidatenliste schrieb Baldenhofer: „Vielleicht kennen mich ja noch ein paar. Ich habe im Kreis das letzte halbe Jahr eine Pause gemacht.  Bis zum 5. Juni 2011 war ich Vorsitzender des Kreisverband Konstanz.“ Dann war der Diplom Informatiker – ebenfalls nach Querelen und Anwürfen – zurückgetreten.

Foto: Piratenpartei

9 Kommentare to “Benno Buchczyk mutmaßlich nicht OB-Kandidat der Piratenpartei in Konstanz”

  1. JL
    16. Januar 2012 at 14:29 #

    Wenn ich das lese bestärkt es mich doch nachträglich noch in meiner Entscheidung die Piraten im letzten Jahr verlassen zu haben.
    Es ist schon ziemlich schade wie sich diese Partei selbst zerlegt ohne jemals eine Rolle gespielt zu haben. Selbstzerstörung gleich zu Beginn ist schon irgendwie drollig, wenn es nciht so traurig wäre.

    Wie ich damals meinen Austritt begründet habe – ewige Querelen und Zustände wie im Kindergarten – scheinen doch noch immer ein fester Bestandteil dieser Partei zu sein – Parallelen zur Bundespolitik werden deutlich.

    Ob das sein muss, wenn man etwas bewegen möchte?
    Ich zweifle sehr.

    Viele Grüsse
    JL

  2. Gerald
    16. Januar 2012 at 14:59 #

    Naja,

    jede Partei hat ihre 5% Spinner. Und gerade wir Piraten werden grad von Trollen, Spinnern und Karrieristen überlaufen, die sich ins gemachte Nest setzen wollen.

    Es ist wahnsinnig schade, für jeden richtigen Piraten, der wegen diesen Problemen entnervt hinschmeisst, vor allem, weil dadurch das Mischungsverhältnis zwischen konstruktiv arbeitenden Mitgliedern und Trollen/Spinnern/Karrieristen sich weiter verschlimmert.

    Allerdings kommt das nicht überraschend. Diese Phase machte jede Partei bei ihrer Gründung durch. Also: Nicht klein beigeben, sondern weiter die Themen, Vorgehensweisen und den Zusammenhalt vorantreiben. Die Probleme unserer Gesellschaft, wegen denen wir uns gegründet haben, sind ja nicht kleiner geworden.

    LG

    Gerald

  3. JL
    16. Januar 2012 at 15:33 #

    Die Piratenpartei wird von einem großen Teil der Bevölkerung als Spasspartei oder Spinnerpartei angesehen und wird eher müde belächelt – das hängt damit zusammen, dass viel mit neuen Medien zu tun hat.
    Allerdings sind solche öffentlichen Querelen nicht gerade förderlich um eine ernst zu nehmende Alternative sein zu wollen.

    Ebenso halte ich von dieser verweichlichten Köhlermentalität absolut gar nichts, beim kleinsten Hauch von Gegenwind gleich die beleidigte Leberwurst zu spielen und alles hin zu schmeissen. Ein bischen Rückgrad oder einen Arsch in der Hose sollte man halt schon haben, wenn man etwas reissen will.

    Aber genau so wird sich in diesem schei** Land auch in den nächsten 100 Jahren nichts ändern.

  4. Wolfsauge
    16. Januar 2012 at 15:53 #

    Eine Anmerkung: die 2 Prozent für die Piraten bei Umfragen stimmt so nicht: http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/baden-wuerttemberg.htm
    Emnid und Infratest dimap stellen Piraten in BW auf 4%

  5. Wolfsauge
    16. Januar 2012 at 16:07 #

    Zitat aus dem Forum von Wahlrecht.de:
    „Bei der am 22. Dezember 2011 veröffentlichten Umfrage handelte es sich um eine erneute Befragung eines Panels, deren Teilnehmer größtenteils eine Untermenge der Befragten zur am 17. November 2011 veröffentlichten Umfrage sind. Bereits in der Umfrage vor der Volksabstimmung wichen die gewichteten Ergebnisse der Panelteilnehmer von denen der größeren Gruppe ab. Hinzu kommt, dass es sich laut Infratest dimap nicht um eine – sonst übliche – Projektion handelt.
    Daher lässt sich die Umfrage in unserer Übersicht nicht sinnvoll darstellen, ohne den Eindruck einer Vergleichbarkeit zu erwecken, die tatsächlich nicht gegeben ist. Um Fehlinterpretationen zu vermeiden, haben wir die Daten wieder aus der Übersicht entfernt. Nach unseren Informationen wird auch die Bertelsmann-Stiftung die Zahlen zur Sonntagsfrage aus der veröffentlichten Auswertung herausnehmen.“

  6. dk
    16. Januar 2012 at 18:17 #

    (3) … Die Piratenpartei wird von einem großen Teil der Bevölkerung als Spasspartei oder Spinnerpartei angesehen … dass viel mit neuen Medien zu tun hat. …

    Auf http://www.heise.de/ können Interessierte vieles über Themen der „modernen Informations-Technologien“ lesen: Wirtschaft, Recht, Politik, Märkte, uvm.

  7. Lustig
    4. Juni 2012 at 21:10 #

    Und nun hat er sich doch gemeldet und will OB werden. Sind doch alle gleich die Politiker, was interessiert das Gerede von Gestern?

  8. Bernhard
    5. Juni 2012 at 02:39 #

    Ich kandidiere, ich kandidiere nicht, ich kandidiere… Nun, so ähnlich waren seine Aussagen zu Vorstandskandidaturen auch schon…

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