Bestatter vergeben Preis an Konstanzer Architekturstudentin

Konstanz. Die ARD hat Tod und Sterben in dieser Woche zum Themenschwerpunkt gemacht. Aufbruchstimmung herrscht offenbar auch bei Bestattern. Sie haben einen Architekturpreis vergeben. Gewonnen hat ihn die Konstanzer Architekturstudentin Ruth Haller. Sie hat ein Bestattungsinstitut entworfen. In ihrer Abschlussarbeit beschäftigt sie sich mit einem Hospiz.

Trauer braucht Raum

Das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur Ruth Haller aus Konstanz für ihren Entwurf eines Bestattungsinstituts ausgezeichnet. Das Motto lautete „Trauer braucht Raum! Architektur in der Bestattungsbranche“. Das Thema „Sterben“ beschäftigt Ruth Haller weiter: Derzeit arbeitet sie an ihrer Abschlussarbeit zum Thema Hospiz.

Bestatter schrieben Wettbewerb aus

Das „Kuratorium Deutsche Bestattungskultur“ hatte zwei Wettbewerbe für Studierende der Architektur und Innenarchitektur sowie für Bestattungsunternehmer ausgeschrieben. Insgesamt waren 125 Beiträge zu diesem Wettbewerb gingen ein.

Spannende Herausforderung

Ruth Haller, Masterstudentin im Studiengang Architektur an der HTWG, hat ihren Beitrag dazu eingereicht – und die Jury damit überzeugt. Das Konzept für ein Bestattungsinstitut hat sie im Rahmen des Masterkurses „Kommunikation im Raum 2“ erarbeitet. „Das Thema ist ungewöhnlich und eine spannende Herausforderung für mich, auch unabhängig vom Wettbewerb“, sagt die Studentin.

Leben und Tod

Fragen wie, was ein Bestattungshaus heute leisten soll, haben sie geleitet und so entwicklete sie ihr Konzept: Zwei Kuben, die Gegensätze wie Leben und Tod verbinden: „Einerseits soll ein Bestattungsinstitut Schutz und Halt bieten, andererseits offen sein und die Begegnung ermöglichen“, so Ruth Haller. Solider Stein prägt den einen Kubus, Offenheit und Leichtigkeit den durch Holz geprägten anderen.

Natürliches Licht in Trauerhalle

Der Kommentar der Jury: „Der Entwurf eines großstädtischen Bestattungsinstituts in zentraler Lage von Ruth Haller überzeugt durch die unterschiedliche Staffelung der Höhen des kubisch angelegten Baukörpers. Die inneren Raumfunktionen sind durch die Auswahl der Materialien, der Farben und der Höhenstaffelung bereits von außen ablesbar und klar gegliedert“, heißt es in der Bewertung. Und weiter: „Dank verschiedener Perforationen wird die kompakte Form aufgelöst. Neben der gelungen um den Baukörper herum inszenierten Wegführung vom zentralen Zugang aus überzeugte die Jury der Einsatz natürlicher Lichtquellen, insbesondere im Bereich der Trauerhalle.“ Mit diesem Konzept hat Ruth Haller einen von drei gleichwertigen ersten Preisen gewonnen.

Schluss mit verstaubtem Auftritt

Laut Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur sollten die Entwürfe die Ausnahmesituation des Besuchers eines Bestattungsinstituts berücksichtigen. Lamellenverhangene Schaufenster, verstaubte Urnen und vergilbte Fotos sollten aber der Vergangenheit angehören. Gestalterische, aber auch ökologische und wirtschaftliche wie auch trauerpsychologische Aspekte in Form der Wirkung von Materialien, Formen und Lichtverhältnissen wurden bewertet. „Ziel ist, einer der sensibelsten Branchen architektonische Impulse zu geben, damit Menschen in einer der schwierigsten Situation ihres Lebens Räume vorfinden, die gut tun“, heißt es in der Wettbewerbsbeschreibung.

Auf dem Foto zu sehen sind: Dr. Kerstin Gernig, Agentur für Kommunikationsgestaltung, ehem. Leiterin des Kuratorium Deutsche Bestattungskultur, Rolf Matthießen, Vorstandsvorsitzender Kuratorium Deutsche Bestattungskultur, Preisträgerin Ruth Haller, Birgit Schwarzkopf, Vorsitzende BDIA NRW (Bund Deutscher Innenarchitekten Landesverband Nordrhein-Westfalen).

 

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