Bodensee-Katamaran in schwerer See

In Konstanz werden Ausstiegsszenarien diskutiert – Katamaran schafft keine schwarze Null

Katamaran fährt vorerst weiterKonstanz/Freidrichshafen. Der Katamaran ist in schwere See geraten. Offenbar wird in Konstanz längst über Ausstiegsszenarien diskutiert. Kritische Fragen stellen angesichts eines Defizits von mehr als vier Millionen Euro in fünf Jahren auch Mitglieder des Konstanzer Gemeinderats – quer durch die Fraktionen. Der Stadtwerke-Aufsichtsrat hat die Geschäftsführung der Stadtwerke, die Gesellschafter sind, und die Reederei erstmals beauftragt, Ausstiegsszenarien zu prüfen.

Kritische Fragen Konstanzer Kommunalpolitiker

Stadträte aus der Fraktion der Grünen und Linken Liste Konstanz machen keinen Hehl daraus, dass sie den Katamaran offenbar lieber heute als morgen im Bodensee versenken würden. Kritisch nachgefragt haben in diesem Sommer – was Katamaran-Befürworter aufhorchen lässt – aber auch die Freie Wähler Gemeinschaft (FWG), namentlich Ewald Weisschedel, Jürgen Faden und Anselm Venedey, sowie Alexander Fecker, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Konstanzer Gemeinderat. Am Donnerstag, 25. November, ist der Katamaran deshalb erneut Thema im Konstanzer Gemeinderat. Die Wogen schlagen schon Tage vorher hoch.

Reederei steht im Sturm

Während der Katamaran bei Orkan und hohem Wellenschlag normalerweise im sicheren Hafen bleibt, muss sich die Katamaran-Reederei im Sturm immer unbequemeren Fragen stellen. Ob die Antworten gut ankommen und Kritiker überzeugen, darf bezweifelt werden. Fecker wollte wissen, weshalb es keinen dritten Haltepunkt gibt, warum ein Check-In in Konstanz für Flüge ab Friedrichshafen nicht möglich ist und wie die Friedrichshafener Industriegebiete für Katamaran-Nutzer besser erreichbar werden könnten.

Verkauf von Katamaranen kein Tabu

Die FWG fragte nach den momentanen Auslastungszahlen, dem Defizit, den Zuschüssen, die Konstanz, namentlich die Stadtwerke, zahlen müssen und welche finanziellen Konsequenzen die Einstellung der Katamaran-Linie über den Bodensee hätte. Die FWG wollte auch gleich wissen, was der Verkauf der drei Katamarane bringen könnte. Die Antwort lautet: Der Verkauf wäre schwierig, weil es für die für den Bodensee gebauten Binnenkatamarane keinen Markt gebe. Mit den Katamaranen lässt sich so oder so offenbar nur schwer Geld verdienen.

Kaum Pendler wollen über den See

Auch die Antworten auf die übrigen Fragen klingen in den Ohren von Katamaran-Fans nicht sehr ermutigend: Einen dritten Haltepunkt – zum Beispiel bei EADS – gibt es nicht, da für den übers Wasser fahrenden ÖPNV kein großes Potenzial an Pendlern gesehen werde. Ein Check-In für den Flughafen Friedrichshafen werde es wohl auch nicht geben. Die Verhandlungen seien gescheitert. Die Kosten wären zu hoch.

Stadtwerke-Aufsichtsrat will Veränderungen

Die Katamaran-Reederei Bodensee, hinter der die Stadtwerke Konstanz und die Technischen Werke Friedrichshafen als Gesellschafter stehen, hat sich angesichts des Widerstands und des Rufes nach Ausstiegsszenarien zuletzt notgedrungen selbst unter die Lupe genommen. Sie musste einräumen, dass der Katamaran von 2003 bis 2009 bereits einen Verlust von 4,16 Millionen Euro eingefahren habe. Die Konstanzer Stadtwerke mussten seit 2003 mehr als zwei Millionen Euro zuschießen, um den Verlust auszugleichen. Angesichts der sowieso schon hohen Fahrpreise seien Verbesserungen auf der Einnahmenseite kaum möglich, so die Reederei.

Katamaran bleibt vorerst auf Kurs

Im Oktober beschloss der Aufsichtsrat der Konstanzer Stadtwerke trotz Sturmwarnung und roter Zahlen, dass die Katamaran-Linie zwischen Konstanz und Friedrichshafen erst einmal aufrecht erhalten werde. Die Geschäftsführung der Stadtwerke und der Reederei wurden aber vom Aufsichtsrats beauftragt, erstmals Ausstiegsszenarien zu prüfen. Der Aufsichtsrat verlangte, die Kosten für das Städteschiff zu senken. Ziel ist es offenbar, den Katamaran-Betrieb in den Stadtwerke-Konzern einzubinden. Dadurch könnten Synergien mit den Bodensee Schiffsbetrieben (BSB) und dem Fährebetrieb erreicht werden, hoffen die Konstanzer. Die Rede ist von einer Verschlankung. Eine schwarze Null, so der Verdacht, sei aber in absehbarer Zeit nicht zu erreichen.

Nur 37 Passagiere pro Fahrt an Bord

In den ersten fünf Jahren haben die Katamarane 45.300 Fahrten über den See gemacht. 1,68 Millionen Fahrgäste beförderten sie. Im Schnitt waren das 335.000 pro Jahr oder 920 pro Tag. Durchschnittlich 37 Passagiere waren je Fahrt an Bord. Nur 70 Pendler fahren mit einer Zeitkarte und 170 nutzen eine Vielfahrerkarte. „Touristen sind eine wichtige Zielgruppe“, hatte der Geschäftsführer der Katamaran-Reederei, Manfred Foss, bei einer Pressekonferenz im Juli in Friedrichshafen gesagt. Im ersten Halbjahr 2010 gingen vier Prozent mehr Fahrgäste an Bord als noch 2009.

Vergleich ausgerechnet mit dem ICE

Bis zum vergangenen Jahr fuhren die Katamarane trotzdem mehr als vier Millionen Euro Defizit ein. Die Gesellschafter, also die Konstanzer Stadtwerke und die TWF, müssen das Minus jedes Jahr ausgleichen. Der Kostendeckungsgrad von 75 Prozent entspreche in etwa dem, den auch die Stadtbuslinien in Konstanz und Friedrichshafen haben, sagten im Juli die Geschäftsführer der Stadtwerke und der TWF, Konrad Frommer und Alfred Müllner. Für Müllner stand damals fest: Der Katamaran ist eines der Vorzeigeprodukte der TWF. Er schwärmte vom ICE Feeling und dem Verkehrsraum Bodensee. Eine Erfolgsgeschichte hat aber auch der ICE in diesem Sommer allerdings auch nicht geschrieben.

Foto: Katamaran-Reederei

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