Bodensee weite Empörung über Erdgas-Erkundungen und „Fracking“

Landtagsabgeordneter Hans-Peter Storz (SPD) zitiert Umweltminister Franz Untersteller – Appell aus dem Überlinger Gemeinderat

Konstanz/Singen. Der Landtagsabgeordnete Hans-Peter Storz (SPD) ist der Meinung, dass Regierung und Verwaltung die riskante Gasförderung durch Fracking im Bodenseeraum verhindern könnten. Die Linzenz-Verlängerung für Parkyn Energy Germany Ltd. Hat die ganze Region aufgeschreckt. Auch im Überlinger Gemeinderat war die unkonventionelle Gasförderung am Mittwochabend Thema. Astrid Eilers (LBU) forderte Oberbürgermeisterin Sabine Becker auf, in Richtung Land und Bund aktiv zu werden. Dies hatte in der vergangenen Woche bereits auch der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank getan.

Fracking lasse sich verbieten

Landtag, Landesregierung und Verwaltung haben genügend Hebel gegen das Fracking in der Hand, meint der SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Peter Storz. „Bürger und Gemeinden machen sich zu Recht Sorgen wegen der Risiken.“ Doch eine umwelt- und gesundheitsschädliche Gasförderung im Bodenseegebiet lasse sich unterbinden. Dies ziehe er als „positives Fazit“ aus einer Antwort von Umweltminister Franz Untersteller auf einen Antrag der SPD-Fraktion, die kürzlich als Parlamentsdrucksache ausgegeben worden sei. „Eine aufmerksame Öffentlichkeit hilft uns dabei sehr,“ sagt Storz.

Angeblich Arbeit an gesetzlicher Regelung

„Bundesregierung und Bundesrat arbeiten an gesetzlichen Regelungen, die die Möglichkeiten zur unkonventionellen Gasförderung mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Methode stark einschränken werden“, zitiert Storz.

Parkyn Energy Germany Ltd. erkundet nur

Das britische Unternehmen Parkyn Energy Germany Ltd. besaß bis zum 30. April 2012 eine Lizenz, um anhand einer Datenanalyse zu überprüfen, ob im Bodenseegebiet eine unkonventionelle Gasförderung möglich ist. Mittlerweile hat das Unternehmen einen Antrag auf Verlängerung der Konzession um zwei Jahre gestellt. Zuständig ist das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) beim Regierungspräsidium Freiburg. Grundsätzlich habe das Unternehmen einen Rechtsanspruch auf diese Genehmigung, schreibt das Umweltministerium.

Keine Erlaubnis für Probebohrungen

Erlaubt seien nach wie vor nur Datensammlungen. Technische Untersuchungen dagegen oder gar Probebohrungen seien von der Konzession nicht erfasst und müssten im Rahmen eines bergrechtlichen Betriebsplans gesondert beantragt werden. Das LGRB könne die Genehmigung verweigern, wenn den Untersuchungen überwiegende öffentliche Interessen entgegenstehen. Gehe von den Untersuchungen sogar eine Gefährdung des Gemeinwohls aus, wozu nach Auffassung der Landesregierung eine Gefährdung des Trinkwassers gehören würde, müsse der Antrag sogar „zwingend“ abgelehnt werden, heißt es. In diesen Fällen binde die Bergbehörde Gemeinden und Trinkwasserproduzenten frühzeitig in das Genehmigungsverfahren ein.

Verbot in Trinkwassergebieten beabsichtigt

Dennoch sei die gegenwärtige Rechtslage unbefriedigend, meint auch Hans-Peter Storz. Denn eine zwingende Umweltverträglichkeitsprüfung sei für Probebohrungen und ähnliche Untersuchungen noch nicht vorgesehen. Das Land Nordrhein-Westfalen wolle dies ändern und habe daher eine Bundesrats-Initiative gestartet. Auch in der Bundesregierung werde an einem Gesetzentwurf gearbeitet, der die Umweltverträglichkeitsprüfung verbindlich vorschreibe und eine Erdöl- und Gasgewinnung in Trinkwassergebieten sogar ganz verbieten wolle.

Warten auf zwei Gutachten

Das weitere Verfahren hänge von zwei Gutachten ab, die bis Mitte des Jahres vorliegen sollen. So habe Nordrhein-Westfalen eine Risikountersuchung in Auftrag gegeben. Im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstelle das Umweltbundesamt nicht nur eine Risikobewertung, sondern soll auch Empfehlungen zu den rechtlichen Regelungen und den Verwaltungsstrukturen abgeben.

5 Kommentare to “Bodensee weite Empörung über Erdgas-Erkundungen und „Fracking“”

  1. Lindemann
    26. Mai 2012 at 13:53 #

    Stoppt die CDU/FDP Fracking Befürworter. Auch „Fracking light“, wie die Bundesregierung will schädigt unsere Umwelt nachhaltig!
    Sie haben gar keinen Bezug zu dem was umangssprachlich gesunder Menschenverstand heißt!
    Und sie haben ein Verbot von Fracking schon abgelehnt:
    http://www.johanna-im-bundestag.de/nc/politik/aktuelles/aktuelles_detail/zurueck/politik-30/artikel/koalitionsfraktionen-lehnen-bundesweites-fracking-verbot-ab/

    Kurz mal diesen Bericht von ZDF ansehen:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1487400/ZDFzoom-Gefaehrliche-Gier#/beitrag/video/1487400/ZDFzoom-Gefaehrliche-Gier

    Bitte solidarisiert Euch: Vereinigung der Initiativen gegen unkontrollierte Erdgassuche und Hydraulic „Fracking“ Fracturing in Deutschland: http://www.gegen-gasbohren.de/

    und wer noch weiterführende Informationen wünscht, kann sich hier informieren:
    http://ak-fracking.de/wiki/Pressespiegel, einfach die Seite runter gehen und sich die Berichte ansehen

  2. Fafnir
    28. Mai 2012 at 10:33 #

    Lieber Herr Lindemann, woher nehmen Sie eigentlich die Gewissheit, daß Fracking „unsere Umwelt nachhaltig schädigt“? Das ist grüner Populismus, rückständig und pure Angstmacherei. Sie sind doch nur aus Prinzip dagegen, ohne etwas von den technischen Zusammenhängen zu verstehen. Aber das wollen sie auch gar nicht. Sie beschwören da eine Gefahr herauf, weil sie Lust an solchen Szenarien haben. Was sie dort als „Informationen“ anpreisen, sind gar keine.

  3. Istvan Adler
    16. Juni 2012 at 16:07 #

    Hallo Herr Lindemann,

    User „Fafnir“ hat Recht. „Gegen Gasbohren“ ist eine reine Desinformationsseite, die nicht davor zurückschreckt, Lügen zu verbreiten, um für ihr Anliegen zu werben (z.B. behaupten sie, dass die deutsche Erdgasförderindustrie subventioniert wird, obwohl sie jährlich 100e Mio. Euro Förderabgabe zahlt). Tatsächlich wird in Deutschland das Verfahren schon seit Jahrzehnten ohne Zwischenfälle angewandt, um die Öl- und Gasförderung zu optimieren, aber auch um Geothermie zu nutzen. Auch in vielen anderen Ländern, wie z.B. Russland wird gefract. Hier ein paar Links: http://www.spe.org/events/10aniz/documents/10ANIZ_Brochure_English6Aug10.pdf
    http://www.spe.org/jpt/print/archives/2011/03/16HFFocus.pdf
    http://oilshow.org/2003/paper/29.pdf

  4. Jage
    22. Juni 2012 at 09:18 #

    Ich denke jeder kann selbst beurteilen, welche Seiten gut recherchiert und unabhängig sind – gilt das Letztere auch für die User „Fafnir und Adler“ ?…
    Russiche Methoden als Vorbilder? Da dürfen und müssen wir als dichtbesiedeltes Land doch genauer hinschauen – was ist so schlecht an den geforderten Umweltverträglichkeitsstudien ab dem Ersten m³ geförderten Gas? Weshalb verbieten einige US Bundesstaaten die Methode und in Europa Frankreich und Bulgarien?
    Ich kann nur sagen, dass die Seiten „Gegen Gasbohren“ und „unkonventionelle-gasfoerderung“ sehr zur Aufklärung beitragen – weiter so.
    Wenn ein kritisches Hinterfragen „grüner Populismus“ ist, was sind dann die Dokumente an den Beiträgen von Fafnir und Adler – Werbung – gesponsert von wem?

  5. Fafnir
    27. Juni 2012 at 18:56 #

    Haha! Natürlich. Alles, was vom guten Konsens („Konsens“ = neues Wort für „Richtig“) abweicht, ist dumm. Oder Propaganda der Öl- und Kohlelobby. Denn Atomkraft ist böse, die Energieversorger auch, Biokarotten sind gut, Amis sind doof und der Westen ist an allem schuld. Selbst das „Establishment“ gegen das die 68er vorgegangen sind, war nicht annhähernd so einfach gestrickt.

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