Bodenseeregion braucht angeblich das Bahnprojekt Stuttgart 21

Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker sieht Stuttgart 21 eher in Konkurrenz zu anderen Strecken

Bodenseekreis/Stuttgart. In der hitzigen Diskussion um das Bahnprojekt Stuttgart 21 haben jetzt auch Bürgermeister und der Landrat des Bodenseekreises, Lothar Wölfle (CDU), Stellung bezogen: „Die Bodenseeregion wird von den Impulsen dieses zukunftsweisenden Verkehrsprojektes profitieren“, erklärten die Bürgermeister der 23 Städte und Gemeinden gemeinsam mit dem Landrat des Bodenseekreises. Die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker (CDU) hatte sich vor einigen Tagen gegenüber Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen), Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Deutschen Bundestag, kritisch zu Stuttgart 21 geäußert.

Bürgermeistersprecher steht hinter Stuttgart 21

„Stuttgart 21 ist eine wichtige Investition in die Infrastruktur des ganzen Bundeslandes und wertet den Schienenverkehr auf“, sagte Knut Simon, Sprecher des Bürgermeisterverbandes des Bodenseekreises. Allein durch die schnellere Anbindung Ulms an das Hochgeschwindigkeitsstreckennetz würde auch die Bodenseeregion näher an die deutschen und zentral-europäischen Metropolen heranrücken. „Zusammen mit der aktuell in Planung befindlichen Elektrifizierung der Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen und Lindau schafft das Bahnprojekt den dringend nötien schnellen und leistungsfähigen Schienenanschluss für eine der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands“, so Simon. Dies werde die Anreise mit der Bahn für Geschäftsreisende der vielen Industrieunternehmen des Bodenseekreises sowie auch für die Besucher der beliebten Urlaubsdestination attraktiver machen. „Davon profitieren Mensch und Natur bei uns vor Ort“, sagte Simon.

Landrat Wölfle stramm auf CDU-Kurs

„Wer hingegen diese lange geplante und sorgfältig vorbereitete Investition grundsätzlich in Frage stelle, riskiere, dass Fördergelder von Bund, Bahn und EU in Milliardenhöhe für das Land verloren gehen und für Projekte in anderen Teilen Deutschlands ausgegeben würden. Gleichzeitig würde die Entwicklung des baden-württembergischen Schienennetzes um Jahrzehnte zurückgeworfen“, sagte Landrat Lothar Wölfle. „Dies wäre ein herber Rückschlag für die gesamte Bodenseeregion“, stellte Wölfle fest.

Nicht Stuttgart sondern Baden-Württemberg 21

Auf ihrer vierteljährlichen Kreisverbandstagung traten die Kommunalpolitiker aus dem Süden Baden-Württembergs auch der häufig geäußerten Auffassung entgegen, das Bauvorhaben sei nicht demokratisch legitimiert. Vielmehr seien alle Entscheidungen Schritt für Schritt öffentlich und nach Grundsätzen der parlamentarischen Demokratie beschlossen sowie durch Gerichtsentscheidungen bestätigt worden, so die Bürgermeister der Bodenseekreis-Gemeinden. Auch die Wahrnehmung, bei Stuttgart 21 gehe es allein um die Baustelle im Herzen der Landeshauptstadt, sei irreführend und werde dessen Bedeutung für den ländlichen Raum nicht gerecht. „Hier geht es um Baden-Württemberg 21 und das ist nicht allein Sache der Stuttgarter“, so Rolf Müller, Bürgermeister der Gemeinde Langenargen und stellvertretender Kreisverbandssprecher. In der aktuellen Diskussion müssten auch die Stimmen aus den mittelbar betroffenen Regionen zur Geltung kommen, forderte Müller.

Überlinger OB äußerte sich weniger eindeutig

Anders äußerte sich noch vor kurzem die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker (CDU). Sie hatte Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen), den Vorsitzenden des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Deutschen Bundestag, empfangen. Themen beim Treffen waren auch der Schienenverkehr in der Region Bodensee und das Projekt Stuttgart 21. Die Überlinger OB wies auf die Notwendigkeit der Elektrifizierung der Südbahn hin. Hermann war mit der Oberbürgermeisterin in diesem Punkt einer Meinung und forderte neben der Elektrifizierung der Südbahn im Bodenseekreis auch noch den zweigleisigen Ausbau der Gäubahn. Beides sei notwendig. Die Kosten lägen laut Herman bei 120 und 140 Millionen Euro. „Eine lächerliche Summe im Vergleich zu Stuttgart 21“. Becker sagte vor wenigen Tagen, sie habe die Sorge, dass Stuttgart 21 das Geld wie „ein Staubsauger“ einsauge. Hermann sprach von einem „Mega Staubsauger“. Die SPD fordert mittlerweile einen Volksentscheid.

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