Bückleins Talk in Konstanz im Rückspiegel: Der leere Luftballon schnurrte zusammen

Bei Andreas Renner war die Luft raus – Nächste Bücklein-Show mit Konstanzer OB-Kandidaten

Konstanz. Kein Oberbürgermeisterkandidat talkte auf der Bühne. Die Welt ist kompliziert und manchmal geht es auch nicht fair zu. Die Bückleinmusiktalkshow litt am Freitagabend, weil Andreas Renner eine Woche zuvor doch nicht OB-Kandidat in Stuttgart geworden war und auch, weil er es nun in Konstanz nicht mehr werden kann.

Sensationelle Verpflichtung

Reichlich desillusioniert müsste Tobias Bücklein gewesen sein. Er hielt sich aber tapfer und sagte, er habe Andreas Renner eingeladen, als er noch nicht als OB-Kandidat für Stuttgart oder Konstanz im Gespräch gewesen sei. Beachtung fand die Show aber gerade, weil Renner im Zusammenhang mit Konstanz genannt worden ist und er einer der beide CDU-Bewerber war, die in Stuttgart darum rangen, wer für die CDU ins Rennen gehen darf. Der Turner habe das Rennen gewonnen, fasste Bücklein die Geschehnisse zusammen. Renner ist es nicht.

Konzildebatte gegen Quartiersshow

Ein paar Stühle sind bei der Bückleinmusiktalkshow am Freitagabend im Quartierszentrum beim Krankenhaus unbesetzt geblieben. Vielleicht war es auch so, weil zeitgleich die Stadt zum Konzilgespräch geladen hatte. Viele Ältere, die sonst zu Stammpublikum gehören, fehlten.

Flasche leer

Andreas Renner – oder besser die öffentliche Person Andreas Renner – war wie ein leerer Luftballon zusammen geschnurrt. SAT1 Anwalt Ingo Lenßen, der früher Eishockeytrainer in Konstanz und Kreuzlingen war, enthüllte in der Show später, weshalb im Privatfernsehen heute Laiendarsteller Hauptrollen spielen. Auch das klang reichlich desillusionierend. Zum Schluss und einige Kalauer später sang Bücklein dann auf Kölsch „Verdammt lang her“. Er kann ja auch Türkisch. Den Bass spielte seine Frau Tanja Adamski und an den Drums war Bückleins Sohn als Rhythmusgruppe im Einsatz.

Werbeeinblendung Takeda

Wie all seine Shows eröffnete Bücklein auch die zehnte mit seinem Song Begegnungen. Wohin, fragte der Junge aus dem Quatier auch in eigener Sache, führt der Takeda-Zug? Takeda bedeute „Der Kämpfer im Reisfeld“. Nycomed sagte tschüs. Takeda brauche Konstanz nicht. Wer braucht Konstanz überhaupt? Bücklein verwies auf die „lange Liste der OB-Bewerber“.

OB trotz der Partei

Andreas Renner (52) saß entspannt in seinem Sessel. Er sagte mit Blick zurück auf Stuttgart, er habe aufgehört zu analysieren. „Die Höhe hat mich mehr als überrascht“, gestand er. Als er am Abend nach der Niederlage zurück nach Singen kam, hatte ihm SPD-Freund Walafried Schrott eine Flasche Champagner vor die Tür gestellt. Ja, auch mit Günther Oettinger sei er befreundet. „Meine Urlaube habe ich bisher immer selbst bezahlt“, sagte Renner. Der Stuttgarter Alt-OB Manfred Rommel habe ihm einmal gesagt, OB werde man trotz der Partei. Ein bisschen sarkastisch klang es, als Renner feststellte, man brauche auch keine Verwaltungs- oder Führungserfahrung.

Konstanz die fantastische Stadt

Dann der Schwenk nach Konstanz. „Konstanz ist nicht hinterher“, sagt der Singener Ex-OB. „Konstanz ist eine fantastische Stadt“, so der in Stuttgart Gescheiterte. „Sie kandidieren nicht?“, warf Bücklein ein. Renner sprach über die Historie, den See, die Hochschulen und das pulsierende Leben. „Singen ist eine Arbeiterstadt“, sagte er. Die Städte seien nicht miteinander vergleichbar. Renner erklärte: „Ich habe den Singenern ihren Stolz gegeben.“ Bücklein kalauerte, er selbst überlege sich in Konstanz zu kandidieren. Eine OB-Wahl gehe nicht ohne Inhalt, sagte Renner. Zusammen mit dem Entertainer stimmte Renner „Im Frühtau zu Berge“ an. Renners Bedingung: „Aber ich brauch den Text.“ Applaus brandete auf. Er wünschte sich dann von Bücklein „Ich mag Musik nur wenn sie laut ist.“

Abtauchen im See

Ach ja, und Taucher ist Renner auch. Am Samstagmorgen wollte er ein Tieftauchgang auf 5o Meter im Bodensee bei Überlingen machen. „Es ist ein tolles Gefühl“, sagte Renner. „Du musst mit Dir im Reinen sein.“ Halbmarathon kann er auch. Er läuft jede Woche 30 bis 40 Kilometer.

Bart gewinnt beim Casting

Wer schaut eigentlich SAT1? Aus dem Publikum meldete sich fast keiner. Seit 1990 ist Ingo Lenßen (51) Anwalt und seit 2002 im Fernsehen. Eine Produktionsgesellschaft habe ihn angeschrieben, erzählt der Strafverteidiger. Sein Bart ist auffällig. Das sei wohl ausschlaggebend gewesen. Was er denn im Fernsehen soll, habe er gefragt. Es sei wie Barbara Salesch hieß es damals. Da wollte Lenßen erst einmal doch nicht ins Fernsehen.

Irrer Spaß am Drehen

Warum schauen die Leute solche Sendungen, fragte Bücklein. Lenßen antwortete aus Voyeurismus. Warum ist Lenßen seit zehn Jahren Lenßen? „Es macht mir irre Spaß, das zu drehen“, sagt der Anwalt, der mittlerweile keine Zeit mehr hat echter Anwalt zu sein. Dann erzählte er, weshalb so viele Laien im Privatfernsehen zu sehen sind. Statt „Schauspieler“ sagt Lenßen immer „Darsteller“ und wieder einmal ist alles ganz simpel. Lenßen erklärte: „Wir brauchen Laien als Darsteller.“ Und weiter: „Es ist nicht anders finanzierbar.“ Eine Folge ist an einem Tag im Kasten. Beim „Tatort“ seien es ein paar Minuten. Das Privatfernsehen produziere billiger als ARD und ZDF. Lenßen sagte: „Der WDR hat mehr festangestellte Mitarbeiter als alle Privaten zusammen.“

Bücklein sucht Sponsor

Ein bisschen lahm war schließlich die Szene, in der Bücklein Renner anklagte und Lenßen ihn verteidigen sollte. Blumentöpfe, Juchtenkäfer und Rasenmäher elektrisierten das Publikum nicht. Wieder so richtig aufdrehen will Bücklein dann wieder bei einer Show mit den Konstanzer OB-Kandidaten am 22. Juni. Vorerst sucht er aber noch einen Sponsor. Um 18 Uhr soll die Show beginnen, da an diesem Abend ein EM-Spiel auf dem Spielplan steht. Das ist ein Risiko.

Bücklein-Openair als Alternative?

Vielleicht könnte Bücklein ja auch einmal über eine Freiluft Bückleinmusiktalkshow nachdenken. Die Luft im Quartierszentrum ist nämlich schon am Freitag dick gewesen. Die Klimaanlage schafft das im Juni nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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