Chefarzt Gert Müller-Esch muss Klinikum Konstanz verlassen

Rat beschließt am Donnerstagabend Trennung von Chefarzt – Personal demonstrierte für Mediziner

Klinikum KonstanzKonstanz. In einer Sondersitzung in den Osterferien hat der Konstanzer Stiftungsrat, der personell identisch mit dem Konstanzer Gemeinderat ist, beschlossen, sich von Chefarzt Gert Müller-Esch zu trennen. Die Sitzung war nicht-öffentlich. Vor dem Rathaus hatten Krankenhausmitarbeiter für die Weiterbeschäftigung des Arztes demonstriert.

„Vorkommnisse“ gaben den Ausschlag

Am Freitagmorgen teilte die Stadt lediglich mit, der Gemeinderat/Stiftungsrat der Stadt Konstanz habe am 28. April 2011 in der nicht-öffentlichen Sitzung beschlossen, sich vom Chefarzt des Zentrums für Innere Medizin am Klinikum Konstanz, Prof. Dr. med. Gert Müller-Esch, zu trennen. „Damit zog das Gremium die Konsequenz aus den Vorkommnissen der vergangenen Tage“, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Eine Rolle spielte anscheinend ein offener Brief, in dem die Krankenhausverwaltung kritisiert wird.

Im Dezember Rücktritt als Ärztlicher Direktor

Im Dezember vergangenen Jahres war Prof. Dr. Gert Müller-Esch als Ärztlicher Direktor des Klinikums Konstanz zurückgetreten. Im Vorfeld war Müller-Esch damals von ärztlichen Kollegen massiv kritisiert worden. Offenbar hatte es Pläne gegeben,  den Ärztlichen Direktor abzuwählen. Rainer Ott, Geschäftsführer des Klinikums, hatte im Dezember noch gesagt, er bedauere, dass diese Situation eingetreten sei.

Mitarbeiter mit Müller-Esch gegen Privatisierung

Das Krankenhauspersonal stand offenbar hinter Gert Müller-Esch, der ein entschiedener Gegner einer möglichen Privatisierung des Klinikums ist. Allerdings war der Chefarzt auch nicht in Jubelschreie ausgebrochen, als sich die Kommunen im Kreis für eine kreisweite Krankenhaus-Holding aussprachen. Die Holding soll das Überleben der Kliniken im Kreis Konstanz in öffentlicher Trägerschaft sichern. Wegen der Sitzung, die Sozialbürgermeister Claus Boldt einberufen hatte, unterbrach gestern Oberbürgermeister Horst Frank seinen Urlaub.

Foto: Klinikum Konstanz

 

Ein Kommentar to “Chefarzt Gert Müller-Esch muss Klinikum Konstanz verlassen”

  1. dk
    30. April 2011 at 11:10 #

    Jedenfalls ist es sehr angenehm und beruhigend, wenn man als Patient in schwieriger medizinischer Situation umgängliche und kompetente Menschen in den verschiedensten Funktionen um sich hat, weil man den Eindruck erhält, dass es ab sofort nur noch besser werden kann.

    Es wurde spürbar, dass intensive Gruppenarbeit zwingende Berufsanforderung ist, und dass trotz aller Widrigkeiten des Gesundheitswesens bzw. Sozialen Dienste (politisches Dauerthema) eine hohe Identifikation mit dem Beruf in gutem Abteilungsklima herrscht.

    Ob die Klinik für manchen über viele Jahre auch Heimat und zweites Zuhause geworden ist? Der abwegige Gedanke entstand jedenfalls. Man dachte auch über Job, Beruf und Berufung nach, was auch die eigene Motivationen beflügelte.

    Zukünftig werde ich bei Sportvereinen, die sich ihren Zuschauern als familiär, mit Herzblutt und Leidenschaft präsentieren, leicht lächeln und an das (noch unreformierte) Klinikum denken.
    Bei Medienberichten über den Geschlechterkampf und deren Aufarbeitung in Kultureinrichtungen dürfte es ein deutliches Lachen werden und die Erkenntnis, dass es auch weitere Regionen bzw. Räumlichkeiten gibt, wo eher „tiefer Frieden“ statt Waffenstillstand herrscht.

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