Christoph Nix fährt den Stachel aus

Theaterintendant setzt Fragezeichen hinters Überlinger Sommertheater

Überlingen (wak) Christoph Nix, streitbarer Konstanzer Theaterintendant, würde Oberbürgermeisterin Sabine Becker die rote Karte zeigen, falls sie auf die Idee kommen sollte, in Zukunft am Überlinger Sommertheater zu sparen. „Wenn reduziert wird, machen wir kein Sommertheater mehr“, sagte Nix am Dienstag bei einem Pressegespräch im Foyer der Spiegelhalle in Konstanz. Der Vertrag zwischen Stadt und Theater gilt bis 2011. Überlingen unterstützt das Sommertheater bis dahin jährlich mit 60 000 Euro.

Mutter Courage und ihre Kinder

Das Sommertheater in der ehemaligen Kapuzinerkirche ist anders als die vom Kulturamt organisierten Aufführungen kein Tourneetheater. Die Stücke, die das Ensemble des Konstanzer Stadttheaters auf die Bühne bringt, haben immer auch mit der Stadt und ihrer Geschichte zu tun. Christoph Nix ist ein unbequemer Theatermann und dafür bekannt, gelegentlich den Stachel auszufahren. Im April kommenden Jahres bringt das Stadttheater – was erst einmal wenig mit Überlingen zu tun hat – Bertolt Brechts Mutter Courage und ihre Kinder auf die Bühne. Inszenieren wird das Stück der junge isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson.

Nix denkt an Diehl BGT Defence

Christoph Nix fällt beim Stück, das Brecht im Dreißigjährigen Krieg spielen lässt, plötzlich Diehl BGT Defence GmbH & Co. KG in Überlingen ein. Technologien wie das Luft-Luft-Lenkflugkörper-Programm IRIS-T, der europäische Nachbau des US-amerikanischen Luft-Luft-Flugkörpers Sidewinder und das Mehrfach-Raketenwerfersystems MLRS kommen aus dem auf mehrere Standorte verteilten Unternehmen, das ein wichtiger Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler in Überlingen ist. Diehl BGT Defence beliefert Heer, Luftwaffe und Marine. Er sei einmal eigens am Werk in der Nussdorfer Straße vorbei gefahren, sagt der Theaterchef. „Alles sauber, clean.“ Nix redet sich in Rage und kommt auf die schöne friedliche Bodensee Landschaft, kleine angeblich in Deutschland entwickelte Maschinengewehre und Kindersoldaten zu sprechen. Die Neuinszenierung von Mutter Courage und ihre Kinder passe in die Zeit. In Überlingen, sagt Nix, will das Stadttheater Mutter Courage übrigens nicht auf die Bühne bringen, Überlingen sei ihm einfach nur so eingefallen.

Keine Wiederaufnahme von „Don Camillo und Peppone“

Überhaupt ging es ums Überlinger Sommertheater bei der Präsentation des Spielplans 2010/2011 des Konstanzer Stadttheaters nur ganz am Rande. Darüber, welche Stücke und Abende die Konstanzer in diesem Sommer in Überlingen planen, schwieg sich der Konstanzer Theaterintendant aus. Nur so viel: Das Theater soll den Unterhaltungsanspruch des Publikums genauso befriedigen wie den politisch-ästhetischen. In manchen Jahren hat es beim Sommertheater schon zwei Hauptstücke gegeben – ein andermal war es eine große Inszenierung. Erst im April sollen die Stücke, die in diesem Jahr in Überlingen auf die Bühne kommen, öffentlich genannt werden. Eine Wiederaufnahme von „Don Camillo und Peppone“, dem Erfolgsstück des vergangenen Jahres, werde es aber in diesem Sommer nicht geben, sagt Nix. Den sommerlichen Spielplan verkünden wird auch in diesem Jahr wieder der Förderverein Sommertheater Überlingen e.V..

Freilichttheater in Konstanz und/oder Überlinger Sommertheater

Wie oft der Förderverein Sommertheater Überlingen e.V noch einen sommerlichen Theaterspielplan präsentieren wird, ist nicht entschieden. Der Vertrag läuft noch bis 2011. Für weniger als die vereinbarten 60.000 Euro wäre das Sommertheater nicht machbar, sagt Nix. Nix kritisiert, dass die Volksbank Überlingen zwar das Theater sponsere, das Geld gehe aber an die Stadt und nicht an das Theater. Das Geld werde mit dem städtischen Zuschuss verrechnet, bemängelt Nix. Er beansprucht die Summe für sich. In Konstanz könnte es zudem ab 2011 eine sommerliche Konkurrenzveranstaltung geben. Im Juli 2011 inszeniert Christoph Nix auf dem Konstanzer Münsterplatz Victor Hugos Der Glöckner von Notre Dame. „Der Münsterplatz muss bespielt und von uns besetzt werden“, sagte Nix. Das Openair-Theater soll Anfang Juli 2011 Premiere in Konstanz feiern. Offenbar hat sich der Theaterintendant bisher noch nicht entschieden, ob er das Überlinger Sommertheater möglicherweise dem Konstanzer Freilichttheater opfern möchte. „Gibt man Überlingen auf oder hält man beide?“, fragte Nix am Dienstag in der Spiegelhalle. Klar ist wohl nur so viel: Sollte das Überlinger Sommertheater von der Stadt nach 2011 nicht mehr mindestens mit derselben Summe wie bisher unterstützt werden, würde Christoph Nix das Überlinger Sommertheater wohl sterben lassen.

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