„Concierge“ und Schlüssel für Carsharing-Autos fehlen noch

Über die erste internationale Mobilitätszentrale im Konstanzer Bahnhof

Konstanz (wak) Ankommende und Abreisende, die am Bodensee in Richtung Deutschland, Schweiz oder Österreich aufbrechen, begegnen sich in der Mobilitätszentrale des Konstanzer Bahnhofs. Wie wird diesen Menschen in Konstanz, wenn sie auf dem Bahnhof stranden, eigentlich geholfen? Gibt es hier Auskünfte über Zug- und Busverbindungen, über Anschlüsse, schnelle Verbindungen, Carsharing und Leihfahrräder?

40.000 Mobilitätsberatungen jedes Jahr

Schon vor Eröffnung der neuen Mobilitätszentrale gab es in den Räumen der Tourist-Information knapp 40.000 Mobilitätsberatungen jährlich. Das ist eine Menge in einer 82.000 Einwohner-Stadt. Zu tun haben könnte die große Nachfrage damit, dass Konstanz am Ende nationaler Bahn- und Straßenverkehrsnetze liegt, dass der See trennt und es ja für Reisende irgendwie weitergehen muss.

Tickets für  Deutsche Bahn AG und Schweizerische Bundesbahnen SBB

Die Deutsche Bahn AG und die Schweizerischen Bundesbahnen SBB sind in einem einzigen Raum vertreten. Durch eine Glasscheibe getrennt berät an einer langen Theke auch die Touristinformation Konstanz. Sogar ein Internetcafé gibt es. Bloß, wo steht hier eigentlich Mobilitätszentrale? Und was meint „umfassende Mobilitätsberatung“? Jürgen Ruff, Vorsitzender des Fördervereins, ist seit Eröffnung des internationalen Reisezentrums ziemlich zufrieden aber immer noch nicht ganz.

Sechs Punkte auf ToDo-Liste

Auf seiner ToDo-Liste stehen noch unerledigte Punkte wie Schlüsselausgabe für Carsharing-Autos, Tickets für die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB), der Schriftzug „Mobilitätszentrale“ und das Logo des Vereins, außerdem eine Kontakt- und Beschwerdestelle mitten im Raum und ein zusätzlicher Ansprechpartner mit „Concierge“-Funktion sowie ein Internetauftritt der Mobilitätszentrale Konstanz. „Wir haben schon drei Adressen reserviert“, erzählt Jürgen Ruff. Eigentlich, sagt er, sollte vor der Tür ein Carsharing-Auto stehen. Der Verein Ökostadt e.Vund Carsharing Südbaden bieten in Konstanz Autos an und kooperieren. Eine Beschwerdestelle wäre wichtig, weil dort die Weisheiten der Masse gesammelt und Verbesserungsvorschläge gemacht werden könnten. „Wenn zum Beispiel Verbindungen nicht passen“, sagt Jürgen Ruff. „Das ist modernes Denken.“ Zum Schluss fehlte offenbar das Geld und vielleicht auch der politische Wille. Zwei Drittel der Ideen seien aber umgesetzt, erklärt Ruff. Höchstens ein Drittel der potenziellen Dienstleistungen fehlten noch.

15 Jahre bis zur Mobilitätszentrale

Die Idee für eine Mobilitätszentrale wie sie jetzt verwirklicht worden ist, entstand in Konstanz schon vor etwa 15 Jahren. Am Anfang stand eine Stellungnahme der Konstanzer SPD zum damals diskutierten Verkehrsentwicklungsplan. Der Baubürgermeister hieß damals noch Ralf-Joachim Fischer. In der Amtszeit von Volker Fouquet wurde konzeptionell gearbeitet. Zuletzt machte Baubürgermeister Kurt Werner die internationale Mobilitätsberatung zu seiner Sache und brachte Deutsche Bahn und SBB zusammen.

Förderverein Mobilitätszentrale politisch am Ball

„Der OB hat es verstanden und durchgezogen“, so Ruff über die Anfänge der Mobilitätsberatung, eine Zeit, in der der Förderverein Mobilitätszentrale immer aufs Tempo drückte. Mitglieder waren Taxiunternehmer genauso wie das Stadtmarketing Konstanz, die SBB, die Fahrradstation Kultur-Rädle oder der BUND. „Die Zielgruppe waren am Anfang zuerst die, die weg wollen“, so Ruff. Mobilitätsberatung gibt es aber selbstverständlich in Konstanz auch für ankommende Reisende.

So wird geholfen…

Ihren Praxistest bestehen muss die neue Mobilitätszentrale ganz bestimmt am kommenden Wochenende, 12. und 13. Juni, wenn 100.000 Besucher zum großen grenzüberschreitenden Flohmarkt nach Konstanz kommen und – um ein Beispiel zu nennen – zeitgleich die Piratenpartei ihren Landesparteitag in der Wollmatinger Halle abhält. Allen werde geholfen, ist sich Ruff sicher. Wenn ein Pirat fragt, in welchen Bus er steigen müsse, um nach Wollmatingen zu kommen, sei das kein Problem. Sollte er sich für ein Leihfahrrad entscheiden, weil er abends noch zum Chillen an den See möchte, bekäme er ein Rad. Die Mobilitätszentrale würde ihn 100 Meter weiter zum Kultur-Rädle schicken, wo 120 Leihfahrräder stehen, wie Ralf Seuffert erzählt.

Wie man an ein Carsharing-Auto kommt

Und was würde passieren, wenn sich vier Piraten gern ein Carsharing-Auto nehmen möchten, weil sie campen wollen und viel Gepäck dabei haben? „Das ist hypothetisch“, sagt Jürgen Ruff. Zumindest ein Pirat müsste Mitglied in einer Carsharing-Organisation sein. Das ist die Voraussetzung. Er bekäme dann eine Info über den Stellplatz und darüber, wie er an den Schlüssel kommt. Doch soweit wird es voraussichtlich gar nicht kommen. Denn Piraten und viele andere Reisende planen sehr genau.Alle Infos gibt’s, wenn auch noch nicht auf einer Site der Mobilitätszentrale, zusätzlich im Internet und wer klug ist, hat das Carsharing-Auto schon reserviert. Den Schlüssel gleich am Bahnhof zu bekommen und wenige Schritte entfernt einsteigen zu können, wäre aber trotzdem sehr praktisch.

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