Connyland klagt gegen Deutsche Tierschutz-Organisation vor Schweizer Gericht in Kreuzlingen

Am Mittwoch entscheidet Gericht in Kreuzlingen – Importverbot hilft Delfinen in Zukunft

Lipperswil/Kreuzlingen/Hagen. Nachdem innerhalb von drei Jahren sechs Delfine im Delfinarium des Vergnügungsparks Connyland in Lipperswil im Kanton Thurgau gestorben waren, recherchierte das deutsche Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) „katastrophale Zustände“ und sprach in einem Leserkommentar der Zeitung „Blick“ von „Tierquälerei“. Dem WDSF soll jetzt mit einer Klage der Connyland-Betreiber untersagt werden, die Klägerin als „Tierquälerin“ zu bezeichnen, weil dies eine „widerrechtliche Persönlichkeitsverletzung“ sei, so das Connyland. Die Verhandlung findet am Mittwoch, 17. Oktober 2012, um 8:30 Uhr vor dem Bezirksgericht in Kreuzlingen statt. Das teilte das Wal- und Delfinschutz-Forum mit.

 Strafrechtlicher Tatbestand oder freie Meinungsäußerung

Connyland-Pressesprecher Erich Brandenberger meint, dass durch die Begriffsverwendung „Tierquälerei“ das WDSF mit seinem Geschäftsführer Jürgen Ortmüller einen strafrechtlichen Tatbestand beim Leser impliziert hätte, der aber nicht zutreffend sei. Das WDSF fordert in seiner Klageerwiderung gegenüber dem Gericht, dass die Aussage als freie Meinungsäußerung gewertet werden müsse.

Entscheidung des Gerichts

Gerichtspräsident Urs Haubensak anlässlich der anstehenden Hauptverhandlung: „Es ist darüber zu entscheiden, ob ein Durchschnittsleser bei den streitigen Veröffentlichungen vom Vorliegen eines strafrechtlich relevanten Verhaltens von Seiten der Gesuchstellerin (Anm. Connyland) ausgehen würde, oder ob der Leser – wie von der Gesuchsgegnerin geltend gemacht – es als allgemeine Kritik auffassen würde.“ Weiterhin sei im Hauptverfahren abzuklären, ob von Seiten des Veterinäramtes ein Strafverfahren gegen die Connyland AG eingeleitet worden sei, und die Beklagten ihre Vorwürfe damit auf wahre Tatsachen bzw. vertretbare Äusserungen stützen könnten.

 Tod der Delfine

Nachdem im November 2011 zwei weitere Delfine innerhalb einer Woche im Connyland-Delfinarium starben und die Todeszahl sich damit auf acht Tiere innerhalb von drei Jahren erhöhte, wurde auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft vom gerichtsmedizinischen Institut der Universität Zürich eine Obduktion mit dem Ergebnis durchgeführt, dass die Delfine an einer Antibiotikum-Vergiftung gestorben sind. Daraufhin leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden Tierärzte des Connyland ein, dessen Ergebnis bis heute nicht veröffentlicht wurde.

Verletzte Tiere

Jürgen Ortmüller vom WDSF: „Während der Delfin-Shows reiten die Connyland-Trainer stehend mit ihren Schuhen auf den empfindlichen Schnauzen der Delfine. Wir konnten den Fotobeweis liefern, dass Connyland-Delfine an den Schnauzen blutige Verletzungen hatten. Gegen zwei Connyland-Tierärzte wird wegen Verstoß gegen das Schweizer Tierschutzgesetz ermittelt. Seit Bestehen des Zirkus-Delfinariums sind dort laut Wal- und Delfinschutz-Forum rund 30 Delfine zu Tode gekommen. Die Tierschützer fragen: Was muss alles geschehen, bevor man der Meinung sein darf, dass das alles „Tierquälerei“ sei?

Delfinimport in Schweiz verboten

Nachdem das Schweizer Parlament nach intensiver öffentlicher Debatte im Mai 2012 ein Delfinimportverbot für die Schweiz beschlossen hat, bedeute dieser Beschluss wohl die Schließung des Connyland-Delfinariums im nächsten Jahr, wie auch Connyland-Sprecher Erich Brandenberger bestätigte, heißt es in einer Medienmitteilung der Tierschützer weiter.

Foto: privat

3 Kommentare to “Connyland klagt gegen Deutsche Tierschutz-Organisation vor Schweizer Gericht in Kreuzlingen”

  1. dk
    16. Oktober 2012 at 14:56 #

    Die „freie Meinungsäußerung“ scheint zumindest in Deutschland von so geringer Qualität zu sein, dass die Abo-Zahlen der Medien stark rückläufig sind: bei 2 der letzten Kommentaren wurde hier auf die nzz.ch verwiesen, die nicht nur vom Webdesign sehr positiv auffällt; ich schaue regelmässig bei tagesanzeiger.ch vorbei.

    In S-Anhalt musste ich wegen einer Zecke zum Arzt, nachdem eine WG-Kollegin des Studentenwohnheimes mich darauf aufmerksam gemacht hat. Entsprechend nervös mit schlimmen Ahnungen drehte der Arzt die Zecke heraus und meinte mürrisch „Man muss nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Je weniger, umso besser“.

  2. dk
    16. Oktober 2012 at 15:04 #

    Der Arzt in S-Anhalt hatte seine Meinung zuvor erläutert: „Die Zecken hier haben keine Krankheitserregern und sind völlig ungefährlich. Der gefährliche Typ kommt häufig in anderen Regionen vor“.
    Das kann heute anders sein; eine differenzierte und sachliche Darstellung wirkt auch heute noch positiv bei mir als Leser und geht häufiger ins Langzeit-Gedächtnis.

  3. Rüdiger
    17. Oktober 2012 at 17:39 #

    Gibt es schon Erkenntnisse, wie das Gericht geurteilt hat?

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