„Da werden Sie geholfen“

Einheitliche Behördentelefonnummer

telefon(wak) Wer in Zukunft das Finanzamt, die Kfz-Zulassungsstelle des Landratsamtes oder das städtische Bürgeramt anrufen möchte, braucht bald vielleicht nur noch eine neue einheitliche Behördennummer 115 wählen. Wenn der Überlinger Gemeinderat zustimmt, nimmt Überlingen an einem Pilotprojekt teil. Ärgerlich für die Bürger: Ein Anruf kostet 7 Cent pro Minute zum Beispiel vom Festnetz der Telekom. Aus Handynetzen kann es noch teurer sein. Zahlen muss auch, wer eine Flatrate hat. Dafür versprechen die Ämter: „Da werden Sie geholfen“.

Elterngeld oder Reisepass

Im März startete der Pilotbetrieb der einheitlichen Behördenrufnummer 115. Jetzt will auch der Bodenseekreis die neue Behördentelefonnummer einführen. Wer die neue Nummer wählt, soll unabhängig vom Grund seiner Anfrage – egal ob der richtige Ansprechpartner die Stadt, der Kreis, das Land oder der Bund wäre – eine qualifizierte Auskunft bekommen. Derzeit muss sich der Anrufer noch, bevor er wählt, entscheiden, ob er eine Frage ans Arbeitsamt hat, Informationen übers Elterngeld möchte, einen neuen Reisepass braucht oder von der Stadt wissen will, ob er einen Infostand vor dem Rathaus aufbauen darf. Momentan gehen jährlich etwa 22.000 Telefongespräche allein bei der städtischen Telefonzentrale ein. Nicht alle Anrufer dürften bei der Stadtverwaltung richtig sein.

Merke die 115

In den teilnehmenden Modellregionen brauchen sich Millionen Bürger dagegen nur noch eine Nummer zu merken, wenn sie Fragen zur Verwaltung haben. „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass der Betrieb stabil läuft und das D115-Serviceversprechen nicht nur eingehalten sondern übertroffen wurde“, erklärte der IT-Beauftragte der Bundesregierung zwei Monate später. Nach den – bedingt durch den medienwirksamen Auftakt – überraschend hohen Anrufzahlen im ersten Monat hatten sich die Zahlen inzwischen stabilisiert. Das Interesse an dem neuen Bürgerservice sei im gesamten Bundesgebiet hoch, heißt es in einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums.

Die Hälfte bekam sofort Auskunft

In einem Monat gingen bei der einheitlichen Behördenrufnummer bundesweit über 170.000 Anrufe ein. Davon kamen rund 110.000 aus dem Festnetz und etwa 60.000 Anrufe aus dem Mobilfunknetz. Innerhalb von 30 Sekunden sollen Anrufer einen Gesprächspartner am Behördentelefon haben. Sechs von zehn Anfragen konnten laut Innenministerium beim ersten Kontakt abschließend beantwortet werden.

Ranking der Anrufgründe

Zu den Top-15-Themen zählten im Zeitraum eines Monats Ausweisangelegenheiten, Führerschein, Elterngeld, Wohngeld, Hundesteuer, Finanzamt, Rente, Schwerbehindertenausweis, Kfz-Wesen und „Schweinegrippe“. Das Versprechen lautet frei nach Verona Feldbusch „Da werden Sie geholfen“. Mit dem Slogan hatte Telegate wiederholten für seine Telefonauskunft „11880“ geworben.

Telefonzeit bis 18 Uhr

Die 115 ist in den Pilotregionen derzeit von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Ziel sei es, 55 Prozent der 115-Anrufe beim ersten Anruf zu beantworten. Wenn eine Frage nicht sofort beantwortet werden kann, erhält der Anrufer innerhalb von 24 Stunden während der Servicezeiten eine Rückmeldung – je nach Wunsch per Mail, Fax oder Rückruf, heißt es in der Mitteilung des Innenministeriums.

Vom Handy bis 50 Cent pro Minute

Der Nachteil: Anrufe bei der 115 sind kostenpflichtig. 3 Cent werden zur Finanzierung der D115-Netztechnik verwendet, den Rest erhalten die jeweiligen Telekommunikationsanbieter. Die Kosten liegen bei: Festnetzpreise überwiegend 7 Cent, maximal 14 Cent / Anrufminute (inkl. USt.), Mobilfunkpreise überwiegend 17 Cent – 20 Cent maximal 50 Cent / Anrufminute (inkl. USt.).

Ein Kommentar to “„Da werden Sie geholfen“”

  1. idefix
    25. November 2009 at 10:23 #

    Diese Sache finde ich persönlich überhaupt nicht gut! Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich irgend ein Amt angerufen habe, musste ich mit Wartezeiten rechnen, bis ich meinen Ansprechpartner am Telefon hatte . Bei einem Ortsgespräch war das egal. Aber wie hoch sind dann meine Telefonkosten, wenn ich wieder warten „darf“? Es MUSS doch ein kostenloser SERVICE für uns Bürger sein, wenn wir etwas von unseren Ämtern benötigen. Sind dafür nicht auch die von uns bezahlten Steuergelder mit angedacht?
    Und wieso sollte ich nicht im Zeitalter des Computers das E-Mail nutzen, welches kostenlos ist? Fast jedes Amt hat Internetseiten – und dort kann ich mit meinem Anliegen per E-Mail Kontakt aufnehmen und bekomme auch eine Antwort. Sollte ich in der Hälfte sein die nicht sofort eine Antwort bekommt, wird auf Wunsch per E-Mail geantwortet. Also muss ich mit meinem Anruf – der richtig Geld kostet – diesen Leuten nicht noch den Geldbeutel füllen! Meiner Meinung nach ist dieses Pilotprojekt so überflüssig wie ein Gropf!!!! Hier füllen sich wieder einmal Betreiber dieser kostenpflichtigen „ServiceNummer“ auf Kosten der Bürger die Taschen! Ich werde das nicht unterstützen und hoffe, dass noch mehr Bürger sich diesem blödsinnigem Pilotprojekt verweigern!!!!!!

    Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihrer Internetzeitung ein Kompliment aussprechen. Ich bin auf Sie durch eine Anzeige im Hallo Ü aufmerksam geworden und finde die Idee und auch das Erscheinungsbild sehr gut. Witzigerweise haben Sie einen kostenlosen Anzeigemarkt anzubieten – und die Ämter wollen für`s telefonieren Geld! Wie verrückt ist diese Welt eigentlich?
    Machen Sie bitte weiter so. Ich empfehle Sie gerne weiter!

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