Das schwimmende Literaturhaus legt in Konstanz ab

Lesung auf dem Bodensee mit Eveline Hasler, Arnold Stadler, Robert Menasse und Björn Kern

Konstanz. Am Samstag, 25. September 2010, startet die „Graf Zeppelin“ zu einer abwechslungsreichen nachmittäglichen Lesereise. In diesem Jahr wartet die Litera-Tour erneut mit einer attraktiven Besetzung auf: es lesen Eveline Hasler, Arnold Stadler, Robert Menasse und Björn Kern.

Eveline Hasler

„Und werde immer Ihr Freund sein. Hermann Hesse, Emmy Hennings und Hugo Ball“

Eveline Hasler wurde in Glarus geboren, studierte Psychologie und Geschichte in Fribourg und Paris und war einige Zeit als Lehrerin tätig. Heute lebt sie im Tessin. Sie schreibt vor allem historische Romane, aber auch Lyrik, Kinderbücher, Kolumnen, Reportagen sowie Radio- und Zeitschriftenbeiträge. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Schubart-Literaturpreis, dem Meersburger Droste-Preis für Dichterinnen und dem Justinus-Kerner-Preis. Ihre Bücher wurden bisher in zwölf Sprachen übersetzt.

Auf der Litera-Tour liest Eveline Halser aus ihrem neuen Buch „Und werde immer Ihr Freund sein. Hermann Hesse, Emmy Hennings und Hugo Ball“. Das Buch führt zurück in die Schweiz im Dezember 1920: Im Tessiner Dörfchen Cassarate lernen Emmy und Hugo Ball den Schriftsteller Hermann Hesse kennen. Jeder von ihnen hat eine schwierige Zeit hinter sich. Hesse befindet sich mitten in der Arbeit an „Siddharta“. Hugo Ball verlor auf tragische Weise seinen geliebten Freund Hans Leybold. Und Emmy Hennings, frisch mit Ball verheiratet, hat eine unruhige Zeit voller Liebhaber und Drogen durchlebt. In ihrem mitreißenden Roman erzählt Eveline Hasler von der Begegnung dieser drei schöpferischen Menschen und von den Jahren davor, der wilden Zeit der Avantgarde in München und Zürich.

Björn Kern

„Das erotische Talent meines Vaters“

Björn Kern wurde 1978 in Lörrach (Baden) geboren. Er studierte in Tübingen, Passau und Aix-en-Provence sowie am Deutschen. Literaturinstitut Leipzig. Für seine Bücher erhielt er unter anderem den Brüder-Grimm-Preis und das Stipendium der Casa Baldi. Derzeit lebt er in Südbaden und in Berlin. In seinen Büchern hat Björn Kern bereits zu einer ganz eigenen narrativen Melodie gefunden. Auf der Litera-Tour stellt er sein neues Buch vor: „Das erotische Talent meines Vaters“ – „sprachlich absolut grandios und spannend erzählt“ (FAZ.NET).

Der Autor erzählt von der Rückkehr eines Sohnes zum Alt-68er-Vater in die langsam verfallende Bodenseevilla, um die Chancen für eine Versöhnung der getrennten Eltern auszuloten. Der Vater stellt den Sohn, der als Pfleger arbeitet, vor nicht wenige Rätsel….

Robert Menasse

„Ich kann jeder sagen: Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung“

Robert Menasse wurde 1954 in Wien geboren und ist auch dort aufgewachsen. Er studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina und promovierte im Jahr 1980 mit einer Arbeit über den „Typus des Außenseiters im Literaturbetrieb“. Menasse lehrte anschließend sechs Jahre an der Universität São Paulo. Dort hielt er vor allem Lehrveranstaltungen über philosophische und ästhetische Theorien ab. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien 1988 arbeitet er als Schriftsteller und kulturkritischer Essayist.

2009 erschien von Robert Menasse das Buch „Ich kann jeder sagen: Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung“. Dreizehn Ich-Erzähler erinnern sich an Erlebnisse und Ereignisse, die prägend wurden für ihr Leben. Erinnerungen an den Tag, als John F. Kennedy erschossen wurde, als die RAF in Wien den Industriellen Palmers entführte, als die Mauer fiel, als Griechenland Fußball-Europameister wurde. Menasses Buch zeichnet sich aus durch bestechende Intelligenz, große Freude am Sprachspiel und einen ausgeprägten Humor. »Wenige können so unterhaltsam philosophische Geschichten schreiben“ (Christoph Schröder, Zeit online).

Arnold Stadler

„Salvatore“

Arnold Stadler wurde 1954 in Meßkirch geboren. Er studierte katholische Theologie in München und Rom, anschließend Literaturwissenschaft in Freiburg, Bonn und Köln. Er lebt derzeit in Sallahn/Wendland und in Rast über Meßkirch. Stadler erhielt unter anderem 1999 den Georg-Büchner-Preis und 2009 den Kleist-Preis. 2010 wurde er mit dem Johann-Peter-Hebel-Preis für seine Trilogie „Feuerland“, „Ich war einmal“, „Mein Hund meine Sau mein Leben“ geehrt. Sie ist 2009 in stark bearbeiteter Fassung in dem Band „Einmal auf der Welt. Und dann so“ neu erschienen. Stadler steht für eine Literatur, „in der sich Komik und Verzweiflung gegenseitig in Schach halten und keine das letzte Wort behält“ (aus der Begründung des Büchner-Preises).

In diesem Jahr erschien Arnold Stadlers neuer Roman „Salvatore“. Er konfrontiert darin seinen Helden, einen in Deutschland lebenden Italiener namens Salvatore, mit dem Evangelium des Matthäus, und zwar nicht zuletzt in Gestalt seiner Verfilmung durch Pier Paolo Pasolini. Pasolini hat aus einem Buch, dem Evangelium, einen Film gemacht, Arnold Stadler macht aus diesem Film wieder ein Buch, das von der Sehnsucht nach dem ganz anderen erzählt.

Das schwimmende Literaturhaus

Die LITERA-TOUR des Internationalen Bodensee-Clubs gehört zum festen Bestandteil des Bücherherbstes in der Euregio Bodensee. Mit ihrer Kontinuität zählt sie zu den gelungenen Experimenten, neue Formen für die Literaturvermittlung zu finden. Die Kreuzfahrt gilt als gelungenes Literaturerlebnis, das mittlerweile gerne auch von anderen Veranstaltern kopiert wird. Was macht den Erfolg der Veranstaltung aus? In erster Linie natürlich die Lesung hochkarätiger Autoren, die man während einer Veranstaltung kennen lernen kann. Wer die Gästeliste der vergangenen Jahre Revue passieren lässt, begegnet einer illuster besetzten Runde der zeitgenössischen deutschsprachigen Literaturszene: Martin Walser, Adolf Muschg, Brigitte Kronauer, Urs Widmer, Herbert Rosendorfer, Hanns-Joseph Ortheil, Thomas Hürlimann, Monika Maron und u.a. haben als vorlesende Passagiere ihre Bücher präsentiert und für einen Nachmittag eine Kreuzfahrt auf dem Bodensee gestaltet. Und ein weiterer Erfolgsfaktor ist natürlich der außergewöhnliche Rahmen: die Schiffsplanken verwandeln sich eine Fahrt lang zum nautischen Literaturhaus. Das schöne dabei ist, dass das Event nie seine Balance verliert, das Schiffsspektakel nie die Literaturvermittlung dominiert.

  • Abfahrt Hafen Konstanz: 14 Uhr
  • Abfahrt Hafen Kreuzlingen 14.10 Uhr
  • Abfahrt Hafen Meersburg 14.40 Uhr
  • Rückkehr Konstanz 19.05 Uhr
  • Vorverkauf:
  • Konstanz
  • Bücherschiff, Paradiesstr. 3
  • Tel. 0049 (0) 75 31/2 60 07
  • Homburger & Hepp, Munsterplatz 7
  • Tel. 0049 (0) 75 31/9 08 10
  • Bücherstube am See, Emmishofer Str. 3
  • Tel. 0049 (0) 75 31/2 21 76
  • Osiandersche Buchhandlung, Kanzleistr. 5
  • Tel. 0049 (0) 75 31/2 82 37 80
  • Fahrkartenschalter der Schiffsbetriebe
  • Tel. 0049 (0) 75 31/28 13 98
  • Tickets kosten Mitglieder € 18/ CHF 27, Nichtmitglieder € 23/ CHF 35, Schüler/Studenten € 9/ CHF 14
  • Alle Infos auf der Website

4 Kommentare to “Das schwimmende Literaturhaus legt in Konstanz ab”

  1. Andreas Heide
    15. September 2010 at 06:08 #

    Bei dieser Werbe-Presssemeldung fehlen die entscheidenden Informationen:
    – Lesen die vier Autoren nacheinander in einem Saal oder gleichzeitig auf den verschiedenen Decks des Schiffes?
    – Wann legt das Schiff wieder in Konstanz an?
    – Wieviel kostet die Mitfahrt?

  2. wak
    15. September 2010 at 09:07 #

    Die Autoren lesen gleichzeitig auf den verschiedenen Decks.Die Autoren, die zuerst auf dem Unterdeck lesen, lesen anschließend auf dem Oberdeck, so dass niemand aus dem Publikum einen Autor verpasst.

  3. Hannelore Geiger
    17. September 2010 at 19:09 #

    Ich habe mir schon ein Ticket gekauft, bin jetzt aber basserstaunt, dass es (angeblich nur) 18.–€ kostet, im schlechteren Fall 19.– €. Ich habe deutlich mehr bezahlt. Was stimmt ? Eine Anregung fürs nächste Mal: auf die Tickets oder einen automatisch damit verteilten Flyer die Abfahrts- und Ankunftzeiten drucken. Danke und bis bald. H.G.

  4. wak
    17. September 2010 at 19:17 #

    Sorry das war der Wurm drin, die Angaben der Veranstalter waren zunächst unvollständig und der Ansprechpartner nicht zu erreichen. Er nannte dann offenbar den vergünstigten Preis für Mitglieder. Der Link zur Website kam erst später.

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