Das verlassene Woolworth – Spielball von Spekulanten

3500 Quadratmeter in bester Citylage – Absage aus Düsseldorf

Konstanz (gro) 3500 Quadratmeter Geschäftsfläche im Konstanzer Stadtzentrum liegen seit zweieinhalb Monaten brach. Eigentümer der Immobilie an Kanzleistrasse und Marktstätte, wo das ehemalige Woolworth-Kaufhaus 40 Jahre lang bis zuletzt gute Umsätze erzielte, ist der New Yorker Finanzkonzern Cerberus, der das Anwesen vor 3 Jahren erwarb. Die Mietpreisvorstellungen der New Yorker gelten als überrissen. Ottmar Hermann, der Frankfurter Insolvenzverwalter von Woolworth Deutschland, hat den Auftrag zurückgegeben, nach Interessenten für das Geschäft in bester City-Lage zu suchen. Auch Peek & Cloppenburg, der Edeltextiler, der sich seit vielen Jahren für den Standort Konstanz interessiert, hat inzwischen abgewunken.

Die europäische Tochter in den Niederlanden

Die Absage von Peek & Cloppenburg aus Düsseldorf war knapp und deutlich: „Nein, kein Interesse mehr!“, hiess in der rheinischen Niederlassung des Hamburger Handelshauses, die für die Expansion im Süden Deutschlands zuständig ist. Die Suche nach Mietinteressenten hat inzwischen die Berliner Firma Acrest übernommen. Sie berichtet direkt an die Promontoria Holding im holländischen Baarn. Die wiederum ist eine europäische Tochter der Cerberus Capital Management Limited Partnership. Cerberus, 1992 in New York gegründet, hat bisher rund 25 Milliarden US-Dollar in weltweit etwa 300 Unternehmen investiert, meist in Verbindung mit dem Erwerb von Immobilien.

Geschäfte mit der Deutschen Bank und dem Gewerkschaftsbund

In Deutschland kam Cerberus vor allem mit der Deutschen Bank und mit dem Gewerkschaftsbund ins Geschäft. Von Ersterer erwarb Cerberus vor knapp 6 Jahren 7.500 Wohnungen, die in der in Wilhelmshaven residierenden Jade Immobilien Management GmbH zusammengefasst sind. Fast gleichzeitig kauften die US-Amerikaner die Gemeinnützige Siedlungs-und Wohnbaugesellschaft Berlin mbH (GSW), das grösste private Immobilienunternehmen der Hauptstadt.

23.000 Wohnungen und eine komplette Bank

Im November 2005 erwarb Cerberus nicht weniger als 23.000 Wohnungen, die meisten in Niedersachsen, von der gewerkschaftseigenen Holding BGAG (vormals „Neue Heimat“). Über den Kaufpreis wurde zwar Stillschweigen vereinbart. Doch Eingeweihte schätzen den Kaufpreis auf rund 1 Milliarde Euro. Im Jahr darauf gelang es Cerberus, sich unter anderem 10 deutsche Gewerkschafshäuser unter den Nagel zu reissen, darunter auch das ver.di-Gewerkschaftshaus in Hannover.

Auch eine Bank legte sich Cerberus 2006 zu: die Wiener BAWG, die dem Österreichischen Gewerkschaftsbund gehörte und von eben diesem in schwere Turbulenzen gewirtschaftet worden war. Die 3,2 Milliarden Euro, die der New Yorker Trust bezahlte, kamen dem ÖGB in höchster Not gerade recht. Von gewerkschaftlichem Beistand verlassen fühlen sich bis heute die Mitarbeiter der einstigen Woolworth-Warenhäuser. Rund 11.000 Frauen und Männer verloren ihren Job, knapp 80 allein in Konstanz.

Foto: wak

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