Dass die Oberen oben bleiben

Zur Premiere von „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“

Konstanz (wak) Für seine Inszenierung „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ braucht der Schweizer Samuel Schwarz im Konstanzer Stadttheater keine vier Stunden. Ihm reichen höchstens 75 bis 80 Minuten. „Viel vom Plot fällt weg“, berichtet der Regisseur. Die sowieso schon kürzere Hörspielfassung des Brecht Stückes sei eine „gute Komprimierung“. Premiere ist am  Freitag, 22.Januar, um 20 Uhr im Konstanzer Stadttheater.

Was die Gesellschaft zusammenhält

Was fehle, ergänzten die Zuschauer im Kopf, sagt Schwarz. Und überhaupt könnten die Zuschauer fast die Augen schließen. Aufs „Audio“ kommt’s an. Samuel Schwarz schwadroniert. „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ rückt vorübergehend in den Hintergrund. Auf die Ohren gibt’s beim kleinen Vorgespräch im Foyer des Stadttheaters Kritik. Es ist eine sehr fundamentale Kritik an dem, wie die Gesellschaft funktioniert. So könnte man es sagen. Samuel Schwarz analysiert genau – die Zeit, die Finanzkrise, den Wohlklang von Stimmen und wie alles miteinander zusammen hängt. Das Brecht-Stück „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ hat noch immer viel mit dem Hier und Jetzt zu tun.

Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so

Samuel Schwarz redet von der Verteilung des Reichtums, von Betrug, Diebstahl und, dass es trotzdem keine Revolte gibt. „Das liegt an der Demografie“, sagt der Theaterregisseur. „Alte gehen nicht auf die Straße.“ Seelenruhig nehmen die Menschen hin wie das Gesellschaftsvermögen zur Rettung der Banken verwandt werde. So beobachtet es Samuel Schwarz messerscharf. Die „Heilsarmee“ ist irgendwie durch die Beschallung neo-liberal-christlicher Radiosender ersetzt worden, sagt er. Die Medienindustrie mit ihren Casting-Shows helfe bei der Bewahrung der Ruhe. Es geht um die Funktion der Pop-Kultur. Cornelia Steinwachs kommt auf Horkheimer und Adorno zu sprechen.

Theater ein Teil des Systems

Und die Rolle des Theaters? Samuel Schwarz macht sich keinerlei Illusionen. „Es ist Teil des Systems“, sagt er. Zumindest sei es es beim Stadttheater mit seinen hierarchischen Strukturen so. „Schauspieler, Theaterschaffende und Autoren müssten die Häuser übernehmen“, ruft Schwarz seinen Gesprächspartnern zu. Kritische Kunst zu machen, sei in diesen Verhältnissen nicht möglich. „Kreativität verkommt.“

Der Plot

Es ist kalt auf Chicagos Schlachthöfen. Das muss auch Johanna Dark erfahren, als sie zum (aussichtslosen) Kampf gegen das Kapital antritt. Ihr Kontrahent ist der Fleischkönig Pierpont Mauler – ein Geschäftsmann durch und durch, aber mit der Sehnsucht nach Höherem. Johanna will Gott wieder aufrichten – unter den Armen. Sie meint, auch Mauler zur guten Sache bekehren zu können. Der will sich von Johanna den unter aller Profitgier schlummernden menschlichen Kern bestätigen lassen. Die Idealistin und der Kapitalist – eine unmögliche Liebesgeschichte. Denn trotz aller humanitären Sehnsucht führt der Spekulant Mauler die Fleischindustrie Chicagos in die Krise – und nimmt dabei bewusst die existentielle Not der Arbeiter in Kauf. Johanna erfährt die soziale Kälte schließlich am eigenen Leib und muss erkennen, dass eine Veränderung des Systems nur durch Gewalt möglich ist.

In der Hörspielfassung von 1932

Zu sehen ist „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ in einer Inszenierung von Samuel Schwarz, Ausstattung Cristina, Nyffeler /Komposition Michael Sauter /Dramatugie Cornelia Steinwachs/mit Jessica Rust, Susi Wirth; Thomas Ecke,Thomas Fritz Jung, Michael J. Müller, Alexander Peutz, Heimo Scheurer und Yannick Zürcher. Premiere ist am Freitag, 22.Januar, um 20 Uhr im Konsanzer Stadttheater. Auf die Bühne kommt „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ von Bertolt Brecht nach der Hörspielfassung von 1932. Weitere Vorstellungen:  Sonntag 24.01, 18:00, Mittwoch 27.01, 15:00,  http://www.theaterkonstanz.de/tkn/veranstaltungen/02194/index.htm?events=all

Fotos: Ilja Mess


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