„Der Kulturinfarkt“: Dieter Haselbach stellt sich Diskussion an Zeppelin Universität

Streitschrift seit Wochen Aufreger in der Kulturszene – Mitautor stellt sich in Friedrichshafen der Diskussion

Friedrichshafen/Konstanz. Die Provokation ist ein Aufreger. Sind die Hälfte aller deutschen Museen und Theater überflüssig? Dies behauptet zumindest der Marburger Soziologe Professor Dr. Dieter Haselbach. Am Mittwoch, 18. April, verteidigt seine umstrittene These in einer öffentlichen Diskussion ab 13 Uhr an der Zeppelin Universität (ZU). Der Konstanzer Theaterintendant Christoph Nix und der Leiter der Städtischen Museen in Konstanz, Tobias Engelsing, haben sich über die Streitschrift empört.

Streitschift „ Der Kulturinfarkt“

Mit ihrem aktuellen Buch „Der Kulturinfarkt: Von Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat, Kultursubvention“ haben Dieter Haselbach und seine Co-Autoren Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz einen Sturm der Empörung in der Kulturszene ausgelöst. Die Autoren erklären die Hälfte der deutschen Kultureinrichtungen für verzichtbar. Und sie werfen die Frage auf, ob die deutschsprachigen Länder überhaupt so viel Kultur brauchen, wie sie glauben, sich leisten zu müssen. Das kulturelle Geschäft habe sich verselbstständigt, es kreise nur noch um sich selbst und um die Verwaltung der Fördergelder, so das Fazit Haselbachs und seiner Mitautoren.

Kommerzdenkende Kunstschaffende

An Künstler und Kulturvermittler stellt Haselbach die Forderung, marktgerecht zu produzieren. Sie sollen sich nicht länger gegen das Kommerzdenken sträuben, sondern wie Unternehmer immer zuerst die Nachfrage im Auge behalten. In der Diskussion mit Wissenschaftlern, Studierenden und Gästen geht es an die Fundamente des etablierten Kulturbetriebs.

Gegenrede von Verteidigern des Kulturbetriebs

Engesing hatte auf dem Blog See-Online dagegen gehalten und unter anderem erklärt: „Eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft, die damit begänne, das Überlebensrecht ihrer Bildungseinrichtungen nur nach den Überschüssen ihrer Bilanz zu bewerten, gäbe letztlich die fundamentalen Werte ihrer Kultur preis.“ Intendant Christoph Nix hatte sich ähnlich geäußert, als er sagte, die Autoren von „Kulturinfarkt“ hätten jahrelang wie die Maden im Speck als selbsternannte Kulturmanager von den Einrichtungen gelebt, die sie jetzt abschaffen wollten.

Die Veranstalter

Die Veranstaltung entstand in Kooperation zwischen dem Europäischen Zentrum für Nachhaltigkeitsforschung an der ZU, den ZU-Forschungsverbünden „Mediatisierte Moderne“ und „Kulturproduktion der nächsten Gesellschaft“, dem Karl-Mannheim-Lehrstuhl für Kulturwissenschaften sowie dem Lehrstuhl für Marketing.

Anmeldungen unter www.zu.de/veranstaltungen

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.