Destination Bodensee schielt auf große Reiseveranstalter

Erster Incoming Workshop Bodensee in Vorarlberg stärkt Tourismusbranche

Bregenz/Lochau (red) Der Bodensee ist im Urlaubsfieber. Während die deutschen WM-Spieler in Südafrika am Freitag auf Serbien treffen, treffen Touristiker aus den drei Bodenseeanrainerstaaten und dem Fürstentum Liechtenstein derzeit auf Einkäufer touristischer Leistungen aus West-, Nord- und Osteuropa. Ziel des ersten Incoming Tourismus Workshop Bodensee ist, die Region großen Reiseveranstaltern und -büros von der Ukraine über Skandinavien bis nach England als grenzüberschreitende und besonders vielfältige Urlaubsdestination zu präsentieren.

Bodensee will wichtiger werden für internationale Reisemärkte

Neben konkreten Vereinbarungen, die sich auch auf die Buchungszahlen auswirken sollen, wird der Workshop dem Bodensee mittel- und langfristig in internationalen Reisemärkten deutlich mehr Gewicht verleihen – so hoffen es wenigstens die Initiatoren. Für die veranstaltenden Tourismusorganisationen rund um den See und die Internationale Bodensee Tourismus GmbH ist der Workshop Teil einer „nachhaltigen Positionierungsstrategie“ und soll in ein- bis zweijährigem Turnus wiederholt werden. Die dreitägige Auftaktveranstaltung mit umfangreichem Programm geht heute, 15. Juni, am Vorarlberger Bodenseeufer zu Ende. Künftig soll der Workshop abwechselnd von den jeweiligen Anrainerländern ausgerichtet werden.

Bodensee bietet einzigartige Abwechslung

Was bei der Verkehrsanbindung oder in der Wirtschaft oftmals Hindernisse mit sich bringt, ist im Tourismus ein bislang oft vernachlässigter Erfolgsfaktor: Vier Länder garantieren mit einer einzigartig schönen Natur, einmaliger Tradition, typischer Küche und weit über die Grenzen bekannten Sehenswürdigkeiten vor allem eines: Abwechslung. Das ist die Botschaft des ersten Incoming Workshop Bodensee an die internationalen Gäste, die in der Blauen Lounge des Bregenzer Festspielhauses zum Beispiel auf Vertreter von Vier-Sterne-Hotels, Schifffahrtsbetrieben für Bodensee und Rhein, Betreiber von Freizeitparks, Tourist-Offices sowie den Flughafen Friedrichshafen und Transferunternehmen aus der internationalen Bodenseeregion trafen.

Geld kommt aus vier Ländern

Der Incoming Workshop Bodensee wird von einer Trägerschaft unter dem Dach der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH (IBT) ausgerichtet und finanziert. Zu den Trägern zählen neben der IBT und dem Flughafen Friedrichshafen die Tourismusorganisationen aus Vorarlberg und den Schweizer Kantonen St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen und dem Fürstentum Liechtenstein.

Bedeutung des Incoming-Segments oft unterschätzt

In der Praxis fehlt es rund um den Bodensee noch vielfach an der Ausrichtung des Tourismusangebotes auf die Bedürfnisse internationaler Gäste und Märkte, so eine Feststellung. Professionelle Incoming-Angebote und -Services seien jedoch wichtig, um die Zukunft der Branche zu sichern. Ebenso müsse das Bewusstsein der Touristiker dafür geschärft werden, dass der Gast von morgen hohe Ansprüche an die Urlaubsregion hat und immer öfter aus dem europäischen Ausland komme.

Internationales Urlaubsziel für in- und ausländische Gäste


Für Daniela Pahl-Humbert, Geschäftsführerin der Internationale Bodensee Tourismus GmbH, steht der Bodensee für Urlaub mit den Schwerpunkten Kultur, Vital und Aktiv, Genuss/Kulinarik und Natur. „Eine Sichtweise, die der Workshop unterstützt. Er ergänzt den Ansatz der IBT, den Bodensee als internationale Destination zu vermarkten“, erklärt Pahl-Humbert. Ein wichtiges Instrument hierfür sei auch die Bodensee-Erlebniskarte, die in diesem Jahr bereits über 180 Ausflugsziele umfasst und von der Marketingorganisation erfolgreich vertrieben wird – 2009 bereits an rund 27.000 Gäste.

8,7 Millionen gewerbliche Übernachtungen

Vergangenes Jahr verzeichnete die gesamte Bodenseeregion grenzüberschreitend 8,7 Millionen gewerbliche Übernachtungen und 2,9 Millionen Ankünfte im Gebiet der Gesellschafter der IBT. Das durchschnittliche jährliche Wachstum von einem Prozent habe durchaus noch Steigerungspotenzial. Bislang konzentriere sich der „klassische“ Bodenseetourismus jedoch zu 73 Prozent der Ankünfte auf die Gemeinden am deutschen Ufer. Auch werde der See noch überwiegend von Gästen aus Deutschland besucht. Das sind die ersten Ergebnisse einer Analyse im Rahmen des Projektes „Positionierung Bodensee“ der IBT. Das Projekt erarbeitet im Rahmen der künftigen Ausrichtung des Bodenseetourismus eine Internationalisierungsstrategie. Hier sei der Incoming Workshop ein erster Schritt auf dem Weg der Umsetzung.

Incoming-Drehkreuz Bodensee-Airport

Für den Bodensee-Airport Friedrichshafen soll der Fachevent ein wichtiges Signal an die internationalen Reisemärkte sein. „Der Workshop wird den touristischen Stellenwert der Bodenseeregion stärken“, ist Geschäftsführer Hans Weiss überzeugt. Die Idee, eine entsprechende Veranstaltung am Bodensee zu initiieren, werde vom Flughafen bereits seit 2003 verfolgt – aus Eigeninteresse, was Weiss gerne zugibt. Der Flughafen sei daran interessiert, dass Flugverbindungen nicht nur von sondern auch nach Friedrichshafen gut und gleichmäßig ausgelastet sind. Eine gesteigerte Nachfrage könne mittelfristig zu neuen Flugverbindungen führen, was den Airport für Fluggesellschaften noch attraktiver machen würde. Welches Potenzial der Incoming-Tourismus hat, zeigt ein Blick auf die Statistik des Bodensee-Airports: Von 2003 bis 2009 stieg der Anteil der Ankünfte bereits von 18 auf über 30 Prozent der 600.000 Fluggäste. Der Workshop könnte das Wachstum weiter beschleunigen und die Besucher der Bodenseeregion idealerweise auf bis zu 50 Prozent aller Flugreisenden ansteigen lassen.

Neue Angebote und Internationalisierung im Fokus


In Vorarlberg habe das Incoming-Segment bereits heute großen Stellenwert, bestätigt Christian Schützinger, Geschäftsführer von Vorarlberg Tourismus. Internationalisierung sei neben der Angebots- und Produkterweiterung eines von zwei definierten Handlungsfeldern im Tourismusmarketing, das auf ein wachsendes Netzwerk von Partnerbetrieben zurückgreifen kann. Vorarlberg Tourismus habe es sich zum Ziel gesetzt, die Ankünfte aus fremdsprachigen Märkten bis 2015 von 230.000 auf 300.000 Gäste zu erhöhen. „Diesem Ziel ist das Land mit der Ausrichtung des 1. Incoming Workshop wieder ein Stück näher gerückt“, ist Schützinger überzeugt. In einigen Zielmärkten würden die gesetzten Wachstumsquoten bereits heute erreicht, im Falle von Polen und der Tschechischen Republik die Zielwerte sogar schon übertroffen.

Destination gemeinsam stark

In der Ostschweiz ist der Incoming-Tourismus noch relativ schwach entwickelt. So lag die Zahl der ausländischen Gäste 2009 bei 770.000 Übernachtungen und damit unter der Bevölkerungszahl der Region. „Um dies zu ändern, werden die Tourismusorganisationen der Ostschweiz künftig vor allem grenzüberschreitende Angebote forcieren“, erklärt Boris Tschirky, Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus und Sprecher der Schweizer Träger des Incoming Workshop Bodensee. Dieser sei ein gutes Beispiel dafür, wie selbst Regionen mit einem zwar spannenden, aber touristisch noch wenig bekannten Angebot durch gemeinsames Auftreten an Attraktivität gewinnen. „Für sich alleine genommen hätte keine der Regionen bei den internationalen Einkäufer so ein Interesse hervorgerufen wie alle zusammen“, so das Resümee des Schweizers.

Foto: wak/Blick von Vorarlberg auf die Insel Lindau.

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