Die Energieversorger der Region Bodensee sind stinksauer

Atomkraftwerkszeitverlängerung

Friedrichshafen. Für „krottenfalsch“ hält nicht nur der energiepolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Knapp, den Atomdeal der Bundesregierung. Auch die örtlichen Energieunternehmen sind frustriert. Sie trafen sich auf Einladung von MdL Norbert Zeller.

Planungen kleiner Energieunternehmen futsch

Der Deal beschäftigt seit Wochen nicht nur die Medien: Die Bundesregierung hat die Forderung der Atomkonzerne EnBW, RWE, Vattenfall und E.ON erfüllt und sich auf die Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke um im Schnitt 12 Jahre verständigt. Damit müssen einzelne KKW erst 2040 vom Netz gehen. Mit dieser Entscheidung, die sie urplötzlich getroffen hat und all ihre Planungen über den Haufen wirft, sehen die kleinen Energieunternehmen vor allem den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energie und damit ihre Milliardeninvestitionen gefährdet.

SPD-Politiker Knapp: völlig falsche Entscheidung

Die Entscheidung von Schwarz-Gelb in Berlin habe den kommunalen Stadtwerken jede Verlässlichkeit und Stetigkeit entzogen, weil nun jede Investition ein Risiko für sie darstelle, monierte MdL Norbert Zeller, der sich klar zum Ausbau kommunaler Stadtwerke bekennt, die nötiger denn je für die kommunale Daseinsvorsorge seien, wie er gestern der SZ sagte.

„Den Atomdeal halten wir für krottenfalsch“, kritisierte der energiepolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Knapp. Jetzt sei jede Verlässlichkeit vom Tisch, und : „kein Mensch weiß wo es hingeht“. Knapp sprach von „Harakiri“ und bezeichnete die völlig falsche Entscheidung als schädlich für das Land. Dabei sei man mit den erneuerbaren Energien auf dem besten Weg gewesen, wäre keinesfalls eine Stromlücke entstanden.

Enttäuscht von der Laufzeitverlängerung ist mit anderen Geschäftsführer Alfred Müllner von den Technischen Werken Friedrichshafen (TWF). Die Rahmenbedingungen für die Stadtwerke hätten sich komplett verändert, nachdem der Gewinn in der Erzeugung entsteht. Ab sofort werde jedes Projekt und jede Strategie der Unternehmen hinterfragt. Wo die auf Ausstieg eingestellte Branche Planungssicherheit brauche, herrsche jetzt Verunsicherung und Betroffenheit, weil niemand wisse, was der Ausstieg bedeute? Die Berliner Entscheidung nehme die Chance, verlässlich agieren zu können.

SWÜ-Chef Eder erwartet höhere Strompreise

Geschäftsführer Klaus Eder von den Stadtwerken Überlingen (SWÜ) erwartet steigende Strompreise, denn die Großkonzerne würden sich die Gewinne nicht abschöpfen lassen. Zur Erinnerung: Sie sollen unter anderem für die Verlängerungszusage eine Brennelementesteuer entrichten. Große Enttäuschung auch beim Regionalwerk Bodensee, dessen Geschäftsführer Enno Steffens unter anderem die Endlagerung nicht geklärt sieht. Den Energieversorgern der Region sei jede Planungsgrundlage aus der Hand genommen worden.

Übereinstimmend beklagen die örtlichen Energieversorger, dass sich die Bundesregierung nur mit den vier großen Konzernen an einen Tisch gesetzt und die kleinen alleingelassen habe. Sie seien nicht gefragt, sondern nur abgespeist worden, sagte Klaus Eder. Nur was den Großen helfe, sei festgelegt worden und der zuständige Minister Norbert Röttgen zur Exekutive verkommen. Die Subventionen werde der Bürger zahlen. Die Berliner Entscheidung werde auch Auswirkungen auf die Fortschreibung des Energieplans in der Region haben, kündigte Norbert Zeller neues Denken an.

Vor einem Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung fand ein Besuch der Firma Inovel in der Gebhardstraße in Friedrichshafen statt, die Systemlieferant unter anderem im Bereich der Erneuerbaren Energien ist. Die kleine mittelständische Firma stellt Teile für erneuerbare Energieanlagen her und erhielt dafür ein Patent.

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