Die Konstanzer sanieren ihr Konzil

Das alte Kaufhaus soll zur inneren Schönheit zurückfinden

Konstanz (gro) Mindestens vier Mal wurde in den vergangenen 170 Jahren am alten Konstanzer Kaufhaus angebaut, umgebaut und nachgebessert, zuletzt 1969/70. Jetzt hat die erste echte Sanierung des so genannten Konzils begonnen. Sie trägt die Handschrift von Stadtbaumeister Johannes Kumm. Ihm geht es nicht nur ums Reparieren. Er will das bekannteste Bauwerk der Stadt, für das ein gewisser Meister Arnold, einer von Kumms glorreichen Vorgängern im Mittelalter, 1388 den Grundstein legte, so weit wie möglich zur alten, inneren Schönheit zurückführen. Der Technische Ausschuss des Gemeinderats soll am Donnerstagabend den Projektbeschluss fassen, in dem Bauleistungen und Kosten festgehalten sind.

Es sind 10.6 Millionen Euro im Haushalt veranschlagt

Vor allem der grossartige Räum im Erdgeschoss, der zum Teil verbaut worden ist, soll nach der Sanierung wieder erlebbar sein. Neue Räumlichkeiten werden hinzu gewonnen, technische Einrichtungen samt Elektroanlagen, Klimatisierung und Sanitärbereich werden komplett erneuert. Kumm will das ehrgeizige Projekt, für das im Haushalt 10, 6 Millionen Euro veranschlagt sind, in knapp zwei Jahren durchziehen, und das, ohne weder die Südwestdeutsche Philharmonie noch die Konzilgaststätten mit ihrem gastronomischen Betrieb dauerhaft auszusperren.

Toiletten, Technik und Lager in den neuen Keller

Ein Riesenglück ist, dass die zwei gewaltigen Stützen aus Eichenholz erhalten sind, die 1911 im Erdgeschoss ausgebaut wurden. Sie mussten weichen, als das untere Foyer geschaffen und mit Garderobe, Herren- und Damentoiletten bestückt wurde. Die zwei Stützen werden wieder eingebaut, die Trennwand zwischen dem untern Saal und dem Foyer wird abgebrochen und durch eine gläserne Abtrennung ersetzt. Sämtliche Toiletten, auch die Damentoiletten des ersten Obergeschosses, verschwinden in einem neuen, geräumigen Untergeschoss, mit dessen Bau unterhalb des Vorplatzes zu den Schranken hin bereits begonnen worden ist. Auch ein Heizkessel und das Getränkelager des Hauses finden dort Platz.

Der grossartige Raum im Erdgeschoss

Ziel dieses Umbauabschnitts ist es (unter anderem), den gesamten Hallenraum des Erdgeschosses wieder erlebbar zu machen. Dem dient auch das Vorhaben, die Mauer im Unteren Saal, hinter der auf der Südostseite Lagerräume eingerichtet sind, bis auf eine Höhe von 2,50 Meter abzubrechen und darüber mit Glas verkleidete Besprechungsräume einzurichten. Dies, der Wiedereinbau der uralten Stützen und die neue, transparente Wand zwischen Saal und Foyer machen es dann möglich, den grossen Raum des Erdgeschosses komplett zu überblicken und ihn in seiner imposanten Ausdehnung zu erleben, so, wie dies jener Meister Arnold des Jahres 1388 konzipiert hatte.

Unterm Dach ein neuer Veranstaltungsraum mit 200 Plätzen

Zu den Sanierungsleistungen gehört die Gewinnung eines neuen Veranstaltungsaals mit 200 Sitzplätzen direkt unterm Giebel des gewaltigen Daches im dritten Obergeschoss des Bauwerks. In den Kammern unter dem Dachgewölbe wurde 1417 zum ersten und bisher einzigen Mal auf deutschem Boden ein Papst, in diesem Falle Martin V., gewählt. Die Tagungen der Kirchenversammlung, des Konstanzer Konzils von 1414 bis 1418, in denen auch die Verbrennung von Reformator Jan Hus und seines treuen Prager Hochschullehrers Hieronymus beschlossen wurde, fanden statt im heutigen Münster. Nur anlässlich der Wahl des neuen Papstes beriet und entschied man seinerzeit im Konstanzer Kaufhaus.

Fotos: wak

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