Dieter Quintus bleibt bei seinem Nein zu Feuerwerksverbot

Stadtbrandmeister begründet Ablehnung eines Böllerverbots – Stadelhofen und neue Passivhäuser seien genauso gefährdet

Konstanz. Der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank hat in Sachen Böllerverbot jetzt die Fachämter gebeten, Stellung zu nehmen. Sobald sich Bürgeramtsleiter Hans-Rudi Fischer und der Konstanzer Stadtbrandmeister Dieter Quintus intern geäußert haben, werde die Stadtverwaltung eine Aussage machen. Das sagte der städtische Pressesprecher Walter Rügert. Geäußert hat sich heute vorab erneut Stadtbrandmeister Dieter Quintus. Er schrieb einen Brief an die beiden Stadträte der Linken, Vera Hemm und Holger Reile. Die Linke Liste Konstanzer hatte am Freitag ein Böllerverbot für die gesamte Altstadt gefordert. Quintus erklärte, es gebe nicht nur in der Altstadt gefährdete Häuser. Die Feuerwehr sei in jeder Silvesternacht zu Einsätzen wegen Feuerwerkskörpern gerufen worden. Häufiger als die Altstadt sei aber das rechtsrheinische Konstanz betroffen. Altstadtbewohner dürften nicht bevorzugt und besonders geschützt werden.

Quintus sieht keine Grundlage für Verbot

Quintus bezieht sich in seinem Brief auf das Sprengstoffgesetz. Er schreibt: „Die Grundlage für ein Verbot des Abbrennens von Böllern sieht vor, dass in einem bestimmten Umkreis verschiedener Bauten wie Krankenhäuser, Pflegeheimen, Häuser mit Reeddächern, Kirchen usw. das Abbrennen von Feuerwerkskörpern verboten ist.“ Quintus nimmt weiter Bezug auf die seit dem 1. Oktober geltende Verschärfung des Gesetzes. Der Stadtbrandmeister schreibt: „Neu in die Liste aufgenommen wurden im vergangenen Jahr Fachwerkhäuser.“In der Verordnung seien flächendeckende Verbote allerdings nicht vorgesehen, so Quintus. Zusammen mit der Polizei und dem Bürgeramt haben er die Frage besprochen, ob aus der Bezeichnung Fachwerkhaus auch abgeleitet werden könnte, dass die gesamte historische Bausubstanz eines denkmalgeschützten Bereichs mit einem flächendeckenden Feuerwerkskörperverbot belegt werden könnte.

Mehrere Quartiere in Konstanz in Gefahr

Quintus wörtlich: „In Konstanz wäre in der logischen Konsequenz dann ein Verbot für den Bereich des Ensembles-Schutzes (Rheinsteig/Laube/ Bodanstraße/Bahnhofplatz/Konzilstraße) rechtlich möglich. Also ein Verbot nur für den genannten Bereich.“ Diese Regelung habe er nicht befürwortet und er werde sie auch in Zukunft nicht befürworten. Quintus nennt folgende Gründe: Nicht eingeschlossen wäre bei dieser Regelung das gesamte Gebiet Stadelhofen einschließlich beider Seiten der Kreuzlinger Straße. „In diesem Bereich ist die Bausubstanz jedoch in keiner Weise besser als im Bereich des Ensemble-Schutzes“, so Quintus.

Quintus nennt weitere kritische Stellen Konstanz

Ebenfalls nicht eingeschlossen wären im Bereich Turnierstraße, Mangoldstraße, Mayenfischstraße die Gebäude, die mit Schindeln verkleidet sind und in ihrer Gefährdung höher einzustufen seien, als verputzte Fachwerkhäuser. „Was machen wir im Bereich der in den letzten Jahren zahlreich neu erstellten reinen Holzhäusern?“, fragt Quintus. Die Anzahl von Holzhäusern könne unter keinen Umständen als „unbedeutend gewertet“ werden, da sich in fast allen Neubaugebieten von Jungerhalde über Zergle I und II Holzhäuser als Niedrigenergiehäuser oder Passivhäuser befänden. „Ferner ist die Frage zu stellen, ob es in der Tat Sinn macht, um jedes Fachwerkhaus eine Bannmeile einzurichten“,so Quintus. „Da wir, wie zum Beispiel im Ortskern von Wollmatingen, aber auch in anderen Stadtteilen Fachwerkhäuser im Bestand haben. Würden wir dies tun, entstünde eine absolut unkontrollierbare Situation. Wer kann schon die Einhaltung der Verbote in dieser Weise überwachen?“

Mehr Brandfälle im rechtsrheinischen Stadtgebiet als in Altstadt

„Bei dem Aussprechen von Verboten, von denen wir in Deutschland ohnehin schon viel zu viele haben), sollte man dann natürlich auch die Erfahrungswerte einbringen.“ Tatsache sei, dass die Feuerwehr Konstanz in all den vergangenen Jahren jeweils in der Silvesternacht zu Einsätzen gerufen wurde. Aber Tatsache sei auch, dass nur ein einziger Einsatz in den letzten 15 Jahren in der Altstadt (Hohenhausgasse) erforderlich gewesen sei; alle anderen Brandfälle in Folge von Feuerwerkskörpern jedoch „im rechtsrheinischen Bereich bis hin zu in relativ neuen Baugebieten“.

Jeder Konstanzer habe dasselbe Recht auf Schutz

Da jeder Bürger, gleichgültig in welchem Straßenzug er wohne, doch wohl das gleiche Recht auf „Schutz seines Lebens und seines Hab und Gutes“ habe, wäre laut Quintus „doch wohl nur ein flächendeckendes Verbot für das gesamte Stadtgebiet sinnvoll und zielführend“. Der Stadtbrandmeister schreibt: „Aus meiner Sicht wäre aus den genannten Gründen in der Tat nur ein generelles Verbot sinnvoll. Da dies sicherlich nicht ohne Weiteres durchsetzbar ist, müssten Alternativen angeboten werden. Dies könnten z.B. die Freigabe an bestimmten Plätzen sein oder aber eine generelle Freigabe bei Einhaltung einer 200 m – Grenze zu absolut jedem Gebäude.“ Quintis weiter: „Allerdings möchte ich hierzu noch zu bedenken geben, dass eine massive Anhäufung an nur wenigen Plätzen usw. wiederum zu erhöhten Gefährdungen führen kann.“ Bleibe die Frage des „Königsweges“. Aber nur aus Alibigründen nun Teilverbote auszusprechen, die am Ziel vorbeiführten, halte er für populistisch und zwecklos. „Die Diskussion sollte doch besser lauten: Wenn ein Verbot, dann bitte generell flächendeckend und somit auch sinnvoll.“

Wer möchte kann die Initiative „Stille Nacht“ unterstützen. Sie tritt für weitreichende Verbote für den Vertrieb und die Nutzung von Böllern und Privatfeuerwerken ein. Mehr Infos unter http://stille-nacht-2011.eu.tc/.

Foto: Archiv wak

2 Kommentare to “Dieter Quintus bleibt bei seinem Nein zu Feuerwerksverbot”

  1. Peter, Björn und Brian
    25. Januar 2011 at 14:45 #

    „Was machen wir im Bereich der in den letzten Jahren zahlreich neu erstellten reinen Holzhäusern?“ -> Da müssen wir gar nichts machen, das Holz moderner Holzhäuser ist behandelt. Es wird mindestens die Brandschutzklasse F30 B erfüllt. Wohingegen Fachwerkhäuser aus den vorigen Jahrhunderten solche Maßnahmen zum Brandschutz nicht besitzen.

  2. Heinz
    25. Januar 2011 at 18:49 #

    Werte Frau Kässer,
    es ist ja in Ordnung wenn Sie gegen Böller sind. Brot statt Böller ist ja kein neues Motto, wenn auch ein zugegeben sympathisches. Aber dass sie aus dieser Haltung heraus eine übertriebene Sicherheitsdiskussion hinzwingen und wieder mal auf einen scheinbar uneinsichtigen Beamten draufhauen, ist nach meiner Wahrnehmung leider nur eins: schlechter Journalismus. Katastrophen passieren. Mit oder ohne menschliches Zutun. Der Brand in Konstanz war so eine, weil offenbar ein älterer Herr einen strohtrockenen Adventskranz angezündet hat und wohl schusselig diesen zu Boden fallen liess. Hoffentlich passiert uns so etwas nicht wenn wir mal alt sind. Die Folgen dieses Missgeschicks sind schlimm und alle sind heilfroh, daß niemand zu Schaden kam. Aber daraus eine Sicherheitsdebatte hochzuziehen ist nicht angemessen. Wir müssen aus dem Vorfall lernen, aber bitte nicht überziehen. Denn dann müssen wir in letzter Konsequenz eins: Konstanz abreissen und neu bauen. Die Bahnstrecke verbieten, da hier täglich Tanklastzüge mit Öl und Sprit durchfahren, Autos mit Benzin im Tank, Balkongrillen, Tannenbäume, Candlelightdinner, sowie sämtliche Feste und die Fasnacht (Fasnachtsfunken in Litzelstetten – oh Graus) verbieten. Denn feuer- und sicherheitspolizeilich ist diese Stadt wohl eigentlich gar nicht haltbar. Wollen wir das? Oder wollen wir hier weiterleben, die Risiken kalkulieren und aushalten, das nach normalen Menschenverstand Mögliche tun, bereits ausreichende Gesetze und Verordnungen einhalten und den Marsch in das Vollkaskoleben zu Gunsten der Versicherungen stoppen. Sowohl Journalisten als auch Sicherheitsbeauftragte und Lokalpolitiker sollten jetzt nicht ins Drama verfallen.
    @ Peter, Brian und Björn: Im Privatwohnungsbau werden die Hölzer in der Regel nicht gegen Brand behandelt. Das ist nämlich giftig, hässlich und unnötig. Der vorbeugende Brandschutz geschieht durch hobeln, konstruktive Detaillösungen und Dimensionierung. Versucht mal eine 30cm dicken gehobelten Schichtholzbalken zum Brennen zu bringen. Viel Spass, zum Grillen dauert es bis Herbst.

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