Dozent wegen Kursabsage durch VHS Konstanz-Singen irritiert

Anscheinend fest eingeplanter Vortrag gestrichen – Kritischer Dozent suchte vergeblich im Programmheft

Konstanz. Dennis Riehle, Psychologischer Berater/Personal Coach (Euro-FH), war überrascht. Im neuen Kursheft der VHS Konstanz-Singen suchte er am vergangenen Sonntagabend seine Veranstaltungen vergeblich. Riehle hat jetzt einen schlimmen Verdacht. Er meint, seine Kurse seien möglicherweise gestrichen worden, da er sich in der VHS-Affäre kritisch geäußert hatte. Riehle hatte zum Beispiel in Zusammenhang mit nicht stattfindenden Alphabetisierungskursen die stellvertretende VHS-Vorsitzende Dorothee Jacobs-Krahnen scharf kritisiert. Die VHS-Vorstandsvorsitzende Nikola Ferling hingegen glaubt nicht, dass die Absage eines Vortrags mit der von einem Dozenten in der Vergangenheit geäußerter Kritik an der VHS-Leitung zusammenhängen könnte. Sie will jetzt mit Dennis Riehle sprechen.

Dozent vermisst seine Kurse im Programmheft

Am Sonntag stellte Riehle verblüfft fest, dass seine Kurse und auch ein scheinbar fest vereinbarter Vortrag im neuen Programmheft der VHS fehlen. Noch am Sonntagabend mailte er an die VHS: „Leider finde ich ihn im aktuellen Programm nicht (zumindest nicht auf Anhieb) – und bin mir auch nicht sicher, ob ich wie üblich einen Vertrag für die Veranstaltung bekommen und unterschrieben hatte.“ Riehle fragte bei der VHS arglos an: „Wurde der Vortrag wieder gestrichen, sodass ich ihn auch in meinem Kalender austragen kann?“

Vortrag über Ängste entfällt

Die Antwort kamkurz und bündig und prompt am Montagmorgen. Er könne die Termine aus seinem Kalender streichen, hieß es. Der Kurs „Wenn uns Ängste begleiten – Kompaktvortrag“ findet nun laut VHS also nicht statt. Er entfällt, wie der Dozent erfuhr. Riehle wollte eigentlich am Montag, 12. März, in der VHS über Ängste sprechen.

Termin und Raum standen schon fest

Im Programmheft hätte stehen sollen: „Ängste hat jeder von uns. Sie sind nötiger Schutz und Warnzeichen bei Gefahren. Doch manchmal kommt dieser natürliche Mechanismus aus dem Gleichgewicht. Er bereitet uns dann mehr Sorgen, als dass er uns nützt. Woher kommt die übersteigerte Angst? Welchen Verlauf kann Angst nehmen? Was tun, wenn Ängste unser Leben einschränken? Wie befreie ich mich aus dieser Angstspirale?“ Der Vortrag sollte einen kompakten Einblick in die Entstehung, Entwicklung und Wirkungen übermäßiger Angstzustände geben. „Sie erhalten Anhaltspunkte zur Selbsthilfe im Umgang mit diesem Problem“, hätte im Programmheft stehen sollen. Stattfinden sollte der Kurs von 20 bis 21.30 Uhr im VHS, Raum 0.7. ·Meldeschluss wäre am 2. März gewesen.

Riehle informierte Dozentenvertretung

Riehle informierte am Montagmorgen auch die Dozentenvertretung über das Fehlen seines Kurses. Nachdem das neue Programmheft erschienen sei, habe er verzweifelt seine Veranstaltungen gesucht, heißt es in der Mail. Zumindest für einen Vortrag seien schon ein Termin, Uhrzeit und Kursnummer vergeben gewesen, die Veranstaltung sei also bereits fest eingeplant gewesen. Riehle sagte, seine zuständige Abteilungsleiterin habe ihm nun mitgeteilt, dass auch diese Veranstaltung, obwohl zugesagt, nun gestrichen worden sei.

Riehle versteckte sich nicht hinter Maske

Riehle arbeitet seit etwa vier Jahren an der VHS. Pro Semester sei er in der Regel mit zwei bis drei Veranstaltungen vertreten. In seiner Mail an See-Online schreibt Riehle zur Absage seines Vortrags: „Möglicherweise hängt das auch mit meinen kritischen Worten zusammen, die ich in der Affäre zur VHS geäußert habe.“ Riehle hatte sich auch in einem Kommentar auf See-Online mit seinem realen Namen zu Wort gemeldet. Während sich viele andere nur unter Pseudonym äußern wollten und bei Gesprächen ausdrücklich um Vertraulichkeit baten und Informantenschutz für sich beanspruchten, schrieb Riehle offen, was er dachte.

Riehle nahm Stellung zu Jacobs-Krahnen

Am 24. November hinterließ er auf See-Online zum Beispiel folgenden Kommentar. „Frau Dr. Jacobs-Krahnen vergisst bei ihrem Engagement um die Wirtschaftlichkeit der Kreis-VHS einen weiteren Aspekt, zu dem die Volkshochschule nicht nur wegen ihres Bildungsauftrages verpflichtet ist: Volkshochschulen sollen dem ,Volk‘, also allen BürgerInnen Zugang zu Weiterbildung ermöglichen. Somit hat die VHS nicht nur den Auftrag, wirtschaftlich, sondern auch sozial zu arbeiten. Bei einer verantwortungsvollen Führung der Schule wäre solch ein Spagat nicht unmöglich, sondern viel eher ein ergänzendes Gesamtkonzept. Denn tatsächlich ist die Verlagerung von Alphabetisierungskursen eine Diskriminierung von Menschen, die aufgrund ihres Analphabetismus ohnehin in einer oftmals isolierten Situation stecken – und deshalb ein besonders niederschwelliges Angebot an Hilfe benötigen. Wer ihnen den Zugang zu Kursen verschließt, weil er sie an für Betroffene unerreichbare Orte verlegt, geht bewusst den Weg von Diskriminierung und Ausgrenzung. Wie schon desöfteren geäußert, wundert man sich vor allem deswegen, weil solch eine Aussage wie von Jacobs-Krahnen aus dem Mund einer Kommunalpolitikerin stammt, die einer eigentlich sozial und solidarisch eingestellten Partei/Liste angehört.“

Offene Kritik am VHS-Management

Unmissverständlich hatte Riehle den VHS-Vorstand kritisiert, als er schrieb: „Die VHS wird mit solchen Aktionen weder ihrem Bildungsauftrag, noch dem Auftrag einer öffentlichen Einrichtung mit entsprechender Verantwortung gerecht. Und dass ,man nicht zu stark in die Miesen kommen dürfe‘, ist eine wahre Ansage. Doch wer auf den Haushalt der VHS blickt, wird rasch bemerken, dass es Einsparpotenziale gibt, die weder Personal noch Kursteilnehmer in überproportionaler Weise benachteiligen oder ausschließen. Man bräuchte eben nur ein Management, das es drauf hat’…“

Nikola Ferling will mit Dozent sprechen

Die Vorstandsvorsitzende der VHS, Nikola Ferling, war erstaunt. Ferling kann sich anscheinend nicht vorstellen, dass an der Geschichte etwas dran sein könnte. Sie sagte am Montagnachmittag am Telefon, sie höre von dem Fall zum ersten Mal. Bevor sie sich öffentlich äußere, wolle sie erst einmal mit dem betroffenen Dozenten sprechen und sich über den Vorgang informieren. Dennis Riehle solle sich doch persönlich bei ihr melden. Allerdings sei sie erst am Mittwoch wieder erreichbar. Wörtlich sagte Nikola Ferling: „Wenn Kurse abgesagt werden, dann gibt es dafür sachliche Gründe.“ Nikola Ferling schloss im Gespräch mit See-Online aus, dass die VHS einem Dozenten die kalte Schulter zeigen könnte, weil er durch kritische Äußerungen die Leitung verärgert haben könnte.

Ein Kommentar to “Dozent wegen Kursabsage durch VHS Konstanz-Singen irritiert”

  1. Fritz
    8. April 2012 at 21:05 #

    Wie lange sieht man dem grünen Treiben dieser beiden Frauen noch zu, die offensichtlich ihrer Aufgabe weder gewachsen sind noch die nötige Qualifikation mitbringen – ausser den erforderlichen Beziehungen ins grüne Unterholz?

    Man verliert langsam den Glauben. Mögen diese Leute ernten was sie säen und zwar mit genau der Härte, die sie aus der vermeintlich sicheren warmen Amtsstube heraus an den Tag legen. Bald kommt Licht ins Dunkle und man wird hoffentlich erfahren, wie die wirtschaftliche Lage der VHS aussieht und wer sie zu verantworten hat.

    Diese Damen, der Unkulturbürgermeister und der schwarze Landrat mit dem polygamen Helfershelfer gäben eine tolle Story für einen guten Tatort ab.

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