Ein Haus auf Reisen von Konstanz nach Madrid

Architektur-Wettbewerb Solar-Decathlon Europe 2012 im September – 40 Studierende reisen mit ihrem Haus nach Madrid

Konstanz. Nur 20 Hochschulen weltweit haben sich zur Teilnahme am Architektur-Wettbewerb Solar-Decathlon Europe 2012 qualifiziert, darunter das Team der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG). Rund 40 Studierende haben in intensiver Vorarbeit ein Haus entworfen, das modernen gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Ansprüchen genügt. Nach einem Probeaufbau auf dem Campus in Konstanz befindet sich das Haus nun auf der Reise nach Madrid – verladen und mit fünf LKW.

Zwei Wochen für Hausaufbau

Es ist kaum vorstellbar und klingt ziemlich verrückt: Innerhalb von zwei Wochen müssen die Studierenden der HTWG ein komplettes, bewohnbares Haus auf der Ausstellungsfläche in Madrid aufbauen – inklusive Einrichtung samt funktionsfähiger Dusche, Toilette, Waschmaschine, Spülmaschine usw. In Acht-Stunden-Schichten werden sie rund um die Uhr arbeiten. Eine Vorhut ist bereits jetzt in Madrid, um das Gelände zu besichtigen und um beispielsweise in Erfahrung zu bringen, wo der nächste Baumarkt liegt. Nach Baustart darf schließlich keine Minute mehr verschenkt werden. Die Reglements sind streng: Nicht nur die Sicherheitsvorschriften – würde ein Student ohne Bauhelm entdeckt, würde das Team mit Strafpunkten belegt – setzen einen engen Rahmen. Die Wettbewerbsveranstalter haben auch festgelegt, dass nie mehr als ein LKW pro Team auf das Gelände fahren darf. Das heißt: Die Studierenden mussten beim Verpacken ihres Hauses bis ins Kleinste vorausschauen, wann sie was zum zügigen Aufbau benötigen. Ein logistischer Kraftakt, nach dem der Gedanke an den jüngsten Umzug vom Studentenwohnheim ins WG-Zimmer die Studierenden nur müde lächeln lässt.

Nachhaltigen Wohnkonzept

Der „Solar Decathlon Europe“ wird alle zwei Jahre von der spanischen Regierung mit Partnern ausgelobt. In zehn Kategorien müssen sich die „eingereichten“ Häuser bewähren. Dazu zählen beispielsweise Energiebilanz, Konstruktion und Verarbeitung, aber auch Nutzbarkeit, Architekturqualität, Innovation und Marktfähigkeit. Gefordert ist die Entwicklung eines nachhaltigen Wohnkonzepts für zwei Personen, das sich durch energieeffiziente Technik und die Eigenproduktion von Solarenergie auszeichnet und dadurch den Standard eines Nullenergiehauses erreicht.

Drei Tage Puffer

„Wenn alles gut geht, sind wir drei Tage vor Wettbewerbsbeginn fertig“, sagt Linda Wenninger, Masterstudentin im Studiengang Architektur. Die Schichtpläne stehen, der Aufbau ist straff organisiert. Sollte der Plan aufgehen, werden die Konstanzer den Zeitpuffer jedoch nicht für die Sehenswürdigkeiten von Madrid nutzen. „Dann helfen wir natürlich den anderen“, sagt die Architekturstudentin. Die Kollegialität in und zwischen den Teams ist in den vergangenen Monaten bis zu Freundschaften gewachsen, über Länder- und Kontinentgrenzen hinweg. Die Konzepte für die Häuser seien so unterschiedlich, dass man sich kaum als Konkurrent sehe, erläutert ein Konstanzer Häuslebauer.

Modulare Bauweise

Das Konstanzer Konzept, lässt sich mit „ecolar“ beschreiben: Um dem Anspruch höchster Flexibilität zu genügen, entsteht das Haus in modularer Bauweise. Die jeweils vier auf vier Meter großen Quader sind ökologisch, ökonomisch konzipiert. Entsprechend dieser Leitprinzipien haben sich die Konstanzer den Namen „Team ECOLAR“ gegeben – zusammengesetzt aus dem englischen eco-logic und so-lar und eco-nomic und modu-lar. Die Studentin Bettina Grosshardt erläutert: „So kann das Haus sich ändernden Lebensbedürfnissen angepasst werden – ganz nach dem Motto ‚ändert sich dein Leben, ändert sich dein Haus‘.“ Standardisierte Elemente werden je nach Nutzungsanspruch unterschiedliche Raumkonfigurationen ermöglichen – bei gleichzeitig hohem Wohnkomfort.

Besichtigungstermine in „Villa Solar“

In den letzten beiden Septemberwochen werden die Studierenden Tag für Tag dieses Konzept erläutern, wenn sie Fachpublikum, Jurymitglieder und Interessierte durch das Haus führen. Damit die Statisten im Haus wie auch die Führerinnen und Führer professionell agieren, hat auch die Theatergruppe EventProduktion der HTWG sich in das Projekt eingebracht und die Akteure geschult. Die Mühe wird sich gelohnt haben: Die letzte „Villa Solar“ vor zwei Jahren haben 190.000 Gäste die Ausstellung „Villa Solar“ gegenüber des spanischen Königspalastes besucht.

Weitere Informationen:

www.ecolar.de

www.sdeurope.org

http://www.aktuelles-bodensee.de/36626/praxistest-nachhaltigkeit-in-konstanz-unser-neues-grunes-leben/

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