Error: Gestohlene Kandidatenliste der Piraten unter falscher Flagge der NPD

Piraten Kandidatenseite entwendet und auf NPD Website veröffentlicht – Seite schnell nicht mehr erreichbar

Konstanz. Die rechtsradikale NPD hat am Freitagabend offenbar eine Website der Piratenpartei Baden-Württemberg gestohlen und offenbar in ihren eigenen Webauftritt, die „Heimatseite“ des NPD Landesverbands Baden-Württemberg, eingebunden. Das meldete die Piratenpartei.

Error: Piraten segelten unter falscher Flagge

Dafür bedurfte es zumindest der Zugangsdaten zur Website der NPD. Die Piraten gehen offenbar davon aus, dass die „Täter“ nicht etwa anonyme Hacker, sondern die Rechtsradikalen selbst gewesen sind. Die Seite der Piraten wurde, was schon schlimm gewesen wäre,  nicht etwa abgeschossen, sondern in anderem Zusammenhang verwendet. Die „gestohlenen“ Namen der Landtagskandidaten der Piratenpartei für die Wahl im März 2011 erschienen in der Folge am Freitagabend kurzzeitig unter dem falschen Etikett der rechtsradikalen NPD. Der Spuk dauerte offenbar nur eine Stunde. Dann schaltete möglicherweise der Provider die Seite mit dem gestohlenen Inhalt ab oder der Server brach wegen vieler Zugriffe aufgrund von Links zusammen. Auch am Samstag Nachmittag war die Seite www.npd-bw.de/ noch nicht wieder erreichbar. Vielmehr erschien die Fehlermeldung „Error establishing a database connection“.

Alle Landtagskandidaten der Piratenpartei betroffen

„Mit großem Erstaunen fanden am Freitag die Kandidaten zur Baden-Württemberger Landtagswahl 2011 der Piratenpartei ihre Namen auf der Webpräsenz der NPD Baden-Württemberg“, heißt es in einer Mitteilung der Piratenpartei. „Eine Art der Wertschätzung, auf die sie alle gerne verzichtet hätten. Wo sonst die Piraten durch Kreativität im Internetwahlkampf von sich Reden machen, ist es diesmal die NPD mit einer besonders peinlichen Aktion“, so die Piraten.

Zuvor schlossen sich Piraten Bündnis „Tuttlingen sagt Nein“ an

Im Vorfeld hatte sich der Bezirksverband Freiburg der Piratenpartei dem Bündnis „Tuttlingen sagt Nein“ angeschlossen, um mit einer Unterschriftenaktion ein Zeichen gegen das dort geplante NPD-Zentrum zu setzen. Die rechtsextremistische Partei will dort angeblich ein Haus erwerben und zur Landesgeschäftsstelle machen.  .

Verdacht fällt auf die NPD

„In einer Facebook-Diskussion kritisierte ein Vertreter des NPD-Landesverbandes die Piratenpartei dafür, dass sie ihr Recht auf Meinungsfreiheit nutzten“, so die Piratenpartei in einer Pressemitteilung. In der Folge habe ein Unbekannter der NPD die Kandidatenliste vom Portal der Piratenpartei kopiert und unter falscher Flagge auf der Webseite der NPD-BW veröffentlicht. „Er nahm an, er könne die Piraten mit diesem vermeintlichen Urheberrechtsverstoß vorführen“, so die Piratenpartei.

Piratenpartei distanziert sich von Rechtsradikalen

Sebastian Nerz, Vorsitzender der Piratenpartei Baden-Württemberg, sagte dazu: „Ich finde es bezeichnend, dass die NPD nicht genügend eigene Kandidaten findet. Kein Pirat empfindet politische Nähe zur NPD – und die hier dargestellte Verbindung wird von vielen Kandidaten als Beleidigung empfunden“, so Netz. Der Landesvorsitzende weiter: „Wir gehen aber davon aus, dass die NPD diese etwas kindisch anmutende Aktion auch ohne rechtliche Schritte selbst beenden wird.“

Konstanzer Kandidatin Ute Hauth empört

„Sie hätten ja ruhig unsere Webseite als Grundlage für ihre eigene Sammelliste nehmen können, aber hier den Anschein zu erwecken, ich träte für die NPD an, ist untragbar.“, so Sven Krohlas, Landtagskandidat der Piratenpartei in Karlruhe. „Ich empfehle der NPD noch mal das Programm der Piraten zu lesen, denn wir fordern keineswegs Anarchie im Urheberrecht. Die Anpassung an die Bedürfnisse von Verbrauchern und Kreativen im digitalen Zeitalter ist kein Freibrief für Verleumdung, Irreführung oder Respektlosigkeit.“ Die Konstanzer Landtagskandidatin Ute Hauth schrieb auf ihrem Blog:  „Ich mag meinen Namen nicht auf einer Seite der Rechten sehen, aus keinem Grund und ganz sicher nicht so, dass es aussieht als würde ich für sowas kandidieren.“

5 Kommentare to “Error: Gestohlene Kandidatenliste der Piraten unter falscher Flagge der NPD”

  1. Ute
    26. September 2010 at 12:59 #

    Inzwischen ist das meiste glücklicherweise vorbei, die Seite mit den Kandidaten ist nicht mehr online, die Suchergebnisse zeigen sie zwar noch, aber selbst der Google-Cache hat bereits den aktuellen Stand.

    Wenn es nach mir ginge bräuchten wir keine undemokratischen, rechten Parteien…

  2. Janus Nowak
    26. September 2010 at 20:48 #

    Wie bereits auf der Piraten-Landesseite und unserer Facebook-Präsenz mitgeteilt, waren alle Spakulationen falsch. Es war von unserer Seite aus ein technisches Versehen (beim Probieren des Open-Source-Codes des Wahlkreisfinders), welches leider durch diverse Suchmaschinen „aufgesaugt“ worden ist. Es war nur eine Testseite, die nicht zur Veröffentlichung freigegeben war, aber leider nicht rechtzeitig in den papierkorb geschoben und gelöscht worden ist.
    Wir haben bereits Ihrem Landesvorsitzenden eine entsprechende Erklärung geschickt, die ich hier gerne wiederhole, wenn das erlaubt ist:

    Sehr geehrter Herr Nerz,
    wir haben – nachdem unser Server nunmehr etwa 20 Stunden offline war, das Problem beseitigen können.
    Es handelte sich um eine Testseite (zur technischen Umsetzung), die nicht zur Veröffentlichung freigegeben war und wohl durch diverse Suchmaschinen plötzlich gelistet worden ist. D.h. es handelte sich um einen technischen Fehler von unserer Seite aus, als versucht worden ist, Ihren (offenen) Wahlkreisfinder auf unsere Kandidaten anzuwenden.

    Diese Seite wurde von uns nicht beworben. Auch sollte der von Ihnen geschilderte Eindruck nicht entstehen, wir würden Ihre Kandidaten mit der NPD in Verbindung zu bringen versucht.
    Unsere eigenen Kandidaten sind über die page-ID 1907 erreichbar, weshalb auch nicht beabsichtigt war, Ihre Liste zu übernehmen.
    Wahrscheinlich ist die ganze Angelegenheit dadurch entstanden, als Suchmaschinen diese nicht veröffentlichte Testseite gelistet haben.

    Weil dies auf Ihrer Landesseite so massiv beworben worden ist, war unser Server – über den auch die ePost-Kommunikation läuft – bis vor Kurzem nicht erreichbar. Daher erst jetzt eine Rückmeldung.

    Wir haben auf Ihrer Landesseite, wie auch auf der NPD-Facebookseite BaWü zu dieser „Peinlichkeit“ Stellung bezogen und können auch wieder lachen.
    ;-D

    Mit freundlichen Grüßen
    Janus Nowak, Netzmeister

  3. funny-pics
    27. September 2010 at 15:21 #

    Da Google heute den 12. Geburtstag feiert, wurde zufällig folgende Bilder-Sammlung zur IT-Arbeitsweilt entdeckt:
    http://picasaweb.google.com/photos.jobs

    Wie soll man sich nun den „typischen Piraten“ vorstellen?
    Immer fröhlich, lachend und feiernd – dann dürfte es locker in KN zum Landtag reichen.

  4. sofias.
    28. September 2010 at 04:43 #

    „rechtliche schritte“ (=staatsgewalt gegen information) hätte den piraten auch nicht gut gestanden.

    nazis lügen und sind dumm, get over it.

  5. heise
    28. September 2010 at 08:36 #

    Es gibt auch auch nachdenkliche Stimmen zur IT-Arbeitswelt in D, so dass das Gesamtbild eher sehr bunt gemischt ausssieht.
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/ITler-unter-Stress-Burn-out-programmiert-1096291.html

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