Falkensteiner will vier Sterne plus Hotel betreiben

Grundstückspreis und Investoren für Hotelansiedlung in Überlingen noch unklar

Überlingen (wak) Ein Wellnesshotel der Kategorie vier Sterne plus mit 136 Zimmern und 45 angeschlossenen Zwei- und Dreizimmer-Ferienappartements plant der internationale Hotelbetreiber Falkensteiner in Überlingen. Einen Projektentwickler, einen Architekten und einen Standort im Gebiet „Südlich Härlen“ gibt es bereits. Noch nicht ganz klar ist, wer Investor sein soll. Dass sich der Betreiber beteiligt, sei nicht ausgeschlossen, sagte Andreas Falkensteiner am Montagabend in Überlingen. Offenbar geht es um eine Investition von 31 bis 32 Millionen Euro in ein Tagungs- und Wellnesshotel sowie 10 Millionen Euro in die 45 Ferienwohnungen.

Potential für 800.000 Übernachtungen

Derzeit gibt es in Überlingen 633.000 Übernachtungen jährlich. Das Potential liege aber bei 800.000, glaubt auch Tourismus-Chef Thomas Götz. Die Zahl der gewerblichen Betten stagniere. Dass ein Hotel, wie es Falkensteiner nun plant, in Überlingen fehlt, stellte bereits das Tourismusgutachten der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2002 fest. Daran habe sich nichts geändert, sagte Oberbürgermeisterin Sabine Becker bei einer Bürgerinformation vor etwa 150 interessierten Überlingern.

Städtebauliche Aspekte der Hotelansiedlung

Bürgermeister Ralf Brettin zeigte am Montagabend die Fläche, das Ausmaß und die städtebaulichen Aspekte des Standorts „Südlich Härlen“ zwischen Salem International College und Helios-Spital auf. Die verkehrsmäßige Erschließung des fast 40.000 Quadratmeter großen Grundstücks könne von Norden, von der B 31 her, erfolgen. Die Stadt würde nicht durch zusätzlichen Verkehr belastet, sagte Brettin. Die Seesicht – ein Standortvorteil, der für den Betreiber des Hotels der Kategorie vier Sterne plus entscheidend sein dürfte – ist unverbaubar. Konflikte mit dem Landschaftsschutz werde es nicht geben. „Der Flächennutzungsplan sieht eine Bebauung vor“, so Brettin über den möglichen Hotelstandort.

Eine Bewerbung auf europaweite Ausschreibung

Die Stadt Überlingen hatte „Südlich Härlen“ – das Grundstück mit der Vorgabe ein Hotel zu bauen – europaweit ausgeschrieben. Einziger Bewerber war Falkenhagen. Da dessen Angebot aber nicht den von der Stadt formulierten Vorgaben entsprach, wurde die Ausschreibung zunächst aufgehoben und mit der Gruppe nachverhandelt. Das Ergebnis könnte ein markantes Gebäude mit Atrium sein, das zur Topografie passe und mit Helios-Spital und Salem College ein Ensemble bilden würde. Eine Detailplanung – die Fassaden und Baumaterialien zeigt – gibt es im Moment aber noch nicht. Begrünte Dächer wären genauso vorstellbar wie ein Blockheizkraftwerk, so Brettin. Im geplanten Hotel steckten nach Aussage der Projektgruppe bereits zwei Jahre Arbeit.

Lifestyle Resort wäre neues Produkt

Geplant ist von Falkensteiner ein Lifestyle Resort, ein „neues Produkt“. Im Hotel soll es etwa drei bis fünf verschiedene Zimmertypen geben – vom Familienzimmer über die Juniorsuite bis zur Suite. Die Projektentwickler sprachen am Montagabend immer wieder von „Nachhaltigkeit“. 1500 Quadratmeter sind für Gastronomie, Lounge, Bar oder Kaminzimmer vorgesehen. Großzügig planen will der mögliche Betreiber mit 2000 Quadratmetern den Wellness-, Fitness- und Spa-Bereich des Hotels der gehobenen Kategorie. Hinzu kommen sollen 750 Quadratmeter flexible Konferenzzone. 175 Tiefgaragenstellplätze und 30 weitere oberirdische sind geplant. Der erwartete Tagesumsatz der Gäste, die im neuen Hotel einchecken, soll bei 130 Euro täglich liegen. In Überlingen liegt der Tagesumsatz derzeit bei durchschnittlich 70 Euro.

Erfolg ist erfolgreiches Marketing

Falkensteiner ist eine von etwa 500 internationalen Hotelbetreiber-Gesellschaften weltweit, von denen etwa 100 in Deutschland arbeiten. Entstanden ist Falkensteiner aus einem südtiroler Familienunternehmen, das zunächst nach Österreich expandierte. Mittlerweile gibt es Falkensteiner Wellness-, City-, und Familienhotels auch in Kroatien, Tschechien, der Slowakei, Serbien und Italien. „Das wichtigste ist, dass sich unsere Gäste wohlfühlen“, sagte Andreas Falkensteiner (Foto). Vier Sterne plus passten zur Philosophie des Unternehmens. Das Motto lautet: „Welcome Home“. Falkensteiner prognostizierte, dass Überlingen ein „neues Hotel und noch mehr Gäste“ bekomme. Viele Gäste wechselten von Falkensteiner zu Falkensteiner Hotels. Falkensteiner habe einen sehr guten Namen: Allein die Homepage des Unternehmens werde täglich etwa 20.000 Mal aufgerufen. „Wenn wir nicht daran glauben würden, würden wir es nicht machen“, so Falkensteiner über den erwarteten wirtschaftlichen Erfolg des Projekts. Vertrieb und Marketing seien entscheidend. Etwa 500.000 Euro pro Jahr investiere Falkensteiner in Werbung. „Darunter ist es nicht machbar“, so Falkensteiner. Er sei überzeugt, dass sich das Hotel rechne, auch für die Stadt.

Falkensteiner wirbt mit gutem Namen

Andreas Falkensteiner sagte, sein Unternehmen werde sein ganzes Know-How und seinen Namen einbringen. Klaus-Ulrich Riedel, externer Berater der Stadt, erklärte, es gehe darum, ein „neues Produkt“ aufzubauen. Wenn ein neues Produkt erfolgreich sein wolle, müsse es neue Märkte erschließen. Eine Konkurrenz für bestehende Betriebe in Überlingen sei das vier Sterne plus Hotel eher nicht. Wer im neuen Hotel eincheckt, werde auch nicht die Bodensee-Therme nutzen, die eher etwas für die Massen sei.

Grundstückspreis ist noch Verhandlungssache

Am Mittwoch dieser Woche will der Gemeinderat planungsrechtliche Voraussetzungen für das Projekt schaffen und einem Bebauungsplan zustimmen. Außerdem soll ein Umweltbericht mit Grünordnungsplan erarbeitet werden. Noch nicht klar hingegen ist der Kaufpreis für das Grundstück, das sich noch in spitälischem Besitz befindet. Gewerbefläche werde aber zu einem günstigeren Quadratmeterpreis als Bauplätze für Wohnbebauung angeboten, so die OB. Nach Aussage von Falkensteiner sollen etwa 120 neue Arbeitsplätze entstehen. Außerdem würde die Stadt durch die Umwegrentabilität profitieren. Bis September haben die Projektentwickler und Falkensteiner noch Zeit, Investoren zu finden. Nach Aussage der Projektentwickler gebe es mehrere Interessenten.

Meersburger Projekt geriet ins Stocken

Als Oberbürgermeisterin Sabine Becker noch Meersburger Bürgermeisterin war, war die Stadt Meersburg schon einmal ähnlich weit wie Überlingen heute. Auf einem Grundstück oberhalb der Therme sollte ebenfalls ein Hotel der Kategorie vier Sterne plus entstehen. Projektentwickler, Investor und Betreiber schienen gefunden. Aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise kam das Meersburger Projekt aber ins Stocken. Klaus-Ulrich Riedel (Foto) geht davon aus, dass die Krise ebenfalls ein Grund dafür ist, weshalb sich auch auf die europaweite Ausschreibung des Überlinger Hotelstandorts nur ein Interessent gemeldet hatte.

Mehr Infos über den Betreiber und Fotos von Anlagen:

http://www.falkensteiner.com/de/

Fotos: wak

2 Kommentare to “Falkensteiner will vier Sterne plus Hotel betreiben”

  1. sparring
    13. April 2010 at 11:15 #

    Wenn die Stadt die Zahl der Übernachtungen von 630.000 auf
    800.000 anheben will, dann muß sie erst einmal dafür sorgen,
    daß die verkehrstechnischen Voraussetzungen dafür gegeben sind.
    Zusätzliche 100.000 Kfz durch die engen Wohngebiete zu pressen,
    wäre ein „Akt gegen die Menschlichkeit“, vor rein kommerziellem
    Hintergrund. Daß dabei noch mehr „süße“ Photoshootings“ für die
    OB herausspringen, könnte allerdings auch als Marketingerfolg für die Stadt dargestellt werden.
    Morgen sollte diese Konsequenz auf der Gemeinderatssitzung um
    21 Uhr angesprochen werden. Der (absichtlich?) späte Diskus-
    sionstermin sollte die Bürger nicht von der Teilnahme abhalten.

    — sparring —

  2. loewe
    13. April 2010 at 12:30 #

    Der angebliche Stadtring B31(alt) wird doch bis heute nicht benutzt, da die Stadt nicht in der Lage ist, diesen aktiv auszuschildern und zudem die blödsinnigen Einbahnstraßen eine optimale Nutzung verhindern. Vermutlich wird die Stadtverwaltung auch mit einer Hotelbeschilderung überfordert sein.
    Eine „reine“ An- und Zufahrt von Norden her kann es nicht geben, solange die Innenstadt für den Verkehr erreichbar sein und eine West- Ostverbindung bleiben soll. WVÜ lässt Grüßen!
    Die unnötigen Einbahnstraßen sorgen dann dafür, dass vermutlich jeder Gast und Mitarbeiter über die Zahnstraße fahren muss. Hier sieht man wieder die Prioritätensetzung der Stadt. Weil sie Bauplätze am Schättlisberg, aufgrund des Verkehrs, nicht verkauft bekommt, sucht sie nach anderen Einnahmequellen und diese erneut auf Kosten der Überlinger-Bewohner. Die Stadt scheint sich um diese nicht zu scheren! Hauptsache Frau Becker hat wieder einen Grund in den Medien zu lächeln. Dafür hat sie ja durch ihren einmaligen Heeresstab Zeit.

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