Finanzmarktkritiker protestierten auch in Konstanz

Etwa 150 bis 200 Teilnehmer versammelten sich zwischen Konstanzer Sparkasse und Commerzbank

Konstanz. Tausende Finanzmarktkritiker haben am Samstag in vielen deutschen Städten gegen Auswüchse des Kapitalismus und die ungerechte Verteilung von Wohlstand demonstriert. In Konstanz kamen auf der Marktstätte zwischen der Hauptstelle der Sparkasse und der Commerzbank und in Sichtweite der Postbank zwischen 15.10 Uhr udn 16 Uhr etwa 150 bis 200 Demonstrierende zu einer gut einstündigen Kundgebung zusammen. Eingeladen hatten Echte Demonkratie Jetzt! und Attac.

Motto in Konstanz „Global Change“

Der „Occupy“-Bewegung, die in New York ihren Ausgang nahm, haben sich am Aktionstag auch in Deutschland Tausende Menschen angeschlossen. Vorbild war die amerikanische Protestbewegung Occupy Wall Street. Zum Aktionstag aufgerufen hatte das Bündnis „Global Change“. Unter dem Motto „Global Change“stand auch die Aktion in Konstanz, die die beiden Konstanzer Thomas Stelling und Ulrich Riebe sowie Attac gemeinsam initiiert hatten.

Spontan und improvisiert

In vielen deutschen Großstädten fanden heute Demonstrationen statt. Die Demonstrierenden trafen sich vor Banken und Finanzinstituten. Auf die Straße ging  auch der Mittelstand, der mit den Auswüchsen des Finanzsystems, mit Rettungsschirmen und der Rettung von Banken mit dem Geld aller Steuerzahler nicht mehr einverstanden ist. Attac sprach Medienberichten zu Folge von mehr als 40.000 Teilnehmern in Deutschland. Beteiligt haben sich laut Attac Menschen in fast 1000 Städte in 82 Ländern. Die Organisatoren am Bodensee zeigten sich erfreut, dass auch in Konstanz knapp 200 Kundgebungsteilnehmer zur improvisierten Veranstaltung gekommen waren.

Jenseits des Parteiensystems

Parteien waren auch auf der Konstanzer Marktstätte nicht erwünscht. Bewusst verortet sich die Bewegung jenseits des Parteiensystems. Tom Stelling zitierte aus einer Erklärung, die in Spanien verfasst worden war. Er sagte, versammelt hätten sich normale Menschen, die jeden Morgen aufstehen, zur Arbeit gehen, Arbeit, Familie und Freunde haben. Sie hätten ein Recht auf Behausung, Kultur und Teilhabe. „Demokratie gehört den Menschen“, sagte Stelling in ein Mikrofon, das eine Sympathiesantin der Gruppe zusammen mit einer kleinen Anlage spontan überlassen hatte.

„Empört Euch!“

Die Rede war von einer „ethischen Revolution“. Die Organisatoren berichteten kurz über die zeitgleichen Proteste in anderen Städten und dass einige in Frankfurt angekündigt hätten, zu campen. „Hat jemand Zelte mitgebracht?“, fragte Uli Riebe. Die Teilnehmer reagierten mit lachen – ein Camp war in Konstanz zu keinem Zeitpunkt geplant. Statt dessen gab es eine kurze Lesung aus „Empört Euch!“, der Schrift des über 90-jährigen Résistancekämpfers Stéphane Hessel, die in diesem Sommer zu einer Kultschrift geworden ist. Später gab es auf der Marktstätte ein „offenes Mikrofon“. Jeder sollte sagen dürfen, was er denkt – alle Teilnehmer hatten das Recht gehört zu werden. Die Konstanzer konnten miteinander ins Gespräch kommen.

Politische Parteien hielten sich im Hintergrund

Die Verständigung erleichtern sollten Gesten, mit denen die Teilnehmer je nach dem in Zeichensprache Zustimmung oder Ablehnung signalisieren konnten oder einen Redner darauf hinweisen konnten, doch bitte auf den Punkt zu kommen. Willkommen waren alle, nur wer parteipolitische Interessen vertreten wollte, sollte draußen bleiben. Im Hintergrund hielten sich denn auch Mitglieder der Linken Liste Konstanz und der Linksjugend solid.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: wak

2 Kommentare to “Finanzmarktkritiker protestierten auch in Konstanz”

  1. ebenerdig
    15. Oktober 2011 at 19:51 #

    Danke für den Bericht!

  2. dk
    16. Oktober 2011 at 15:52 #

    … „Hat jemand Zelte mitgebracht?“, fragte Uli Riebe. Die Teilnehmer reagierten mit lachen – ein Camp war in Konstanz zu keinem Zeitpunkt geplant. …

    Zufällig gab es zur heutigen Mittagszeit im ARD eine Sendung zum „Lebensmittelpunkt Campingplatz“ (produziert vom NDR). Leute ohne ausreichendes Einkommen für eine Mietwohnung (HartzIV, Rentner) haben es sich beim Dauer-Camping eingerichtet: u.a. hat ein Rentner-Ehepaar auch eine schäbige Sozialwohnung vermeiden wollen, bei anderen Beispielen war es nur die finanzielle Situation. Am Anfang waren es einzelne, nach wenigen Jahren sind es viele geworden: der Anstieg wurde auch von der Agentur für Arbeit und beim wöchentlichen „Tafel-Besuch“ wahrgenommen. Bei den Lebensläufen hat es sich nicht um „asoziale Penner“ gehandelt; die Lage wurde eher von einem der vielen „Armuts-Risiken“ verursacht, die auch ohne Banken- oder Euro-Probleme existieren würden.

    … gegen Auswüchse des Kapitalismus und die ungerechte Verteilung von Wohlstand demonstriert. …

    Alleine wenn man die Kapitalismus-Kritik streicht und statt Wohlstands-Verteilung eine „empfundene Armuts-Garantie“ (bei den Ängstlichen und Übervorsichtigen) unterstellt, dürfte das alleine schon die Politik interessieren … sollte oder müsste es eigentlich.

    Übrigens:
    der Campingplatz-Besitzer hat dadurch ein fest kalkulierbares Einkommen bei einer fast sicheren Auslastung. Falls ein Wohnwagen mit Anbau oder Hüttenbau aus Eigenfertigung verwaist ist (von den Bewohnern verlassen), kann er beim eigenhändigen Abriss anhand des Zustands (Schimmel, Verwahrlosung) den zukünftigen Lebensverlauf vermuten – ist die Situation gut, haben sich die ehem. Bewohner finanziell verbessert und sind in südlichere sonnigere Regionen ausgewandert – ist die Situation miserabel, dürften ehem. Bewohner das Leben als Obdachlose unter Brücken vorteilhafter finden. Er wünscht sich daher „Stammkunden“, die nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig verdienen.

    Die Frage, ob ein Campingplatz auch ein „sozialer Brennpunkt“ sein kann, wurde nicht gestellt: Banken-, Wirtschafts- oder Euro-Krise wurden auch nicht durch die Betroffenen angesprochen, was man auch nicht erwartet hatte.

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