Flammen im Konstanzer Trichter und eine flammende Brandrede

Gemeinderatsmitglieder beklagen Promi-Einladungen aufs Schiff am Seenachtsfest

Konstanz (wak) Bis zu 40.000 Besucher erwartet das Seenachtsfest-Team am kommenden Samstag, 14. August, bei Konstanzer Seenachtsfest. Unter ihnen sind auch wieder einige VIPs, der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister sowie und Promis aus der Wirtschaft und auch Mitglieder des Konstanzer Gemeinderats. Letztere werden traditionell von der Tourist-Information Konstanz GmbH eingeladen. Die Linke Liste Konstanz nimmt daran nun Anstoss. Solch großzügige Einladungen passten nicht in die Zeit, sagen die Gemeinderatsmitglieder Holger Reile und Vera Hemm. „Es kann nicht angehen, dem Volk Wasser zu verordnen, sich selbst aber Schampus und sonstige Annehmlichkeiten zu genehmigen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Linken Liste, in der auch auf den Sparzwang in Konstanz hingewiesen wird.

Lichter tanzen über dem Bodensee

Es ist eines der schönsten Seefeuerwerke Europas – beim Konstanzer Seenachtfest sieht es fast so aus als ob der ganze Bodensee in Flammen stünde, wenn deutsche und schweizer Pyrotechniker als Festhöhepunkt ein halbstündiges Musikfeuerwerk inszenieren. Dann tanzen am Himmel über der Konstanzer Bucht tausende Sterne im Takt, lassen das Firmament in den schönsten Farben erleuchten und jagen den Zuschauern eine Gänsehaut über den Rücken. Die Show stammt auch dieses Jahr aus der Feder des zweifachen Pyrotechnik-Weltmeisters Joachim Berner und seinem Team. Die Lokalprominenz wird dem Schauspiel in diesem Jahr ausnahmsweise an Bord eines Bodensee Schiffes miterleben. Der Grund: Die Terrasse des Konzils, wo die geladenen Gäste sonst in der ersten Reihe sitzen, steht wegen Bauarbeiten am Samstag ausnahmesweise nicht zur Verfügung, begründet der Geschäftsführer der Tourist-Information, Norbert Henneberger.

Große Sternenfahrt mit Lokalprominenz

Auch Holger Reile und Vera Hemm haben mutmaßlich eine Einladung bekommen. Gestolpert sind die Gemeinderatsmitglieder aber offenbar über den Text des Einladungsschreibens: „Ein ausgefallenes Buffet und das komfortable Ambiente an Bord versüßen Ihnen anschließend die Zeit, bis das Schiff zur großen Sternenfahrt in See sticht.“, so stehe es im Einladungsschreiben und eingeladen worden seien auch Mitglieder des Konstanzer Gemeinderats, kritisieren die Linken. Weiter heißt es in der Pressemitteilung von Reile und Hemm wörtlich: „Wir von der LLK wollten wissen, wer dafür die anfallenden Kosten übernimmt. TIK-Geschäftsführer Norbert Henneberger teilte uns daraufhin mit, dass die Kosten der Einladung ,überwiegend vom Veranstalter und zum Teil von der TIK übernommen‘ werden. Wir fragten Herrn Henneberger erneut an, in welcher Höhe die TIK Kosten übernimmt.“ Henneberger sah aber offenbar keinen Grund, Holger Reile und Vera Hemm genauer aufzuklären.

Wer zahlt für die Verköstigung der VIPs

„Wir waren mit dieser in der Tendenz unverschämten Antwort nicht zufrieden und forderten Henneberger auf, uns detailliert aufzulisten, in welcher Höhe die TIK Gelder ausgibt, um VIPs an Bord der ,MS Graf Zeppelin‘ bei ,Häppchen und Sekt zu verwöhnen’“, poltert die Linke. Wiederum sei die Antwort des TIK-Geschäftsführers ausweichend gewesen. Henneberger ließ die Fragesteller, wie sie mitteilten, wissen: „Durch den Vertrag mit dem Veranstalter partizipieren wir an den Einnahmen und erhalten jährlich einen fünfstelligen Betrag, den wir dann wieder für die Förderung des Tourismus einsetzen.“ Das sagte Henneberger so auch See-Online.

TIK lädt nur Ratsmitglieder ein

See-Online erklärte Henneberger außerdem, dass die TIK zwar die Gemeinderatsmitglieder eingeladen habe, die Kosten für die Bewirtung der Wirtschaftsvertreter aber nicht von der TIK sondern von anderen getragen würden. Nicht eingeladen sind in diesem Jahr laut Henneberger Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterinnen aus der Bodensee Region. In früheren Jahren waren auch der Friedrichshafener OB oder die Überlinger Oberbürgermeisterin schon zu gast. „Es ist eine sehr gute Gelegenheit, bei der sich Gemeinderäte, Geschäftsführer und Politiker in lockerem Rahmen unterhalten können“, so Hennberger. Zu den geladenen Gästen zählen offenbar auch die Bundestagsabgeordneten. Keinesfalls würden die VIPs aber von der TIK aus Steuergeld bewirtet.

Vorwurf Wasser predigen und Schmapus trinken

Die Linke Liste findet solche Antworten aber offenbar unbefriedigend. Versteht Henneberger die Einladung an lokale Prominenz als „Förderung des Tourismus?“, fragen sie und es klingt ein bisschen hämisch. Seit Wochen werde den „normalen Bürgern“ erklärt, dass sie in Zukunft den Gürtel enger schnallen müssten, heißt es in der Mitteilung der Linken Liste weiter. „Das sollte aber dann tunlichst für alle gelten.“ Es könne nicht angehen, dem Volk Wasser zu verordnen, sich selbst aber Schampus und sonstige Annehmlichkeiten zu genehmigen.

So feiern die anderen 40.000 am Samstag

Rund geht es beim Konstanzer Seenachtfest am 14. August übrigens schon lange bevor, die Promis an Bord gehen. Ab 15 Uhr spielen auf sechs verschiedenen Bühnen vierzehn Bands live, gegen später heizen SWR3 und Radio 7 mit ihren Parties auf Klein Venedig und im Stadtgarten ein. Über 50 Gastronomiestände wird es geben, an denen sich Seenachtsfestbesucher – anders als die lokale Prominenz – anstellen müssen.

Brandbrief in Zeiten des Sparens

Das Konstanzer Seenachtfest ist nicht nur eines der größten, sondern auch traditionsreichsten Feste am Bodensee. Seit inzwischen 62 Jahren lockt es Besucher aus ganz Deutschland, aus Österreich und der Schweiz nach Konstanz – bis zu 40.000 jährlich. Dass in Konstanz auch VIPs mitfeiern und zu den geladenen Gästen gehören, hat Tradition. In Zeiten des Sparens werden solche Privilegien aber offenbar in Brandbriefen in Frage gestellt. In Kreuzlingen ist der Eintritt aufs Festgelände für alle frei.

Foto: http://www.seenachtfest.com/presse.php

2 Kommentare to “Flammen im Konstanzer Trichter und eine flammende Brandrede”

  1. Fenedig
    9. August 2010 at 16:44 #

    Grotesk, mit welcher „Strategie“ Herr Reile von den Linken politische Fischzüge immer wieder neu über die Medien zu inszenieren versucht. Wie ein Fest zu gestalten ist, kann er den verantwortlichen Organisatoren überlassen. PR – in welcher Form auch immer – ist das Alltagsgeschäft von Machern und in unserer Gesellschaft etabliert – vom Feuerwehrfestapero bis hin zum Stadionlogenkaviar. Wenn von „engen Gürteln“ die Rede ist, komme ich fast auf den Gedanken, den linken porschefahrenden, grossverdienenden Gewerkschaftsgenossen Ernst ins Gespräch zu bringen. Ich verzichte. Ist seine Sache. Fahre Golf IV.

  2. dk
    9. August 2010 at 17:00 #

    @ … In Zeiten des Sparens werden solche Privilegien aber offenbar in Brandbriefen in Frage gestellt….

    Wenn man „Zeiten des Sparens“ durch „Zeiten der Luftschlösser und Luftblasen“ ersetzt, ist es nicht mehr ganz so finanziell.

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