Florian Riem sagt zu Konzertsaal am Seerhein ja

Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie zeigt sich offen für Ideen

Konstanz (wak) Florian Riem, der Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie, ist bereit, sich an einem konstruktiven Dialog mit ehemaligen KKH-Gegnern zu beteiligen. Bei einem Treffen der Initiative Nein-zu-Klein-Venedig sagte Riehm am Mittwochabend, das Orchester brauche keinen Luxussaal. „Er muss nicht 40 Millionen Euro kosten und er muss nicht auf Klein Venedig stehen“, so Riem.

Initiative Nein-zu-Klein-Venedig will Konzertsaal

Um konkrete Vorschläge über den Standort für ein Konzerthaus zu machen, war es am Mittwochabend aber noch zu früh. Mehr als 100 Konstanzer, die beim Bürgerentscheid mit nein gestimmt hatten, machten bei dem Treffen der Initiative Nein-zu-Klein-Venedig aber klar, dass auch sie sich einen Konzertsaal für die Südwestdeutsche Philharmonie wünschen. Sie widerlegten damit im Hotel Graf Zeppelin auch noch einmal die Unterstellung, alle Gegner des KKH seien „Kulturfeinde“.

Rudy Haenel zieht Klassik vor

Rechtsanwalt Rudy Haenel, der zwei Konzertkarten fürs schönste Banner der Kampagne „Nein-zu-Klein-Venedig“ gewonnen hatte, entschied sich spontan für Karten für ein klassisches Konzert der Südwestdeutschen Philharmonie. Er hätte die Wahl zwischen einem Konzert der Südwestdeutschen Philharmonie oder einem Konzert im Kulturladen gehabt.

Kreuzlinger Dreispitz keine Alternative

Florian Riem erklärte, er freue sich über Vorschläge, die zu einem „konstruktiven Dialog“ beitragen. Holger Reile (Linke) fragte, ob sich Riem den Dreispitz in Kreuzlingen als Konzertsaal vorstellen könnte. Das 2006 eröffnete Dreispitz Sport- und Kulturzentrum Kreuzlingen verfügt über einen Veranstaltungs-Saal mit 600 Plätzen. Riem erklärte aber, dass die Akustik nicht ausreichend gut sei. Das Orchester sei im Dreispitz wegen der Bühnensituation vom Publikum „abgekapselt“. Der Dreispitz sei für das Orchester nur eine Behlfslösung. Zudem gingen die Konstanzer auch nur sehr ungern nach Kreuzlingen in einen Konzert der Philharmonie. Keine 200 Abonnenten kämen nach Kreuzlingen, so Riem. Die Konstanzer bevorzugen das Konzil.

Keine Vorbehalte gegen den Seerhein

Auf einen Standort festlegen wollte sich Riem vor den Zuhörern, unter ihnen die Architekten Herbert Schaudt und Andreas Rogg, Stadtplaner Roland Jerusalem und sein Kollege Martin Wichmann, der frühere Bürgermeister Volker Fouquet, Pianist Davide Martello sowie einige Konstanzer Stadträte aus mehreren Gemeinderatsfraktionen, nicht. Er sagte aber, den Standort am Seerhein sehe er positiv. Die Südwestdeutschen Philharmonie könnte sich den Umbau einer Immobilie genauso vorstellen wie ein Konzerthaus in Leichtbaubauweise.

Auch Woolworth-Kaufhaus keine Alternative

In Frage käme sogar das leer stehende Woolworth Kaufhaus. 16 Millionen Euro Kaufpreis plus Investitionen in den Umbau, um aus dem ehemaligen Kaufhaus, ein Konzerthaus zu machen, sei es aber zu teuer. „Es muss kein KKH sein“, sagte Riem. Weiter erklärte der Intendant des Orchester, er habe neu auch Gespräche mit dem Theaterintendanten Christoph Nix geführt. Die beiden Intendanten wollten gemeinsam für eine Lösung plädieren.

Bürger fordern Bürgerbeteiligung ein

Unklar ist bisher auch unter den Befürwortern einer Konzerthalle noch, welche Art von Konzerten in einem Konzerthaus stattfinden sollen. Am Bürgerentscheid beteiligt hätten sich auch viele junge Konstanzer, hieß es am Mittwochabend seitens der Bürgerinitiative. Ihre Interessen dürften nicht hinten angestellt werden. Stadtrat Günter Beyer-Köhler (FGL) sagte, Konstanz müsse den Kopf nach dem Bürgerentscheid nicht in den Sand stecken. Hanna Binder (SPD) sprach sich für eine Bürgerbeteiligung aus. Die Stadträtin wies aber auch darauf hin, dass sich die Mehrheiten im Rat nach dem Bürgerentscheid nicht verändert hätten. Klar machten die Bürger am Mittwoch aber auch, dass sie beim Thema Konzerthaus in Zukunft mitreden wollen. Günther Schäfer, Sprecher der Initiative, sagte, dass das Projekt Konzerthaus nach dem Bürgerentscheid nicht zu weit nach hinten gerückt werden dürfe. Günther Schäfer forderte die Stadt auf, die Öffentlichkeit in Zukunft voll umfänglich zu informieren und Schluss mit nicht-öffentlichen Verfahren zu machen. „Der OB muss massiv an sich arbeiten“, sagte Schäfer. Florian Riem, den Intendanten der Südwestdeutschen Philharmonie, verabschiedete die Bürgerinitiative mit Beifall.

Foto: Florian Riem/Davide Martello

Ein Kommentar to “Florian Riem sagt zu Konzertsaal am Seerhein ja”

  1. Fenedig
    25. März 2010 at 10:45 #

    Die Diskussion bei den sonntäglichen „Siegern“ zeigt weiterhin die Unsicherheit in der gemeinsamen Argumentation. Die Annahme, dass unter den Neinsagern „ein Haufen philharmonischer Freunde“ waren, ist im Reich der Mythen anzusiedeln. Es existiert im Kern kaum eine kulturelle Polarität, wohl jedoch ein gegenseitiges Verständnis (Sollte man zumindest meinen!). „Kulturelle Eifersucht“ spielte in diesem Zusammenhang am Sonntag aber ausgerechnet deutlich mit. Warum noch immer die Liebe am Quasi-Gewerbegebiet an der B33 hängt, nahe am Hauptverkehrsdrehpunkt nördlicher Autobahnbrückenkopf, verwirrt. Die Besucher werden mit ihren Fahrzeugen vor oder nach einer Veranstaltung genau so in der Innenstadt ankommen und den Verkehr bringen, der für Klein-Venedig u.a. auf der Anklagebank sass. Und auch ein Hotel ist „stadtfern da draussen“ weit und breit nicht in Sicht, die ÖPNV-Anbindung desolat. Wenn Herr Riehm sich „konstruktiv“ zeigt, probt er wohl den „letzten Versuch“, wäre aber mit einer – gar in „Leichtbauweise!“ – Multifunktionshalle für „Pop, Rock und Beethoven“, wie es die Gegner erträumen, schlecht bedient. Dieser Kompromiss lohnte sich keineswegs.

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